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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Wälder in Zukunft mit weniger Fichten

09.08.2019

Große Höhe Immer wieder zeigt Günter Westermann auf Bäume, die nahe der Großen Höhe entlang der Straße stehen. „Überall gibt es trockene Buchen und Birken“, sagt der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Oldenburg-Delmenhorst. Auch in Ganderkesee verursacht der warme Sommer zusammen mit einem starken Borkenkäferbefall Schäden an Bäumen.

Für private Waldbesitzer wie Westermann ist der Ärger groß, weil die Zeiträume so langfristig sind. „Der Waldboden ist ein Drei-Generationen-Vertrag“, erklärte Westermann, „ernten tun die Enkel.“

Die Lage in Ganderkesee

Viele der privat bewirtschafteten Waldflächen an der Großen Höhe betreut der Hattener Förster Herbert Brüning, der für rund 2500 Hektar der Forstbetriebsgemeinschaft Oldenburg-Delmenhorst – die Hälfte der Gesamtfläche – zuständig ist. Er gibt Rat zur Aufforstung und Pflege des Bestands.

„Wenn wir jetzt noch mehr Jahre wie 2018 und 2019 haben, dann können wir uns von der Fichte verabschieden“, sagte Brüning. Das Zusammenspiel aus Trockenheit und Hitze sorge dafür, dass diese sehr anfällig gegenüber Borkenkäfern werden. „Fichten brauchen ausreichend Wasser, um Harzdruck zu erzeugen“, erklärte er. Dieser dränge eingedrungene Borkenkäfer nach außen, aber wenn es an Wasser fehlt, reiche die Kraft dafür nicht mehr aus.

„Pro Fichte müssen wir mit etwa 10 000 Käfern rechnen“, sagte Brüning. Die warme Witterung verstärke das Problem noch auf andere Weise: „Wir haben dann drei Insektengenerationen mit bis zu 50 000 Nachkommen von einem Mutterkäfer.“ Borkenkäfer fliegen aber nur wenige hundert Meter weit und verenden, wenn sie nicht auf einem passenden Baum landen. In Ganderkesee sei die Lage daher noch vergleichsweise entspannt, da die Waldflächen eher klein seien und es viel Mischbestand gebe.

Warum überhaupt Nadelhölzer wie Kiefern und Fichten rund um die Große Höhe stehen, weiß Günter Westermann genau: „1830 wurden die hier angepflanzt, um die Verheidung aufzuhalten. Damals wurden Flächen mit dieser Auflage an Privatbesitzer verkauft, um die Bildung von Dünen zu verhindern.“

Anders als im Hasbruch

Der zumeist sandige Untergrund sei deshalb auch trockener als der Hasbruch, der für Vergleiche nur sehr eingeschränkt tauge. „In zwei Metern Tiefe kommt hier aktuell gar nichts mehr“, kommentierte Herbert Brüning den derzeitigen Wasserstand der Gegend.

Aber nicht nur Fichten leiden unter den aktuellen Bedingungen. „Der Mutter des Waldes, der Buche, wird es bei rund 30 Grad Celsius auch schon zu warm“, sagte Brüning, „die bekommt dann Sonnenbrand.“ Zusammen mit dem niedrigen Grundwasserstand sorge das derzeit für zunehmend vertrocknete Buchenblätter..

In der Forstwirtschaft gibt es aber Alternativen zu den problemgeplagten Arten: Kiefer, Douglasie und Roteiche sind weniger anfällig für trockenes Klima. Vor allem die Douglasie ist für Waldbesitzer eine attraktive Wahl. „Die wächst schneller und braucht weniger Wasser als eine Fichte“, erklärte Westermann. Pro Hektar gebe es einen jährlichen Zuwachs von zehn bis 13 Festmetern bei Douglasien, während Kiefern auf fünf bis sieben Festmeter kommen.

Für Neuanpflanzungen setzen Forstwirte auf Mischbestände. „Wir pflanzen hier 20 bis 30 Prozent Kiefern pro Hektar, dazu rund 30 Prozent wie Akazien und jetzt zunehmend Roteichen.“ Die Laubbäume sorgen nicht nur für einen geringeren Borkenkäferbefall, sondern schützen auch vor Wind.

Forstwirtschaftliche Wälder bedeuten aber nicht nur Gewinne durch Holzverkauf, sondern helfen beim Klimaschutz. „So ein Wald hier bindet mehr CO2 als echter Urwald“, sagte Westermann.

Douglasien gepflanzt

Er besitzt selber aktuell 17 Hektar Wald, die teils Nadelholz und teils Mischwald sind. Vor zwei Jahren kaufte er einige Flächen dazu, die lange nicht forstwirtschaftlich genutzt worden waren. „Da müssen wir erstmal Grund reinbekommen“, sagte Westermann. Auf einer Fläche pflanzte er im Frühjahr Setzlinge für Buchen und Douglasien, von denen letztere derzeit immer noch grün und saftig aussehen. „Douglasien haben auch mehr Harz als Fichten“, so Westermann, was ein zusätzlicher Schutz gegen Schädlinge sei.

Wie groß genau die Ausfälle im Bestand durch Trockenheit und Schädlinge derzeit sind, ist noch unklar. „Zehn bis 20 Prozent der Flächen fallen bei der Ernte wohl weg“, schätzte Herbert Brüning. „Insgesamt sind wir bisher noch gut weggekommen“, ergänzte Westermann. „Um Weihnachten herum wissen wir mehr.“ Beide sind sich aber einig, dass das Waldbild sich in Zukunft auch in Ganderkesee verändern wird.

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Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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