Hollen - Nach jedem Jahr denkt Marina Becker-Kückens: Mehr geht nicht. Und jedes Mal sieht sich die Geschäftsführerin des Regionalen Umweltzentrums (RUZ) Hollen 365 Tage später eines Besseren belehrt – auch jetzt wieder: Gegenüber dem Vorjahr hat das RUZ 2018 seine Angebote und Aktivitäten erneut ausgeweitet.
RUZ macht Schule
Mehr als 600 Schulklassen aus dem Landkreis Oldenburg und der Stadt Delmenhorst haben in diesem Jahr das Umweltzentrum in Hollen und den Lernstandort in Huntlosen besucht oder wurden von RUZ-Mitarbeitern in ihren Schulen aufgesucht – das waren rund 20 Klassen mehr als im Vorjahr. Dazu kamen in 2018 noch 61 Klassen von Schulen, die nicht im Einzugsgebiet liegen, und knapp 200 sonstige Gruppen und Arbeitskreise sowie Kurse, Seminare und Veranstaltungen, die sich am RUZ mit Umwelt- und Ernährungsfragen beschäftigt haben.
Die Kehrseite des großen Zuspruchs: „Räumlich stoßen wir an unsere Grenzen“, gestand Becker-Kückens am Donnerstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Die Pläne für einen Anbau im nächsten Jahr lagen schon fertig in der Schublade – weil aber ein fest eingeplanter Zuschuss wegfiel, muss jetzt neu überlegt werden. „Wir hoffen auf eine schnelle Entscheidung und befinden uns in enger Abstimmung mit der Gemeinde“, sagte Becker-Kückens.
Mehr Raum in Hollen würde auch bedeuten: Platz für weitere Projekte. Denn vor allem darüber finanziert sich das Umweltzentrum. Das jährliche Budget in Höhe von rund 500 000 Euro wird nur zu gut einem Fünftel gespeist von den Zuschüssen des Landkreises Oldenburg und der Stadt Delmenhorst (zusammen 110 000 Euro). Der Rest des Geldes kommt durch die Projektarbeit in die Kasse.
Darunter sind längerfristige Angebote wie die erfolgreiche und preisgekrönte Kampagne „Wirf mich nicht weg!“: Das von der Unternehmensgruppe Melitta („Toppits“) geförderte Projekt zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung erhielt im April von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Bundespreis „Zu gut für die Tonne“. Durch die Auszeichnung und auch die Berichterstattung darüber habe sich die Sensibilität für das Thema vervielfacht, freute sich Projektleiterin Claudia Kay: „Man merkt, wie sich das Bewusstsein verändert“.
Eltern machen mit
Auch bei anderen Projekten erfahren die RUZ-Mitarbeiter unmittelbar, wie sie mit ihrer Arbeit zu einem besseren Verständnis für Umweltschutz und Nachhaltigkeit beitragen. Bei „Nakita“ zum Beispiel: Hier geht es darum, Eltern in Kindertagesstätten für den Klimaschutz mit einzuspannen und so das Thema in den Familien zu vertiefen. „Das läuft super“, berichtete Katja Wessolowski, die mit Katharina Witte dieses Projekt betreut. Vor allem, indem man die Eltern selbst Ideen und Initiativen entwickeln lasse, verfestige sich das Bewusstsein für den Klimaschutz. Sieben Kitas in den Gemeinden Ganderkesee, Hude und Dötlingen sind beteiligt, das Bundesumweltministerium trägt 93 Prozent der Projektkosten.
Größer geworden ist beim Umweltzentrum auch das Regionale Energiemanagement (REM): Mit Julius Breitkopf habe man einen engagierten Mitarbeiter für diese Aufgabe gefunden, sagte der stellvertretende RUZ-Leiter Martin Brinkmann. Dank seiner Arbeit sei vor allem das Controlling der Energiesparmaßnahmen deutlich verbessert worden. Mittlerweile erstellt das Umweltzentrum bereits für fünf Kommunen jährliche Energieberichte, in denen der Strom-, Wärme- und Wasserverbrauch der Liegenschaften genau erfasst wird. Kontrollen und Korrekturen (falls erforderlich) finden sogar monatlich statt, dafür wird eng mit den Hausmeistern der Gemeinden zusammen gearbeitet.
Neue Förderung
Und gerade hat das RUZ eine neue Förderzusage bekommen: Mit 25 000 Euro unterstützt die Postcode-Lotterie ein Projekt zur Überarbeitung aller Unterrichtsmaterialien des Umweltzentrums – sie sollen inklusionsgerecht aufbereitet werden. Der Antrag sei unkompliziert gewesen und das Ergebnis erfreulich, stellte Marina Becker-Kückens fest. In vielen anderen Fällen sei es weitaus aufwendiger und zeitintensiver, Fördermittel einzuwerben. „Aber auch da“, so die RUZ-Leiterin, „werden wir immer professioneller.“ Das nächste Jahr wird also wohl erneut zeigen: Es geht noch mehr im RUZ.
