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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

„Ich will keinen neuen Islam schaffen“

09.03.2013

Ganderkesee Islam und Demokratie: zwei Gegensätze, die nicht miteinander vereinbar sind? Ein Trugschluss, meint Prof. Dr. Bülent Uçar, Leiter des Zentrums für interkulturelle Islamstudien an der Universität Osnabrück. Er war am Donnerstagabend der Einladung des Ökumene Kreises Ganderkesee gefolgt und hielt in der Mensa des Schulzentrums am Steinacker einen Vortrag unter dem Titel: „Demokratie und Islam gehen zusammen“.

Uçar betonte vorab, dass es sich um seine persönliche Perspektive handele. Innerhalb jeder Religion, ja selbst innerhalb der Konfessionen, gebe es unterschiedliche Prägungen. Und so habe auch der Islam verschiedene Facetten. „Wir sind schließlich Kinder unserer Zeit und werden von der Kultur um uns herum geprägt“, sagte der 36-Jährige.

Der Referent ist in Oberhausen geboren und aufgewachsen, hat dort eine katholische Bekenntnisgrundschule besucht. An der Universität Bonn studierte er unter anderem Islamwissenschaften. „Man muss die historische Entwicklung begreifen, um das Hier und Jetzt verstehen zu können“, sagte Uçar, der seit 2010 Mitglied der Deutschen Islam Konferenz ist.

„Wenn sich die Menschen sicher fühlen, entwickeln sie ein Interesse an fremden Kulturen. Spüren sie aber eine Bedrohung, schotten sie sich davon ab“, hat Prof. Dr. Bülent Uçar festgestellt. Deshalb müsse der Dialog zwischen den Glaubensrichtungen gesucht werden, denn „Schweigen unterstützt Vorurteile und Phobien“. Er ist zuversichtlich, dass dies in der Bundesrepublik möglich ist: „Deutschland sieht in Religionsgemeinschaften eine Bereicherung.“ Uçar hält das deutsche Modell, dass der Staat den Religionen einen Rahmen anbietet und gleichzeitig aber gewisse Zugeständnisse fordert, für idealtypisch. „Unser Zentrum in Osnabrück muss sich zum Beispiel mit anderen Theologen austauschen. Das fördert das Verständnis“, sieht er in dieser Auflage den positiven Effekt.

Die Verbindung Islam und Demokratie sei nicht einfach, gab er zu. Aber mit der Etablierung islamischer Theologie an deutschen Universitäten könne der Grundstein für die Versöhnung von Tradition und Moderne gelegt werden.

Im Anschluss wurde rege diskutiert, es kamen auch kritische Fragen auf. Ob an diesen Zentren für interkulturelle Islamstudien nicht ein „deutscher Islam“ geschaffen werde? „Ich will keinen neuen Islam schaffen. Aber ich bin überzeugt, dass die Religionen von den Kulturen beeinflusst werden, in denen sie entstehen. Der Islam in Deutschland wird eine eigene Prägung bekommen, aber das dauert seine Zeit.“ Während die türkische Regierung diese Entwicklung kritisch verfolge, „bekommen wir großen Zuspruch von der muslimischen Basis in Deutschland und Niedersachsen“, so Uçar.

Lars Herrmann
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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