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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Auch Bauch darf wieder mitreden

19.01.2018
Frage: Frau Leith, Ihr Vortrag trägt den Titel „Erdbeeren oder Schokolade“. Geht nicht auch beides?
Leith: Natürlich können Sie auch gerne beides haben. Aber es ist nun mal so: Pro Tag treffen wir bewusst und unbewusst bis zu 20 000 Entscheidungen. Morgens gleich aufstehen oder noch fünf Minuten liegenblieben; ein Blick aus dem Fenster entscheidet, was wir anziehen: Das sind scheinbar banale Entscheidungen, über die wir gar nicht groß und bewusst nachdenken. Doch gibt es auch immer wieder Entscheidungen, die wohl überlegt sein wollen. Große Entscheidungen, die Weichen stellen in unserem Leben und Konsequenzen haben. Entscheidungen, die wahrlich mehr Gewicht haben, als „Erdbeeren oder Schokolade“ und uns manche Nacht wachliegen und grübeln lassen. Aber: Die Voraussetzung für eine Veränderung im Leben ist eine Entscheidung.
Frage: Es ist also wichtig, sich bewusst zu entscheiden?
Leith: Natürlich. Glück und Zufriedenheit ist das Ergebnis von Entscheidungen; die heutige Lebensqualität, die wir haben: das Ergebnis von Entscheidungen. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass es ein Schulfach zum Thema „Entscheidungen treffen“ geben sollte.
Frage: Sie coachen sowohl Männer als auch Frauen. Im Haus Müller richtete sich ihr Vortrag aber vor allem an Letztere. Gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern, was Entscheidungsfindung angeht?
Leith: Ausnahmen bestätigen hier definitiv die Regel, aber ja: Frauen denken mehr über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen nach. Und tun sich dann manchmal schwer. Das kann man natürlich nicht pauschalisieren, aber der Entscheidungsprozess bei Männern ist häufig anders. Evolutionär gesehen, spielt auch immer Angst eine Rolle. Es ist nicht mehr die Angst vor dem wilden Tier, aber es ist beispielsweise die Angst: Schicke ich mich damit jetzt ins soziale Aus? Frauen bedenken bei ihren Entscheidungen auch viel häufiger die Familie und damit auch ganz andere Faktoren.
Frage: Nun mussten Menschen schon immer Entscheidungen treffen. Hat sich in den letzten Jahren hier etwas verändert?
Leith: Ja, die Art der Entscheidungen hat sich massiv verändert. Das hat auch mit anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu tun. Früher war die Ratio, also die Vernunft, das Maß aller Dinge. Entscheidungen mussten Sinn machen. Jetzt ist es wieder erlaubt, auf den eigenen Bauch, auf das Unterbewusste zu hören. Da sind wir gerade in einer emotionalen Revolution: Wir dürfen wieder anfangen, auf unser Gefühl zu hören. Das müssen wir lernen.
Frage: Heißt das, wir sollen nur noch auf unser Bauchgefühl hören?
Leith: Nein, auf keinen Fall. Wir müssen unsere Instinkte und unseren Verstand koordinieren, beides so weit wie möglich in Einklang bringen.
Frage: So weit wie möglich?
Leith: Ja, eine hundertprozentig richtige Lösung, eine bis zum Letzten richtige Entscheidung gibt es selten. Von diesem Irrglauben müssen wir uns verabschieden. Zwischenlösungen sind wichtig, Kompromisse, mit denen Herz bzw. Bauch und Verstand leben können.
Frage: Manchmal müssen wir aber schnell wichtige Entscheidungen für unsere Zukunft treffen...
Leith: Müssen wir das? In vielen Situationen, gerade wenn es um die langfristige berufliche Entwicklung geht, ist das ein weiterer Irrglaube. Niemand hat das Recht, sie zu einer sofortigen Entscheidung zu zwingen. Manchmal braucht man einfach etwas Zeit. Das muss ich mit meinem Gegenüber verhandeln, aber diese Zeit ist eigentlich immer da. Wir müssen bedenken: Der Verstand arbeitet langsamer als unsere Instinkte. Wir müssen dem Verstand Gelegenheit geben, das Unbewusste zu verarbeiten.
Frage: Mit einem Satz gesagt: Was raten Sie den Menschen?
Leith: Da möchte ich Theodor Roosevelt zitieren: ,Bei jeder Entscheidung ist es das Beste, das Richtige zu tun, das Nächstbeste, das Falsche zu tun und das Schlechteste, gar nichts zu tun’.
Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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