Frau Grundmann, es ist momentan so heiß und trocken wie lange nicht. Rasenflächen sind Steppen. Werden die jemals wieder grün?
GrundmannJa. Gras hat die gute Eigenschaft, dass es sich regenerieren kann, sobald es wieder Feuchtigkeit bekommt – aber das wird dauern. Das Wasser muss erstmal wieder dauerhaft im Boden vorhanden sein, um die Pflanze ausreichend zu versorgen. Den Rasen zur Zeit nur etwas zu besprühen, bringt überhaupt nichts. Auch wenn Rasen nicht sehr tief wurzelt, muss das Wasser schon ausreichend tief in den Boden eindringen. Wenn dies bei diesen Temperaturen alle zwei oder drei Tage passiert, würde das sogar ausreichen. Täglich wässern muss also gar nicht unbedingt sein!
Vorausgesetzt, es regnet irgendwann mal wieder: Sollte man dem Rasen Starthilfe in Form von Dünger geben?
GrundmannDas Problem bei Dünger ist, dass einige Mischungen einen großen Anteil an Stickstoff enthalten. Der sorgt dafür, dass der Rasen in Verbindung mit Sonne verbrennt. Aber wenn erstmal die ersten Regenschauer gefallen sind, macht es durchaus Sinn, zu düngen. Das muss man gerade bei Rasenflächen ohnehin drei- bis viermal im Jahr tun.
Die Wasserverbände warnen bereits vor einer drohenden Wasserknappheit und bitten darum, möglichst wenig zu sprengen und zu gießen. Welche Bereiche des Gartens sollte man da vorrangig bewässern, damit wenigstens etwas Grün erhalten bleibt?
GrundmannAm wichtigsten wären dann Blumenkübel und Kästen rund um die Terrasse. Die brauchen bei diesem Wetter unbedingt täglich Wasser, während tiefer wurzelnde Pflanzen in Beeten etwas genügsamer sind.
Wenn jemand nicht auf Grün in seinem Garten verzichten möchte: Gibt es Pflanzen, die Hitze besonders gut verkraften?
GrundmannWas auch mit wenig Wasser gut funktioniert, sind Steingartenpflanzen, die auch auf Dachbegrünungen eingesetzt werden. Sedum- und Thymian-Arten zum Beispiel kommen mit der Hitze gut zurecht. Das Gleiche gilt für Gräser. Stauden, die zur Zeit voll in der Blüte stehen, brauchen dagegen unendlich viel Wasser. Wenn immer alles grün sein soll, hilft nur eine Bewässerungsanlage, die regelmäßig Wassertropfen abgibt und dies direkt im Wurzelbereich. Eine kleine Hilfe kann auch Rindenmulch sein. Wenn der Boden nass ist, hilft die Abdeckung dem Boden, die Feuchtigkeit zu halten. Allerdings darf das Mulch selbst nicht ausgetrocknet sein, sonst entzieht es dem Boden eher das Wasser.
Die meisten Hecken sehen auch jetzt immer noch relativ gut aus. Müssen auch sie bewässert werden?
GrundmannIch würde es empfehlen. Heckenpflanzen wurzeln je nach Gattung gründlich in den Boden ein. Aber auch sie haben irgendwann einen Punkt erreicht, an dem sie austrocknen. Wenn die Blätter beginnen, sich einzurollen oder wenn sie – etwa beim Kirschlorbeer – gelb werden, dann ist es kurz vor knapp. Dann kann man am besten den Gartenschlauch reinlegen und für eine halbe Stunde weggehen. Das Wasser muss tief in den Boden eindringen, um Abhilfe zu schaffen. Auch hier gilt: Lieber einmal mehr sehr intensiv wässern, aber dafür nicht jeden Tag.
Haben Sie eigentlich in diesem Jahr mehr Aufträge von Gartenbesitzern, bei denen Sie während der Urlaubszeit den Garten bewässern sollen?
GrundmannDefinitiv! Wir haben mindestens 20 neue Kunden, zu denen wir regelmäßig mit dem Wasserfass fahren – teils sogar täglich. Im Frühjahr haben wir bei vielen Kunden größere Gehölzanpflanzungen vorgenommen, die brauchen jetzt enorm viel Wasser. Auf dem Schulhof des Gymnasiums Ganderkesee haben wir neue Staudenbeete angelegt. Dort bewässern wird derzeit auch mindestens jeden zweiten oder dritten Tag.
