Kühlingen - Nicht nur das Wetter ist in Ganderkesee örtlich sehr unterschiedlich, auch die Landwirte arbeiten nicht alle im gleichen Rhythmus: Während bei Ronald Bredendiek in Brüning die Kartoffelernte erst Ende September beginnt, ist sein Kollege Friedhelm Blankemeyer aus Kühlingen schon dabei, Erdäpfel zu ernten.
Mehr Ausschussknollen
„Wir haben mehr Ausschuss in diesem Jahr“, sagte Blankemeyer, während er den Blick über den Acker schweifen lässt. Durch die teilweise heftigen Niederschläge in den vergangenen Wochen wurden Dämme auf den Kartoffelfeldern weggespült und Knollen freigelegt. Diese entwickeln dann Grünstellen oder sogar Sonnenbrand.
Insgesamt erwartet Blankemeyer eine unterdurchschnittliche Ernte: „Das wird ähnlich wie im letzten Jahr.“ 2018 waren in Niedersachsen aufgrund des heißen und trockenen Sommers 25 bis 30 Prozent weniger Erträge eingefahren worden. Auch in diesem Jahr hat es insgesamt deutlich zu wenig geregnet.
Preise werden steigen
„Die Preise werden dann etwas höher“, schätzt Blankemeyer. Insgesamt bewirtschaftet er 16 Hektar Land mit Kartoffeln. Die dafür notwendigen Arbeitskräfte zu finden wird indes immer schwieriger: „Das ist schwere Arbeit, die jungen Leute haben da oft keine Lust drauf.“ Besonders wichtig sei aber der familiäre Rückhalt in der Landwirtschaft. „Nur mit der Familie zusammen kann man was wuppen“, war er sich sicher. Bereits seit 50 Jahren baut seine Familie Kartoffen an.
Qualität stimmt aber
Auch wenn die Ernte niederschlagsbedingt kein Rekord sein wird, ist Blankemeyer zufrieden mit der Qualität. „Die Pflanzen sind ansonsten gesund“, sagte er. „Wir arbeiten mit Sorgfalt und wollen beste Ware liefern.“ Dazu gehöre auch, sich als Landwirt stets neu anzupassen. „Wir bauen immer wieder mal neuen Sorten und und müssen jetzt auch lernen, sorgfältiger mit dem Wasser umzugehen.“ Das sei auch ohne Berieselungsanlagen möglich, auf die Blankemeyer bisher verzichtet. „Da lernte ich auch noch dazu“, sagte der Landwirt.
Versuche mit neuen und seltenen Sorten finden allerdings im kleinen Rahmen statt. „Belana ist nach wie vor die Königssorte“, erklärte Blankemeyer. Zusammen mit anderen bekannten Sorten wie Annabelle, Linda und Valery mache sie einen großen Teil der Ernte aus.
Schalenfeste Früchte
Ronald Bredendiek wird erst im Oktober mit der Kartoffelernte beginnen. „Weil es so trocken war, sind unsere Kartoffeln noch bis Ende August gewachsen“, sagte er. Es brauche aber noch gute vier Wochen, bis diese dann „schalenfest“ sind: „Die werden sonst während der Lagerung sehr anfällig für Feuchtigkeit und Druckstellen.“
Für die Ernte erwartet er ähnliches wie Blankemeyer. „Das wird keine Katastrophe, aber auch nicht berauschend“, vermutete Bredendiek, der ebenfalls mit rund 30 Prozent weniger Erträgen bei Kartoffeln rechnet.
