Ganderkesee - „Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, stellt sich bei einigen Menschen eine tiefe melancholische Traurigkeit ein“, sagt Dr. Andreas Gimbel. Der Allgemeinmediziner aus Bookholzberg spricht über die saisonal abhängige Depression (SAD) – auch Herbst- und Winterdepression genannt.

Die Heilpraktikerin Inge von Mickwitz aus Schierbrok ergänzt: Menschen, die unter SAD leiden, fühlen sich antriebslos, haben Schlafprobleme und Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen. Außerdem ziehen sich Betroffene zurück und meiden menschliche Kontakte.

„Das liegt daran, dass wir in Herbst und Winter weniger Sonne tanken können“, erklärt Gimbel. Der Körper habe aufgrund der geringen Sonnenstundenzahl weniger vom Glückshormon Serotonin zur Verfügung. „Denn Sonne fördert die Ausschüttung von Serotonin“, so der Hausarzt. Männer und Frauen seien gleichermaßen davon betroffen, erklären Gimbel und von Mickwitz. Die Heilpraktikerin stellt jedoch fest, dass vor allem die über 40-Jährigen mit SAD zu kämpfen haben. „Ältere Menschen neigen dazu, sich zu einseitig zu ernähren“, begründet sie.

„Die Symptome lassen sich in der Regel mit einfachen Hausmitteln in den Griff bekommen“, sagt der Bookholzberger Apotheker Heinke Wübbenhorst. Der Herbst-Blues lasse sich am besten mit Bewegung an der frischen Luft, einer ausgewogenen und vitaminreichen Ernährung und sozialen Kontakten vertreiben. „Das ist in einer Mannschaft natürlich einfacher“, sagt der Apotheker. Für hartnäckige Fälle empfiehlt der Diplom-Pharmazeut ein Johanniskrautpräparat. Das pflanzliche Mittel sei gut verträglich und wirke stimmungsaufhellend. „Weil Johanniskraut erst nach etwa drei Wochen seine Wirkung entfaltet, empfiehlt sich eine Einnahme bereits ab Ende September“, erklärt Wübbenhorst.

Eine weitere Möglichkeit, der schlechten Laune beizukommen, sind laut Dr. Gimbel Lichtduschen. Diese Lichttherapielampen würden sehr erfolgreich in Skandinavien eingesetzt und seien auch in Deutschland erhältlich. „Die Lampen sind in ihrem Lichtspektrum dem Tageslicht nachempfunden und wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus“, beschreibt der Allgemeinmediziner die Wirkung.

Die Heilpraktikerin therapiert die Herbstdepression mit kinesiologischen Balancetechniken. „Akupunktur und Akupressur gleichen Energien im Körper aus, so dass die Ermüdung nachlässt“, erklärt von Mickwitz. Es könne auch helfen, die eigene Wohnung mit hellen und freundlichen Farben umzugestalten, rät sie.