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Teilhabe Moderne Technik ersetzt die Sehkraft

Jonas Plewka

Ganderkesee - Auf die Tastatur sind Punkte aus Gummi zur Orientierung geklebt, auch das Handy ist mit speziellen Drucktasten versehen. Zeitschriften liegen auf dem Scanner und auch der Daisy-Player, ein spezieller CD-Player, liegt einsatzbereit unterhalb des Bildschirms. Erich Strodthoff ist umgeben von Geräten, die ihm helfen, sich zu informieren. Dass der Rentner nur sehr wenig sieht, macht sich zunächst gar nicht bemerkbar.

Seit dem 1. Oktober 1998 ist der mittlerweile 75-Jährige blind. Seine Sehkraft reduzierte sich innerhalb von vier Monaten auf nur zwei Prozent. Die Brailleschrift, eine Tastschrift für Blinde, hat Erich Strodthoff allerdings nie gelernt: „Das fällt denen leicht, die es von Kindesbeinen an lernen. Im Alter hat man auch nicht mehr das Gefühl in den Fingerspitzen“, erklärt er.

Alles wird vorgelesen

„Das wird alles vorgelesen“, erklärt Erich Strodthoff. Er arbeitet mit elektronischen Geräten nur nach Gehör. Email-Programme lesen ihm die Emails vor – sowohl die Nachrichten, die ihn erreichen, als auch alle, die er selbst am Computer schreibt. Auch das Tippen lernte der 75-Jährige erst, als er bereits erblindet war: „Mit Schreibmaschine und Computer habe ich vorher gar nichts gemacht“, erinnert er sich. Im Einzelunterricht übte er, blind an der Tastatur zu schreiben.

Auch die Artikel verschiedener Zeitschriften lässt sich Erich Strodthoff nicht vorenthalten. Er hat einige Abonnements, darunter zum Beispiel das monatliche Magazin des ADAC. Seite für Seite scannt er die Zeitschriften an seinem Scanner, eine spezielle Software liest anschließend den Seiteninhalt vor. Nur bei Bildern stößt die moderne Technik noch an ihre Grenzen. „Das muss alles umschrieben werden“, so Strodthoff. Die spezielle Umschreibung für Blinde fehlt jedoch häufig in normalen Zeitschriften.

Neben dem Computer lesen auch Handy und Daisy-Player alles Wissenswerte vor. Der Daisy-Player ist ein speziell für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelter CD-Player, der neben dem Abspielen von Hörbüchern auch alle wichtigen Informationen mitteilt. Es wird beschrieben, in welchem Teil des Textes man sich befindet, welches Kapitel als nächstes abgespielt wird und wie viel Zeit schon verstrichen ist sowie bis zum Abschluss des Hörbuches noch bleibt.

Auch Kegeln geht blind

Den Sehsinn, so scheint es, braucht Erich Strodthoff gar nicht mehr im Alltag. Er nimmt an Wassergymnastik teil, macht Nordic Walking und trifft sich mit Freunden zum Kegeln. „An guten Tagen werfe ich auch mal 65 Punkte“, erzählt Strodthoff, damit ist er ziemlich nah an der Höchstpunktzahl. Auch Sport verfolgt der 75-Jährige. Zurzeit hört er sich Biathlon an und ist außerdem bei manchen Werder-Spielen dabei: „Wer blind ist, bekommt Kopfhörer, und der Kommentator umschreibt alles.“ Und so fühlt sich Erich Strodthoff, dank der Technik, nur wenig eingeschränkt.

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