Bookholzberg/Ganderkesee - Eine Portion Euphorie gehörte dazu: „Wir sind dabei, mitzugestalten“, betonte Dietmar Mietrach (CDU). Von einer „historisch besonderen Situation“ sprach Detlev Diepenbrock (SPD). Und Dr. Volker Schulz-Berendt (Grüne) sah „unendliche Möglichkeiten“. Gerade hatte VHS-Direktor Rolf Schütze dem Ausschuss für Bildung und Kultur umfassende Perspektiven für das Areal „Freilichtbühne Bookholzberg“ erläutert.
Das Berufsförderungswerk (BFW) wolle innerhalb der nächsten Jahre die Gebäude des Spieldorfes aufgeben. Damit bekommen die Bemühungen um ein Informations- und Dokumentationszentrum neuen Schub, so Schütze, der am Dienstagabend das vom Förderverein maßgeblich entwickelte Konzept vortrug.
In den verschiedenen Häusern des Spieldorfs könnten ein Inklusions-Café, ein Atelierhaus für Künstler, eine Galerie, eine Werkstatt für Druckkunst oder ein Seminarhaus entstehen. Herz der Anlage wäre das Informations- und Dokumentationszentrum zum Missbrauch des historischen Stedinger Aufstandes durch das NS-Regime. Das Haus wäre „LernOrt“ für Schulen und Ausgangspunkt für historische Führungen.
Eine sanierte Freilichtbühne könnte mit Musikveranstaltungen ein überregionales Publikum anziehen. Schütze wies auf rund eine Millionen Einwohner im Umkreis von 40 Kilometern hin. Zudem böten sich Chancen im Bereich des Tourismus. Bei vielen Institutionen – von der Denkmalbehörde bis zum Staatssekretär im Landessozialministerium – sei das Konzept auf positive Resonanz gestoßen.
Unstrittig sei, erst das Dokumentationszentrum einzurichten, so Mietrach, der im Förderkreis mitarbeitet. Das wolle die Ländliche Erwachsenenbildung im Rahmen eines Projekts mit Langzeitarbeitslosen realisieren. Da die Eigentümerin des Areals, die Landesstiftung für berufliche Rehabilitation, das Gelände nicht verkaufen will, müsse die Gemeinde „keine großen Geldmittel“ in die Hand nehmen. Das sahen Heinz-Peter Häger (SPD) und Christian Marbach anders: Sie wollten die Frage der Finanzierung geklärt wissen. Fred Molde (SPD) wies darauf hin, dass das Thema „Stedingsehre“ emotional sehr belastet sei.
Von einer „Riesenchance, für die Gemeinde etwas zu entwickeln“, sprach Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas. Sie appellierte, die Maßnahme mit „großer Sorgfalt“ zu begleiten. Und: „So viele Ideen müssen auch bezahlt werden.“ Auch der Landkreis Oldenburg als Bauordnungsbehörde habe sich noch nicht geäußert. Wenn das Spieldorf nicht mehr zum BFW gehört, müsse die Frage des Autoverkehrs geklärt werden.
