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01.09.2018

Schierbrok Allein unter Frauen: In einigen Berufen sind männliche Arbeitskräfte eher eine Ausnahme – zum Beispiel in Kindertagesstätten. Unter der Trägerschaft der Gemeinde Ganderkesee befinden sich 15 davon und „nur“ das „Spatzennest“ in Schierbrok wird mit Matthias Groß (46) von einem Mann geleitet. „Es ist mein Traumberuf. Ich liebe es, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten“, schwärmt er.

Matthias Groß denkt mit eher gemischten Gefühlen an seine Kindheit zurück. Er wuchs zusammen mit drei Geschwistern in Brake auf. Als er acht Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. „Das war für mich ein großer Einschnitt“, erinnert sich Matthias Groß. Besonders hart traf es ihn, als er miterleben musste, wie sein jüngerer Bruder in einer Pflegefamilie untergebracht wurde. Ablenkung fand er im Trachtenverein „D’Oberlander“ in Brake. Beim Schuhplatteln war er so gut, dass so mancher Bayer neidisch geworden wäre. Die schönsten Wochen des Jahres waren für ihn die Reisen mit dem Trachtenverein.

Schon im Alter von zwölf Jahren musste er sein eigenes Taschengeld verdienen. Mit leichten Hausmeistertätigkeiten, wie den Hof eines Bekannten zu fegen, fing es an. Später arbeitete er auf dem Bau oder auf der Schiffswerft. Zusätzlich half er seiner alleinerziehenden Mutter im Haushalt: Wohnung saubermachen, Wäsche waschen und auch kochen. Kochen machte ihm richtig viel Spaß, so dass er sein Schulpraktikum in einem Restaurant in Nordenham absolvierte. Gerne hätte er dort als Auszubildender angefangen, aber es hieß nur: „Du bist zu jung.“ So besuchte er zunächst die Hauswirtschaftsschule.

Sein Onkel hatte zwischenzeitlich für ihn einen Ausbildungsplatz als Koch in Oberhausen organisiert. Er brach die Hauswirtschaftsschule ab und begann mit 16 Jahren seine Ausbildung zum Koch. „Hier waren acht Köche am Herd und es herrschte eine unglaubliche Hektik. Dieser Stress war mir zu viel“, erklärt Matthias Groß. Nach nur etwas mehr als einem Monat kehrte er zurück und beendete die Hauswirtschaftsschule.

Was nun? Seine Mutter ermahnte ihn: „Du musst was machen!“ Nach einem Praktikum im Einzelhandel wurde ihm dort auch gleich ein Ausbildungsplatz angeboten. „Ich habe abgelehnt, das war mir zu langweilig.“ Es folgte ein Praktikum in einem Altersheim in Brake. „Das hat mir super gefallen, aber ohne Realschulabschluss konnte ich die nötige Krankenpflegeschule nicht besuchen.“

Was nun? Matthias besuchte die Berufsfachschule für Kinderpflege und erreichte damit gleichzeitig seinen Realschulabschluss. Er folgte dem Rat eines Lehrers und begann eine Ausbildung zum Erzieher mit Fachhochschulreife und einem abschließenden Anerkennungsjahr. Nach dem erfolgreichen Abschluss stellte er sich wieder die Frage: „Was nun?“ Er hielt sich mit Vertretungen in diversen Kindergärten über Wasser.

Im Februar 1994 hatte seine Bewerbung als Erzieher im Elmeloher Wichernstift Erfolg. Hier betreute er eine Wohngruppe mit zehn Jugendlichen im Alter von acht bis 18 Jahren. „Nach den ersten Monaten hatte ich große Zweifel, ob ich es schaffen würde, aber nach gut einem Jahr habe ich gewusst: Das ist mein Beruf“, erzählt er. Im Wichernstift lernte er auch seine spätere Ehefrau Alexandra kennen.

„Ich wollte schon immer Pflegekinder aufnehmen!“ Diesen Wunsch machten er und Alexandra 1999 wahr und verwandelten ihr Wohnhaus in Hude zum Kinderheim. Neben den Töchtern Katharina (23) und Johanna (18) hatten sie immer drei Pflegekinder zuhause, darunter auch schwierige Fälle. Später kam dann noch Tochter Helena (9) dazu. „Das war ein 24-Stunden-Job und das an 365 Tagen“, erzählt Matthias Groß. Die Pflegekinder kamen aus zerrütteten Familien. „Das schlimmste für mich war aber immer wieder mitzuerleben, was Erwachsene Kindern antun.“

Insgesamt betreute das Ehepaar 18 Pflegekinder, die jeweils im Alter von 18 Jahren das Haus verließen. „Nebenbei“ legte Matthias noch die Zusatzqualifikation „Betriebswirt für Sozial-und Gesundheitswesen“ ab. Voriges Jahr meinte seine Familie: „Nun ist es genug.“ Das Haus wurde aufgegeben und Matthias Groß bewarb sich bei der Gemeinde Ganderkesee mit dem Ziel, irgendwann eine neue Kindertagesstätte zu übernehmen.

Zunächst war er „Springer“ in den diversen Kitas der Gemeinde. Bis gestern leitete er den Hort in Heide und bis zum 30. November leitet er das „Spatzennest“ in Schierbrok. Ab dem 1. Dezember erfüllt sich dann sein großer Wunsch: Er wird Leiter der neuen Kindertagesstätte Barg­up in Bookholzberg. Schon jetzt ist er in die Planungen eingebunden und stellt sein Team zusammen. „Ich mache es wie Pippi Langstrumpf: ,Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt’“, sagt Matthias Groß lächelnd. Neben seinem Traumberuf hat er auch privat einiges vor. Er möchte seinen Motorradführerschein machen und plant auch schon seine Zeit als Rentner: „Dann studiere ich Psychologie.“

Matthias Groß,künftiger Leiter der neuen Kindertagesstätte im Bookholzberger Baugebiet Bargup

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