SCHLUTTER - Sein Vorgesetzter Gerd Schütte würdigte Tedsens vorbildliche Dienstauffassung. Kollegen lobten seine „klare Linie“.
Von Hergen Schelling
SCHLUTTER - Karl Tedsen hatte gestern viele Hände zu schütteln, aber bei jeder Hand muss er auch einen kurzen Blick auf die Füße geworfen haben. „Keiner hat weiße Socken an“, stellte der Leiter der Polizeistation Ganderkesee befriedigt fest, als er die gut 60 Gäste seiner offiziellen Verabschiedung im Gasthof „Zur Eiche“ begrüßte.Dass Tedsen „großen Wert legt auf korrekte Kleidung und Haltung“, musste Polizeidirektor Gerd Schütte, Leiter der Polizeidirektion Delmenhorst/Oldenburg Land, in seiner Laudatio denn auch gar nicht mehr betonen – das hat sich in Kollegenkreisen herumgesprochen. Und wer es noch nicht weiß, muss laut Schütte bis zuletzt mit einer „klaren Ansprache“ rechnen. So wie der Kollege, der es vor Jahren wagte, während des Dienstes sein Privatauto zu reinigen . . .
Diese und andere Episoden aus Tedsens mehr als 42 Jahren bei der Polizei zitierte Schütte, um dessen „vorbildliche Dienstauffassung“ zu belegen. Er attestierte dem 1. Polizeihauptkommissar eine „beispielhafte Identifikation mit der Aufgabe und der Dienststelle“ und lobte „die Übereinstimmung von Denken und Reden, Handeln und Sein“ bei Tedsen.
Die „klare Linie und die konkreten Regeln“ ihres Chefs hob auch Vera Behde im Namen der Ganderkeseer Kollegen hervor. „Ihr Nachfolger wird sich anstrengen müssen, um sie zu ersetzen“, sagte sie. Dabei sei Tedsen bei seinem Antritt 1999 „ein gewisser Ruf vorausgeeilt“.
Was das „Gewisse“ war, brachte Kriminalrat Günter König-Kruse auf den Punkt: Als er die Leitung des Polizeikommissariats Wildeshausen übernommen habe, erinnerte er sich, sei ihm Tedsen als „harter Hund“ beschrieben worden. Er habe den Kollegen dann als „kritisch, aber loyal und gerecht“ kennengelernt, lobte König-Kruse.
Eben „ein Polizist der alten Schule“, wie Ganderkesees Bürgermeister Gerold Sprung seinen „Nachbarn“ bezeichnete, dessen Station ans Rathaus angrenzt. Er nannte Tedsen „berechenbar, verlässlich, konsequent“ und würdigte besonders seinen Einsatz für die Präventionsarbeit.
Mit einem Appell an die „Teamfähigkeit“ verabschiedete sich Tedsen – noch einmal in „klarer Ansprache“ – von seinen Kollegen. Das Ganderkeseer Team sei „gut aufgestellt“, er verlasse es „nicht ohne Wehmut, aber auch mit Freude auf die Dinge“, für die er jetzt endlich mehr Zeit aufwenden könne. „Ich habe ja noch“, davon ist der passionierte Jäger und Tennisspieler überzeugt, „eine angenehme Restlaufzeit vor mir.“
