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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Der Mittelpunkt des Lebens im Dorf

03.08.2019

Schlutter /Holzkamp Rudolf Vosteen erinnert sich noch gut an seine Schulzeit, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs begann. Damals wurden in der Holzkamper Dorfschule Kinder aus drei Bauerschaften unterrichtet.

Die erste Schule in Holzkamp wurde 1780 Hinter den Höfen gebaut, in Schlutter folgte 1792 eine Schule an der Delmestraße, die 1826 noch einmal für 60 Schüler vergrößert wurde. Zehn Jahre später wurden beide Objekte verkauft und eine gemeinsame Schule in Holzkamp gebaut – wo sie noch heute steht. Vor Beginn des Ersten Weltkriegs war geplant, das Gebäude zu verkaufen und eine neue Schule zu bauen. Dieser Plan fiel aber ins Wasser, weshalb der alte Fachwerkbau im Jahr 1914 renoviert wurde.

Schulausfall durch Krieg

30 Jahre später wurde Rudolf Vosteen in Holzkamp eingeschult. Er erinnert sich gut an diese Zeit – auch, weil er heute gemeinsam mit seinem Sohn Rainer das örtliche Heimatmuseum betreibt. „Wegen des Krieges gab es nicht jeden Tag Schule“, sagte Vosteen, „weshalb ich ein verlängertes letztes Schuljahr hatte.“ Neun statt der üblichen acht Jahre besuchten er die Schule.

Das Elternhaus war nicht weit entfernt, weshalb Rudolf Vosteen zusammen mit seiner kleinen Schwester zu Fuß zur Schule ging: „Mein erstes Fahrrad habe ich erst zur Konfirmation bekommen.“ Die damaligen Schreibtafeln aus Schiefer sind Vosteen noch im Gedächtnis. „Einen lackierten Holzrahmen zu haben, das war ziemlich selten.“ Auch Schreiblinien hatten nicht alle Modelle. Er erinnert sich aber noch, dass die abzuschreibenden Übungen bereits auf Papier ausgehändigt wurden.

Schule im Rückblick

Die Volksschule Schlutter-Holzkamp Mitte der 60er Jahre: Schulleiter: Otto Hullmann Lehrerinnen: Erika Kunick Unterklasse: 20 Kinder Oberklasse: 16 Kinder

Ältere Schüler wurden vom Lehrer Otto Hullmann eingesetzt, um den Jüngeren im Unterricht zu helfen. „Vor allem die Mädchen, die schlauer waren, mussten den Jungs helfen.“ Allgemein waren die Kinder damals gut erzogen. „Wir mussten morgens auch immer antreten.“ Wenn es mit der Disziplin nicht richtig klappte, warf Hullmann auch mal mit Kreide in die Reihen.

Jungs müssen Torf holen

An Bewegung mangelte es den Jungs damals nicht. „Wenn Singen anstand, mussten die Jungen in der Zeit Torf für den Ofen reinholen, weil die eh nur rumgebrummt haben“, erinnerte sich Vosteen mit einem Schmunzeln. Der Torf wurde etwa einmal im Monat angeliefert und musste dann mit Körben über einen Flaschenzug nach oben auf den Speicher gebracht werden, wo er dann wieder einen Schacht runtergekippt wurde.

Das ganze Schulleben war ländlich geprägt. „Wenn man Durst hatte, ging es zum ,Brunnen’, das war eine Schwengelpumpe“, erklärte Vosteen. „Daraus haben wir alle getrunken und es wurde nie einer krank.“ Wer zur Toilette musste, ging aufs Plumpsklo. Auf dem Schulgelände gab es einen Garten, wo Schüler mithalfen, während Lehrer Hullmann die Bauern bei der Ernte unterstützte.

„Die Schule war immer der Mittelpunkt“, blickte Vosteen zurück. Eltern kamen mit auf Schulausflüge, die manchmal auch einfache Tagesfahrten waren. Vosteen: „Einmal sind wir zum Ostereiersuchen zur Straße An der Hackhorst gefahren, da sind auch meine Eltern mitgekommen.“

Viele neue Schulkinder

Der Zweite Weltkrieg hatte aber mehr Auswirkungen als den Ausfall von Unterricht. Ab 1940 wurden Kinder aus Hoyerswege zur Schule nach Holzkamp geschickt. Dann wurde es noch voller: „Durch die Flüchtlingsfamilien, die damals kamen, war einiges los im Dorf. Wir haben mit vielen Kindern gespielt“, erinnerte sich Vosteen. Da die Nahrungsversorgung schwierig wurde, gab es in den späten 40ern Schulspeisungen.

Zu einigen Schulkameraden hat Rudolf Vosteen bis heute Kontakt. Gerne hätte er mit seinem Sohn Rainer das alte Schulgebäude gekauft, um darin ein Museum einzurichten. Das klappte zwar nicht, aber das Heimatmuseum Schlutter liegt heute gleich um die Ecke – genau wie die alte Dorfschule.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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