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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Aus Transsilvanien in einen alten Gasthof in Immer

16.02.2019

Wer kennt sie nicht, die Gaststätte Witte in Immer. Auch ich verbinde mit diesem Haus viele schöne Erinnerungen. Den klassischen Gasthof gibt es aber schon seit einiger Zeit nicht mehr und wird es auch wohl nicht wieder geben. Dass das Traditionshaus eine Zukunft hat, wenn auch in einer anderen Funktion, dafür sorgen Adrian Block (50) und seine Familie.

Adrian Block kennt den Gasthof Witte nur aus Erzählungen, denn er ist in Transsilvanien in Rumänien bei seinen Großeltern aufgewachsen. Sein Opa war Maurer und hatte auch eine kleine Landwirtschaft. Da war es selbstverständlich, dass der junge Adrian auf dem Hof half oder auch seinen Opa bei Waldarbeiten begleitete. Immer noch schwärmt er von dieser Zeit: „Wir hatten viel Arbeit, aber auch immer viel zu essen.“

Nach seiner Schulzeit erlernte er den Beruf des Zerspanungsmechanikers (Dreh- und Frästechnik). „Wir haben alle Arten von Nägeln hergestellt“, erinnert sich Adrian. Schon als Kind träumte er davon, einmal beim Militär zu sein. Disziplin und Uniformen, das war es, was er mochte. Aber er sträubte sich, eine Waffe in die Hand zu nehmen oder gar auf Menschen zu schießen. Beim Militär wurde er dann zum Feuerwehrmann ausgebildet und als einer der Besten konnte er seinen Militärdienst bei der Feuerwehr in Bukarest ableisten.

Danach arbeitete er wieder in seinem Ausbildungsbetrieb. In seiner freien Zeit half er seinen Großeltern auf dem Hof und wenn dann noch Zeit blieb, ging er ins Kino oder auf Tanzveranstaltungen. 1990 öffneten sich die Grenzen. Adrian hatte Geld gespart und wollte sein erstes Auto in Deutschland kaufen. Er fuhr nach Berlin und war sofort begeistert. „Deutschland ist ein Land, wie ich es mir immer gewünscht habe.“ Er rief seine Großeltern an und sagte: „Ich bleibe hier.“

Er beantragte Asyl und besuchte einen Sprachkurs, um Deutsch zu lernen. Während viele Landsleute nach Spanien, Italien oder Griechenland auswanderten, blieb Adrian in Deutschland. Zwischendurch besuchte er seine geliebten Großeltern, aber nach einigen Wochen ging es immer wieder zurück. „Natürlich hatte ich großes Heimweh, aber ich bin stark geblieben“, erzählt Adrian. Er suchte Arbeit und kam so 1992 nach Norddeutschland. Hier arbeitete er bei einer Firma in Groß Ippener. Sieben Jahre war er dort als Zerspanungsmechaniker tätig. Da er handwerklich sehr begabt war, holte ihn Ole Holthoff dann in seine Immobilien-Firma nach Delmenhorst.

2006 machte sich Adrian Block selbstständig und spezialisierte sich auf Haussanierungen. Er kauft alte Immobilien, saniert diese und vermietet die Immobilien anschließend. Eine wichtige Stütze ist ihm seine Ehefrau Laura. Sie stammt ebenfalls aus Rumänien. Gefunden haben sich beide aber über das Internet. Laura hat Physik und Chemie studiert, unter anderem an der Universität in Bremen. Nach ihrer Promotion darf sie sich jetzt Dr.rer.nat. Laura Block nennen. Allerdings arbeitet sie nicht in ihrem Beruf, sondern ist verantwortlich für die Buchhaltung und kümmert sich um die Familie. Dazu gehören auch die Söhne Sebastian (12), Flavius (10) und Valentin (9).

Seine Söhne sind indirekt für Adrians zweite Tätigkeit als Hypnosepraktiker verantwortlich. Er schaffte es immer wieder, sie auf besondere Art zu beruhigen. „Wie machst Du das nur?“, fragte seine Laura. Adrian bildete sich weiter und eröffnete 2010 in Delmenhorst seine eigene Praxis. „Hypnose ist nichts anderes als Disziplin. Mit Hypnose kann ich Menschen positiv beeinflussen, zum Beispiel bei Suchtbewältigung oder Konzentrationsschwierigkeiten. Hypnose hilft auch dann, wenn alles andere versagt“, erklärt er mir. Mittlerweile hilft er Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet.

Im vergangenen Jahr war Familie Block auf der Suche nach einem neuen Haus für Wohnung und Praxis. Durch einen Tipp wurden sie auf den leerstehenden Gasthof in Immer aufmerksam. „Wir waren sofort verliebt in dieses Gebäude und uns war klar: Das kaufen wir“, sagt Adrian. Schon nach den ersten Monaten fühlen sie sich hier zu Hause, obwohl immer noch renoviert und umgebaut wird. „Hier wollen wir bleiben. Immer ist unsere neue Heimat geworden“, erzählt Adrian.

Bei unserem Gespräch erwähnt er immer wieder das Wort „Disziplin“. Ohne Disziplin hätte Adrian Block dieses alles nicht geschafft.

Dirk Wieting spricht mit Adrian Block,
neuer Besitzer des ehemaligen
Gasthofs Witte in Immer

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