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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Ein Herz für die Turnerschaft Hoykenkamp

14.09.2019

Es hat schon Seltenheitswert, wenn jemand 38 Jahre den Vorsitz eines Vereins übernimmt und das natürlich ehrenamtlich. Mit seinen inzwischen 90 Jahren spielt er noch munter Prellball, fährt alleine mit der Bahn nach Düsseldorf, um Bekannte zu besuchen, und ist in seiner Wohnung Selbstversorger. Er kocht das, worauf er gerade Appetit hat, und oft steht bei ihm Fisch auf dem Speiseplan. Dieser überaus rüstige Neunziger ist Georg Schmidt.

Nach einer überstandenen Herzoperation und der anschließenden Reha ist sein Kommentar: „Ich fühle mich toll“. Blickt er auf seine 90 Jahre zurück, so hat auch sein Buch des Lebens viele Seiten. Seit vielen Jahren ist Delmenhorst seine Heimat, aber aufgewachsen ist Georg Schmidt in Liebau in Schlesien, wo er im Riesengebirge als Junge mit Begeisterung Ski fuhr.

Vom 2. Weltkrieg bekam die Familie Schmidt nicht allzu viel mit. „Da viele Lehrer eingezogen wurden, mussten die älteren Schüler die Jüngeren unterrichten. Auch Georg Schmidt gab sein Wissen an die unteren Klassen weiter. Die Schulleitung war davon so begeistert, dass sie ihm riet, Lehrer zu werden. Georg konnte dem Rat nicht viel abgewinnen und machte eine Ausbildung bei der Bahn. Er verkaufte Fahrkarten und war auch für die Gepäck-und Güterabfertigung zuständig.

1946 bekam die Familie die Auswirkungen des Krieges zu spüren. Da Schlesien Polen zugesprochen wurde, mussten die Deutschen ihre Heimat verlassen. „Diesen Tag werde ich nie vergessen. Es war der 20. Mai 1946, als wir nur mit Rucksack und Tasche unser Haus und unsere Heimat verlassen mussten“, erinnert sich Georg Schmidt. Insgesamt 1496 Menschen, auch diese Zahl hat er nie vergessen, wurden in Güterwagen abtransportiert. Nach drei Tagen erreichten sie den Bahnhof in Delmenhorst.

„Zunächst wurden wir in einer Turnhalle in Adelheide untergebracht dann wurden wir verteilt. Mit fünf Personen – meine Eltern, meine Oma. mein Bruder und ich – mussten wir uns ein Zimmer bei einer Delmenhorster Familie teilen. Es war keine schöne Zeit“, schildert Georg Schmidt. Nach einem Jahr zog die Familie in eine Baracke und 1955 in eine Wohnung der Eisenbahn.

Seine Lehre beendete Georg bei der Bundesbahn in Bremen-Huchting. Insgesamt 47 Jahre arbeitete er bei der Deutschen Bundesbahn, davon 27 Jahre als Disponent bei der Güterabfertigung. Hier hieß es oft: „Nicht verzagen, Schmidtchen fragen“. Als agiler Mitarbeiter war „Schmidtchen“ bekannt und beliebt. Eine heiß geliebte „Nebentätigkeit“ von ihm war die Reisebegleitung bei der Bundesbahn. Er begleitete Bahnreisende bis zum Zielort, sehr oft zum Beispiel in die Schweiz.

Von seinem Organisationstalent profitierte viele Jahre die Turnerschaft Hoykenkamp. Durch einen Kollegen bei der Eisenbahn wurde er auf den Sportverein aufmerksam. 1951 trat er ein und schon ein Jahr später war er Schwimmwart. Er spielte mit Begeisterung Handball, damals noch draußen auf dem grünen Rasen. Im Alter von 25 Jahren wurde Georg Schmidt 1955 zum 1. Vorsitzenden gewählt. Damals hatten er und seine Vorstandskollegen viele Herausforderungen zu meistern. Mit der Unterstützung der Gemeinde entstand die Sporthalle am Hohenborn. Als Hoykenkamp sich immer mehr zur Handball-Hochburg entwickelte und die Halle nicht für offizielle Spiele geeignet war, entstand die Sporthalle in Heide.

Der Name Georg Schmidt ist untrennbar mit der TS Hoykenkamp verbunden. Nach seinem Ausscheiden 1993 würde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt und war noch viele Jahre für die Geschäftsstelle zuständig. Da er wichtige Schreiben immer selbst per Fahrrad zustellte, wurde er auch scherzhaft „Vereinsbriefträger“ genannt.

„Es ist zu wünschen, dass möglichst viele Kinder zum Sport kommen und dass der Verein viele junge Leute findet, die mitarbeiten. Es müssen ja nicht gleich 38 Jahre sein“, sagt Georg Schmidt mit einem Lächeln. Immer noch hängt sein Herz an der Turnerschaft Hoykenkamp.

Dirk Wieting spricht mit Georg Schmidt, Ehren- vorsitzender der TS Hoykenkamp

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