STENUM - Im Festgottesdienst wurde auch Erna Krohm verabschiedet. Die Organistin war mehr als 32 Jahre in Stenum tätig.
Von Markus Minten
So viele Hände dürfte Pastorin Reinhild Sander selten nach einem Gottesdienst geschüttelt haben. Und noch mehr als an „normalen“ Sonntagen hatten sie dieses Mal die Bedeutung eines Abschieds. Aber auch ihren Dank drückten die Gemeindeglieder ihrer Pastorin durch die Geste und durch viele herzlichen Worte aus. Den Dank für fast vier Jahrzehnte Dienst in der ev.-luth. Gemeinde Ganderkesee, vor allem aber für ihr Engagement im Pfarrbezirk Stenum, Schierbrok, Rethorn.
Offiziell tritt Sander mit Wirkung zum 1. Juli in den Ruhestand. Aus dem Dienst als Pfarrerin entlassen wurde sie schon an diesem Sonntagnachmittag von Oberkirchenrätin Dr. Evelin Albrecht. „Sie sind jetzt frei von regelmäßigen dienstlichen Verpflichtungen in der Gemeinde.“ Als ordinierte Pfarrerin bleibt die (noch) 64-Jährige der Gemeinde aber erhalten.
Die scheidende Pastorin hatte zuvor ihrerseits eine langjährige Dienerin der Gemeinde verabschiedet. Gemeinsam mit der Geistlichen ging auch Organistin Erna Krohm. „32 und ein halbes Jahr“ lang habe die frühere Lehrerin aus Wüsting „ganz fest zu unserer Gemeinde dazu gehört“, betonte Sander. Krohm habe „ganz viel Zeit für persönliche Gespräche“ und „Anteil an Freud und Leid“ gehabt.
Oberkirchenrätin Albrecht dankte Pastorin Sander, deren Leben eng mit dem der Gemeinde verbunden gewesen sei, „für alles, was Sie für die Gemeinde gewesen sind und ihr gegeben haben“. Die scheidende Pastorin stehe mit ihrem „Lebenswerk Stenum/Schierbrok/Rethorn“ in der ständigen Diskussion, ob es gut für eine Gemeinde sei, wenn in ihr ein Pfarrer Jahrzehnte wirke, „auf der Seite, die auf Dauer angelegt ist“.
Der 64-Jährigen gebühre auch Dank für „den soliden und geistlich beständigen Dienst in dieser Kirche“, so Albrecht weiter. „Auch wenn Sie sich manches Mal kritisch zur Institution Kirche geäußert haben.“ Es sei „ein großer Gewinn gewesen, dass Sie von der großen hannoverschen Schwesterkirche zur kleinen oldenburgischen gewechselt sind – und das freiwillig“.
In einer sehr persönlichen Predigt zum Segensspruch aus dem 4. Buch Mose, Kap. 6 blickte Sander auch auf „vier Jahrzente Stenum“ zurück, in der die Gemeinde „bei Null angefangen“ habe. Ohne kirchliche Räume, mit Gottesdiensten im Physikraum der Grundschule habe alles angefangen. Doch sei die Spendenfreudigkeit so groß gewesen, dass „wir nach und nach alles bekamen, was wir uns wirklich wünschten“. Von Anfang an seien Menschen dagewesen, „die ihre Fantasie und Leistung eingebracht hätten, ein Haus zu bauen und mit Leben zu füllen, wo Menschen Gemeinschaft finden“. „Mit Gottes Segen dürfen wir furchtlos und fröhlich nach vorne schauen.“ Denn auch für die Gemeinde beginne jetzt ein neuer Lebensabschnitt.
Deren Dank brachte eine frühere Konfirmandin in einem Brief auf den Punkt, aus dem die Oberkirchenrätin zitierte: „Bei vielen großen Ereignissen standen Sie uns beiseite. Wir fühlten uns bei Ihnen in guten Händen.“ Und genau die galt es für Pastorin Sander nach dem Festgottesdienst gleich hundertfach zu schütteln.
