BARSINGHAUSEN/GARREL - BARSINGHAUSEN/GARREL - Karl Rothmund als Präsident und Eugen Gehlenborg als erster Vorsitzender (siehe Bericht im Sport) stehen künftig wohl gemeinsam an der Spitze des Niedersächsischen Fußball-Verbandes. Mancher Funktionär bezweifelt, ob diese Zusammenarbeit funktionieren wird. Dafür seien sich die beiden in manchen Punkten zu ähnlich.

Beide haben ein Faible fürs Ehrenamt, wurden in kleinen Fußballvereinen groß, sind Meister des geübten Wortes, engagierten sich in der Kommunalpolitik und dazu noch in der gleichen Partei – der CDU. Der derzeitige NFV-Chef Engelbert Nelle, der beim Verbandstag am 10. September sein Amt zur Verfügung stellt, war für die Christdemokraten von 1980 bis 1998 im Bundestag.

So weit reichte es für Rothmund nicht. Als junger Mann hatte er sich in seinem Geburtsort Langreder in der Fußballsparte engagiert. Und als der Ort in Barsinghausen eingemeindet wurde, stand er dort als Bürgermeister – als einziger bisher, der der CDU angehörte – von 1979 bis 1986 an der Spitze des Rates. 1990 wurde Rothmund als Nachfolger des „Pfennigfuchsers“ Otto Gereke NFV-Verwaltungsdirektor, obwohl ihm auch einige Angebote aus der Wirtschaft vorlagen. Rothmund zeigte sich als Stratege und für Präsident Nelle war der „gute Draht zur Wirtschaft“ letztlich ausschlaggebend für seinen Vorschlag, in Zeiten knapper Kassen den Industriekaufmann mit Wirtschaftsdiplom dem Diplom-Pädagogen Gehlenborg vorzuziehen.

Zum Bürgermeister hat es bei Gehlenborg (bislang) nicht gereicht. Sein Leben wurde vom Fußball bestimmt Er wuchs im 1000-Seelen-Dorf Petersdorf (Bösel/Kreis Cloppenburg) auf, spielte dort in unteren Jugendklassen. 1968 machte er am Gymnasium Leoninum im emsländischen Handrup sein Abitur, in der A-Jugend hatte er parallel den BV Essen verstärkt.

Sensationell jung – nämlich mit 23 – wurde er Spielertrainer beim SV Bösel. „Seine Verdienste um den Sportverein sind ohnegleichen“ steht in der Chronik der Gemeinde. Sofort im ersten Jahr gelang 1972 der Aufstieg in die Bezirksklasse. Gehlenborg war Trainer und Libero. Mit dem Erfolg rückte er nach vorne. Schon ein Jahr später glückte der Aufstieg in die Bezirksliga, in der Saison darauf ging das Meisterschaftsrennen gegen den BV Cloppenburg nur knapp verloren. „Das bleiben die besten Jahre“, sagt auch heute noch der damalige Betreuer Gerd Teich.

Gehlenborgs Hauptaugenmerk galt nach den Böseler Jahren der Nachwuchsschulung, die er von 1983 bis 1991 auch als NFV-Bezirkstrainer fortsetzte. Anschließend leitete er bis 2003 mit viel Umsicht den NFV-Kreis Cloppenburg. Ein Jahr zuvor war er als Nachfolger von Bernd Holthaus (Niederlangen/Lathen) zum Vizepräsidenten des NFV gewählt worden. Hier und beim DFB engagiert er sich besonders als Ehrenamtsbeauftragter.

So blieb wenig Zeit für das Amt als Ratsmitglied in seinem inzwischen zur Heimat gewordenen Wohnort Garrel. Als Ausschuss-Vorsitzender schied er 2003 aus, wohl auch, weil im gleichen Jahr eine Bewerbung als Landtagsabgeordneter scheiterte. Seit einem Jahr leitet der 58-Jährige das Referat für Weiterbildung, kulturelle Jugendbildung und Literatur im Wissenschaftsressort unter dem Oldenburger Minister Lutz Stratmann. Er hatte sich bei der „Ländlichen Erwachsenen-Bildung“ in führender Stellung dafür qualifiziert.

Jetzt ist der Weg nach Barsinghausen nicht weit und zudem hat Rothmund, sein künftiger Präsident, eh als WM-Repräsentant öfters in Hannover zu tun. So könnten sich der zurückhaltende Taktiker Gehlenborg und der oft forsche, aber gewiefte Stratege Rothmund doch noch näher kommen.