Garrel - Mit Ermittlungsarbeit kennt sich Hermann Backhaus aus, schließlich war er lange Jahre Leiter des Polizeikommissariats in Cloppenburg. Dieses Mal war der 84-jährige Cloppenburger, der aus Nikolausdorf stammt, aber nicht einem Verbrecher auf der Spur, sondern seinen Vorfahren. Dass es bei Ermittlungen beiderlei Art häufig auf Zufälle ankommt, kann er nun auch bestätigen.

Doch von vorne: Was ist aus Alois Scheper geworden? Wie ist es ihm ergangen in Amerika? Leben seine Nachkommen noch? Diese Fragen standen zu Beginn der Recherchen. Alois Scheper, Bruder seiner Mutter Josefa, war im Jahr 1930 in die USA ausgewandert. Ein Foto aus dem Nachlass von Franz Wiese, das beim Heimatverein Garrel archiviert ist und das in der Juli-Ausgabe des Dörpblatt abgedruckt ist, zeigt die Primizfeier von Pater Anton Scheper in Nikolausdorf, aufgenommen im Jahr 1928. Auf dem Bild, das anlässlich des Todes von Anton Scheper im November 1968 in der NWZ abgedruckt worden war, ist links hinter dem Pater auch dessen Bruder Alois zu sehen.

Zwei Jahre später, im Alter von 24 Jahren, sollte dieser sein Glück in Amerika suchen. In Nikolausdorf sah er als neuntes Kind und „abgehender Bauernsohn“ (Backhaus) offenbar keine große Zukunft für sich, wenngleich die genauen Gründe für die Auswanderung nicht übermittelt sind.

Hermann Backhaus recherchierte im Auswandererhaus in Bremerhaven, fand aber kein Zeugnis. Von der Einwanderungsbehörde in New York erhielt er schließlich die Information, dass Alois Scheper im Jahr 1930 in New York mit dem Schiff angekommen sei. Er habe sich in Duluth im Bundesstaat Minnesota niedergelassen. 1976 sei er verstorben.

Drei Kinder gingen aus der Ehe hervor, darunter Robert Alois Scheper, genannt Bob. Er wurde in Duluth geboren, lebt aber heute in Hartford/Wisconsin. Doch das herauszufinden, stellte sich als nicht so leicht heraus. „Datenschutz“ – mit dieser Begründung verweigerten offizielle Stellen nähere Informationen.

Zur Hilfe kam ihm ein weiterer Zufall: Ein Bekannter riet Hermann Backhaus – bei einem Gespräch in der Sauna –, über Facebook sein Glück zu versuchen. Er ließ seinen Suchaufruf übersetzen und stellte ihn am 9. April online. Hundertfach wurde der Beitrag geteilt. Gerade einmal zwei Monate später hatte er dank des sozialen Netzwerkes Verwandte von Alois Scheper auf Facebook ausfindig gemacht.

Die Frau von Robert Scheper, Phyllis, antwortete schließlich schriftlich. Alois Scheper habe niemals über seine Familie in Nikolausdorf gesprochen, berichtet sie. Die Familie habe sich entzweit. Als Pater Anton Scheper in einem Brief an Alois seiner Enttäuschung über den Werdegang des Auswanderers Ausdruck verleiht, kommt es endgültig zum Bruch, berichtet die Schwiegertochter in dem Brief weiter.

In Minnesota, wo Alois auf einem Bauernhof half, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, traf er seine spätere Frau Marion, eine Waise, geboren im Jahr 1908. Sie heirateten und zogen nach Duluth, dann nach Milwaukee in Wisconsin. Alois Scheper arbeitete dort als Hausmaler. Von den vier Kindern lebt einzig Robert noch heute.

Er diente in der Navy, machte einen Hochschulabschluss in Elektronik und wurde Elektroniker. Im Dezember 2006 ging er in den Ruhestand. Über seinen Werdegang konnte der Heimatvereins-Vorsitzende Günter Buschenlange sogar persönlich mit „Bob“ Scheper sprechen. Denn wie es der Zufall oft will, reiste Buschenlange genau zwei Tage, nachdem Hermann Backhaus über seine Recherche-Ergebnisse berichtete hatte, in den Mittleren Westen der USA zur Plattdeutsch-Konferenz.

Schien es zunächst, als sollte Robert Scheper wegen einer Krankheit keine Zeit zum Treffen haben, kam das etwa halbstündige Treffen mit dem heute 73-Jährigen doch noch zustande. Sehr angeregt habe man sich unterhalten, schildert Buschenlange.

Die Ermittlungen von Hermann Backhaus haben ein gutes Ende gefunden: Heute hat er via Facebook viel Kontakt zu seinen Verwandten in den USA.