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NWZonline.de Region Cloppenburg Gemeinden Garrel

Ein Fahrrad schreibt Geschichte

18.07.2018

Garrel „Die Spatzen pfeifen von den Dächern, ,Jo-Ta-Fahrräder’ sind die besten!“ Der Spruch ist in Abwandlungen hinreichend bekannt. Aber was sind „Jo-Ta-Fahrräder“? Das Kürzel steht für Josef Tabeling, der in den 1950er Jahren einen schwungvollen Fahrradhandel in Garrel betrieb. „Es waren sicher über 1000 im Jahr“, erinnert sich der Sohn des Fahrradhändlers, Jürgen Tabeling. Sein besonderer Stolz, der ihn bei Vorführungen ins Schwärmen bringt, ist ein original „Jo-Ta-Rad“, vermeintlich das Letzte seiner Art.

In Bielefeld gebaut

Die „Jo-Ta-Räder“ wurden von der Firma Miele in Bielefeld gebaut. „Mein Vater hat genaue Vorgaben gemacht, die Räder wurden nach seinen Anforderungen hergestellt“, erinnert sich der Sohn. Die Anforderungen ergaben sich aus dem Kundenkreis. Josef Tabeling wollte ein Landfahrrad, ein Fahrrad für die Bauern. Extra dicker, stabiler Rahmen, verstärkte Achsen, breite Felgen, zwei Millimeter dicke Speichen und Halterungen für Milchkannen. Oft fuhren die Bauern mit den Fahrrädern zu den Weiden, um die Kühe zu melken. „Meine Eltern fuhren hin und wieder auch zum Markt in Oldenburg“, erinnert sich Jürgen Tabeling an eine weitere Verwendung. Aus schwarz gebranntem Alkohol wurden Liköre hergestellt. Die ließen sich unauffällig transportieren, dachten doch alle, sie brächten Milch zum Markt.

„Ganz Garrel fuhr mit den ,Jo-Ta-Rädern’“, erinnert sich Jürgen Tabeling. Auch in den Nachbarorten waren die Räder gefragt. Für viele Besitzer war das Fahrrad ein wichtiges Transportmittel, für viel mehr als nur zwei Milchkannen. 120 Mark musten die Käufer zahlen. Dafür gab es Mobilität. Wer konnte sich schon ein Auto leisten?

In das Lob „,Jo-Ta-Fahrräder’ sind die besten“ mag auch mancher Jungmann eingestimmt haben, der früher mit seinem stabilen Fahrrad nach dem Tanzabend ein Mädchen nach Hause brachte. Für etliche sicher eine Fahrt ins Eheglück.

Josef Tabeling wanderte 1929 nach Schlesien aus. Im Kreis Waldenburg fand er Arbeit, machte seine Prüfung als Kfz-Meister und gründete eine Auto-Werkstatt mit bis zu 30 Mitarbeitern. 1946 musste er seine neue Heimat wieder verlassen, alles war verloren. Zurück in Garrel baute er ein Haus, richtete eine Werkstatt für Fahrräder und Motorräder ein, verkaufte Ersatzteile und begann 1951 mit dem (Fahrrad-)Handel, den er bis 1960 führte. Dann gab er Handel und Werkstatt auf und konzentrierte sich als Fahrlehrer auf seine parallel laufende Fahrschule, da die Zahl der Fahrschüler stetig wuchs. Die Fahrschule führte Jürgen Tabeling später weiter.

Nach und nach verschwanden die „Jo-Ta-Räder“ aus dem Ortsbild Garrels. Neue, leichtere Modelle wurden gekauft. Jürgen Tabeling, der eine Vorliebe für Oldtimer hat, begab sich auf die Suche. Überall, wo viele Menschen mit ihren Rädern kamen, z.B. während der Sonntagsmessen, suchte er nach einem „Jo-Ta-Rad“. Lange ohne Erfolg.

Schatz gefunden

In einer Sauna-Runde kam das Gespräch auf Fahrräder. „Mein Vater hat noch ein Fahrrad deines Vaters“, berichtete Einer aus der Runde. Jürgen Tabeling fand es in einem guten Zustand vor, alles da, alles original, von der Werkzeugtasche über den Lepper-Sattel bis hin zur Lampe. Schnell wurden die beiden handelseinig: das alte Fahrrad gegen ein neues. Obwohl gut erhalten, reparierte und renovierte Jürgen Tabeling einige Teile. Neue Speichen wurden ein-, neue Fahrraddecken aufgezogen. In den Sommermonaten nutzt er gern sein „Jo-Ta-Rad“. „Beim Anfahren muss man einige Kraft aufwenden, weil die Stabilität natürlich Gewicht mit sich bringt“, sagt Jürgen Tabeling. Aber dann rolle es sehr leicht. Gern erinnert er sich an einen Ausflug. Er wartete auf eine Gruppe mit zwei Kannen voller Buttermilch in den Halterungen. Eine Erfrischung wie in alten Tagen.

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