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NWZonline.de Region

„Die Menge an Gift ist entscheidend“

13.05.2017


Frage: Gerade Kleinkinder lieben es ja, die unterschiedlichsten Dinge in den Mund zu nehmen. Da kann auch schon mal das Falsche dort hinein gelangen, oder?


Dr. Martin Ebbecke: Ja, gerade im Alter von einem bis zu ungefähr drei oder vier Jahren ist dies eine häufige Art, die Welt um sich herum zu erkunden. Statistiken haben allerdings ergeben, dass dies in den meisten Fällen gar nicht so schlimm ist, selbst wenn es sich um eine eher ungesunde Pflanze handelt. Natürlich birgt ein Garten oft viele Gefahren in sich. Ein großes Problem sind zum Beispiel Pilze. Wir arbeiten daher im gesamten norddeutschen Raum mit zahlreichen Sachverständigen zusammen, die sich bei Bedarf die Pilze ansehen und bestimmen können. Dann wissen auch die Eltern Bescheid, ob es sich um ein harmloses Gewächs handelt oder eher nicht. Recht häufig sind Verwechslungen zu beobachten, und zwar nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Da ist beispielsweise der im Geschmack dem Knoblauch sehr ähnliche Bärlauch, dessen Blätter aussehen wie die der giftigen Herbstzeitlosen.


Frage: Worauf sollten Eltern achten?


Dr. Martin Ebbecke: Nach Möglichkeit sollten keine giftigen Pflanzen in den Bereichen stehen, in denen Kinder spielen. Inwieweit sich der Verzehr giftiger Pflanzenteile auf die Gesundheit auswirkt, das hängt je nach Pflanzenart von der Menge ab. Bei der hochgiftigen Engelstrompete beispielsweise reichen theoretisch schon kleine Mengen aus, um bereits einen Schaden anzurichten. Gleiches gilt für Eisenhut, der sogar tödlich sein kann. Beim Blauregen sind besonders die Samen und die Blüten attraktiv. Steckt ein Kind sich davon ein oder zwei in den Mund, muss man sich noch keine Sorgen machen. Sind es allerdings mehr, dann schon. Grundsätzlich gilt bei den meisten giftigen Pflanzen die Faustregel: Das, was in eine Kinderhand passt, ist relativ unbedenklich. Alles darüber hinaus kann gefährlich werden.


Frage: Wie erkenne ich denn überhaupt, ob eine Vergiftung vorliegt?


Dr. Martin Ebbecke: Auch das ist von Pflanze zu Pflanze verschieden. Häufigste Symptome sind Übelkeit und Erbrechen. Die Engelstrompete allerdings wirkt direkt auf das Nervensystem und kann zu Verwirrung und Halluzinationen führen. Wirkt ein Kind plötzlich auffällig, sollte unverzüglich der Weg in die Klinik anstehen. Ganz wichtig: Man sollte wissen, was in seinem Garten wächst. So kann am besten eine schnelle Hilfe gewährleistet werden. Das gilt auch, wenn man bei uns im Giftinformationszentrum anruft. Wir können nur dann hilfreich Auskunft geben, wenn wir wissen, wodurch die Vergiftung verursacht wurde. Eine Beschreibung oder ein Foto der Pflanze reicht oft nicht aus, da wir hier keine Botaniker vor Ort haben. Hilfreich ist oft aber der Weg in die nächste Gärtnerei oder Apotheke aus, um eine genaue Auskunft zu erhalten und uns dieses Wissen mitzuteilen.


Frage: Gibt es auch für Laien eine Erste-Hilfe-Maßnahme?


Dr. Martin Ebbecke: Zeigt jemand Vergiftungserscheinungen, kann man zunächst mit Kohlekompretten dagegenwirken. Diese am besten zermörsern, bei kleinen Kindern kann man sie gut mit einem Hipp-Gläschen verabreichen. Die Kompretten binden spezielle Substanzen an sich, lassen diese nicht mehr los und scheiden sie schließlich auf natürlichem Wege wieder aus. Auch tut es gut, wenn man eine kleine Menge Wasser oder Tee zu trinken gibt.

Allein am Geschmack lässt sich übrigens nicht erkennen, ob eine Pflanze giftig ist oder nicht. Viele schmecken ganz neutral und wirken dadurch nicht gerade ungenießbar.


Frage: Lauern im Garten weitere Gefahren?


Dr. Martin Ebbecke: Was wir leider immer wieder feststellen müssen ist, dass Leute sehr unachtsam mit zumeist hochgiftigen Unkrautvernichtungsmitteln umgehen. Diese dürfen auf keinen Fall für Kinder zugänglich sein. Hier kann dann zusätzlich eine große Verwechslungsgefahr zum Tragen kommen: Manche Leute füllen sich ein besonders gut funktionierendes Mittel ab – oft in eine Flasche, die normalerweise Lebensmittel enthält. Entdeckt jemand eine solche Flasche, beispielsweise mit dem Etikett einer Limonade, im Schuppen und weiß nichts von dem brisanten Inhalt, wird er sie vermutlich öffnen und daraus trinken.

Vorsicht ist natürlich auch bei Schneckenkuren, Rattengift oder anderen Tier- und Pflanzenvernichtungsmitteln geboten. Sind kleine Kinder anwesend, sollte man auf diese Dinge besser ganz verzichten und ruhig der Natur ihren Lauf lassen.

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