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NWZonline.de Region

„Es braucht viel Herz und unendliche Leidenschaft“

12.05.2017

Hude Die Wege sind gefegt, weshalb sie in leichtem Bogen absinken und beim Blick in die Weite dem Besucher verborgen bleiben. „Sie sollen durch die Wegeführung überrascht werden“, erklärt Greta von Witzleben“ beim Gang über das Gut, das direkt am Huder Kloster liegt.

Während früher die Kutschen über den dreigeteilten Teich zum Herrenhaus vorfuhren, betritt man den Privatpark – zu einigen wenigen Gelegenheiten – heute über den ehemaligen Innenhof mit der hübschen Remise, in der jetzt Mietwohnungen eingerichtet sind. Irrwitzige Pläne der Deutschen Bahn mit einem Knotenpunkt mitten im englisschen Landschaftspark machten diese Veränderung erforderlich. Diese kuriose Begebenheit in der Historie ist heute überhaupt kein Makel mehr, denn der Weg über den Teich existiert längst nicht mehr und das Gutshaus, 1332 als Abtshaus zum Kloster erbaut, wurde als zweiflügeliger klassizistischer Bau mit goldenem Schnitt so hergerichtet, dass der Blick auf die renovierte Front kaum ein fast 700-jähriges Gemäuer vermuten lässt – übrigens das älteste bewohnte Haus in Niedersachsen.

Schnell wandert der Blick ehrfürchtig auf die letzte überlebende von fünf Hauslinden mit einem stattlichen Alter von mehr als 900 Jahren, die sich sogar mit neuen Trieben aus dem hohlen Stamm von innen heraus wieder verjüngt. Die Natur ist schon wundersam.

Gleich gegenüber wartet mit einem der ältesten Gewächshäuser Norddeutschlands das nächste historische Kleinod auf, das allerdings noch auf eine fachgerechte

Historische Rose in einem der ältesten Gewächshäuser

Renovierung wartet. Dabei beherbergt das Glashaus an der Rückseite der Klosterschänke eine der größten Schätze: Hier wächst die weltweit einzige weiße Maréchal-Niel Rose, die sich seit dem 18. Jahrhundert im Besitz der Familie von Witzleben befindet. Benannt nach dem französischen Marschall und Kriegsminister von Frankreich, Adolphe Niel, leuchtet die Witzlebensche Rose allerdings in jungfräulichem Weiß statt in dem eigentlich blassen Gelbton. Neben den drei letzten Rosenstöcken, die keinen Frost vertragen, züchtet Greta von Witzleben hier mit Vorliebe Zitrusfrüchte in ihrer Orangerie. Die engagierte Gutsleiterin hofft weiterhin auf Spenden und Gelder für den Erhalt des historischen Gewächshauses und begnügt sich vorerst mit dem „Shabby Chick“. Gleich nebenan hat die Gutsbesitzerin nach eigenem Konzept den ehemalige Küchengarten mit gemauerten Beeten neu entworfen und bestückt.

Um Ideen ist die gebürtige Huderin nicht verlegen. „Es braucht unendlich viel Leidenschaft, so ein privates Familiengut fast alleine zu bewirtschaften. Aber genau das Herz dafür habe ich mit der Muttermilch aufgesogen. Es ist meine Berufung, die ich lebe und liebe“, erklärt die junge Gutsherrin begeistert, die in Göttingen Forstwissenschaften studiert hat. Und sie hat die Erfahrung gemacht: „Adel verpflichtet“ – „die Menschen erwarten etwas, obwohl ich genauso normal bin wie jeder andere auch“, lacht die blonde Frohnatur, die mit einem Förster und Jäger liiert ist, der ihre Leidenschaft für Flora und Fauna nicht nur teilt, sondern zugleich neu inspiriert.

Große Eichenallee dank Spende wieder verjüngt

So viele Ideen vorhanden sind, so viel Geduld braucht es manchmal bis zur Verwirklichung, denn die Möglichkeiten sind bei einem privaten Park finanziell begrenzt. Um so mehr freuen sich von Witzleben über eine großzügige Spende der Wieker-Stifung. Sie hat erst vor kurzem ermöglicht, 19 Stieleichen neu anzupflanzen, um die historische Eichenallee wieder instand zu setzen.

Jakob-Schafe als lebende Park-Kulisse

Ein biblische Herkunft wird hingegen den Jakob-Schafen nachgesagt, die munter auf der Gutsweide grasen. Die kleine Herde belebt nach dem ornamented farm-Charakter die Naturkulisse. Das Besondere am Jakobschaf sind – unabhängig vom Geschlecht – die meist vier Hörner und das gefleckte Fell. Sie sorgen in den typischen Blickachsen ebenso wie Solitäre (z.B. die 200 Jahre alte Magnolie) und verschiedene Teiche mit ihren Spiegeleffekten für den Wechsel des Betrachters von nah und fern. Vom dunklen Parkteil mit eng bepflanzten Bäumen, die „sich küssen und umarmen“ hin zur Licht-Schatten-Wirkung im hellen Parkteil mit vielen Sträuchern und Gehölzen – allesamt vor der Kulisse der Klosterruine.


Mehr Infos unter   www.gutsverwaltung-von-witzleben.de 
Swantje Sagcob
Redakteurin
Sonderthemen Redaktion
Tel:
0441 9988 4661

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