Im Jahre 1785 übernahm Peter Friedrich Ludwig von Holstein-Gottorp die Regierung der ehemaligen Grafschaft Oldenburg als Herzog von Oldenburg. Bereits 1780 hatte er auf seinem Landsitz in Rastede bei Oldenburg einen Garten im englischen Stil, einen der ersten Landschaftsgärten im Nordwesten Deutschlands, anlegen lassen.
Hofgärtner Bosse mit Erfahrungen aus Rastede
In Oldenburg war, da es sich bei dem Schloss ursprünglich um eine Wasserburg handelte, keine daran angrenzende repräsentative Gartenanlage vorhanden. In der Zeit zwischen 1803 und 1805 erwarb der Herzog Wiesenland entlang der Hunte südwestlich des Schlosses und außerhalb der noch erhaltenen Wallanlagen mit dem Ziel, auf diesem Terrain einen Landschaftsgarten im englischen Stil zu errichten. Der in der Sommerresidenz Rastede tätige Hofgärtner Christian Ludwig Bosse wurde mit der Planung betraut. Bereits im Jahre 1810 war der Landschaftsgarten in seiner ersten Anlage fertiggestellt; nach dem Ende der französischen Besatzung 1814 wurde der Schlossgarten in nahezu freier Landschaft auf zwei Ebenen bereits mit Küchen-, Obst- und Blumengarten angelegt. Das im englischen Garten wichtige Element Wasser war durch die Hunte, den Schlossteich, der damals ein Teil des Wallgrabensystems war, sowie die den Garten durchfließende Marschbäke vorhanden.
Gelände und Gebäude weiter ergänzt
Zwischen 1817 und 1822 wurden der Pavillon nebst kleinem Winterhaus als Teehaus sowie das große Winterhaus (das sog. Konservatorium) unter Leitung des Architekten Slevogt errichtet. Während der Blumengarten der herzöglichen Familie vorbehalten blieb, war der Landschaftsgarten selbst für Bürger zu bestimmten Tageszeiten zugänglich.
Unter dem Großherzog Paul Friedrich August folgten zwischen 1838 und 1845 eine Geländeerweiterung sowie eine Ergänzung des Gebäudebestandes. So wurde ein Gartenhaus an der Gartenstraße, das seitdem als Torhaus dient, angekauft und die Pförtnerloge am Eingang „Palaisbrücke“ – gegenüber dem Schloss – errichtet.
Stilwandel mit botanischen Höhepunkten
Erbherzog und Hofgärtner Mit Großherzog Nikolaus Friedrich Peter und dem Bosse im Jahre 1856 nachfolgenden Hofgärtner Heinrich Orth setzte ein stilistischer Wandel ein: Durch das besondere Interesse an Bäumen und besonderen Pflanzen erfolgte 1865 die Anlage einer Nadelholzsammlung (Pinetum) und 1885 die Anpflanzung von Rhododendren. 1886 entstanden die Balustrade am Schlossteich und 1895 das Elisabeth-Anna-Palais als Wohnsitz des Erbgroßherzogs.
Von der Flaniermeile zum „Volksgarten“
Diente der Schlossgarten in der Anfangszeit als Flaniermeile für das gehobene Bürgertum, so entwickelte er sich im 20. Jahrhundert mehr und mehr zum „Volksgarten“. Nach dem ersten Weltkrieg wechselte der Schlossgarten im Jahr 1919 in den Besitz des Freistaates Oldenburg, der 1946 ein Teil Niedersachsens wurde. Im Jahre 1952 wurde der Schlossgarten auf Initiative der Gemeinschaft der Freunde des Schlossgartens um das Gelände bis zum heutigen Huntebad ergänzt; 1960 wurde durch den Bau des Schlosswalls das nördliche Areal abgetrennt. Abgesehen von diesem Eingriff ist der Schlossgarten, so wie wir ihn heute erfahren können, im Wesentlichen so erhalten, wie er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde.
Schützenswertes Naturdenkmal
Eine historische und zugleich lebendige Parkanlage, die seit 1978 als Naturdenkmal geschützt ist. Die Gemeinschaft der Freunde des Schlossgartens hat es sich zum Ziel gesetzt, den Park zu erhalten, das ursprüngliche Gartenbild und den Erlebnisreichtum wieder stärker sichtbar zu machen und zu bewahren.
