Wangerland - Wer im Wangerland (Landkreis Friesland) von der Straße Gammens in den „Wayens“ einbiegt und über die Weite der Felder blickt, wird an der kleinen Straße landwirtschaftliche Anwesen vermuten. Das trifft auch beim Hof der Familie Helma und Fritz Gerken mit der Haus-Nummer 4 am Ende des „Wayens“ zu. Kühe und Schweine gibt es auf dem Hof allerdings nicht. „Wir produzieren OptiMIST. Das ist ein getrockneter, organischer Dünger, der sowohl im trockenen als auch im nassen Zustand absolut geruchsneutral ist“, macht der 56-jährige Landwirt neugierig auf das besondere Produkt, das viele Vorteile für Mensch und Natur vereint.
Fritz Gerken führt den landwirtschaftlichen Hof in vierter Generation. Schon 1996 bauten sie eine Biogasanlage mit dem Sinn, Fette zu entsorgen.
Später folgte die „Fütterung“ der Anlage mit Gras und Getreide mit deutlich besseren Erträgen. Als 2007 der Getreidepreis zu hoch war, musste eine andere Komponente dazu und die fand Fritz Gerken: „Wir haben Mist von Milchbauern verwendet.“
In einem Interview erläutern Helma und Fritz Gerken, wie sie dazu kamen, aus jeweils 50 Prozent Rindermist und Gras einen wertvollen Naturdünger herzustellen.
Wie läuft der Prozess mit den beiden Produkten Rindermist und Gras in der Biogasanlage ab?
Fritz Gerken: Am Ende des Fermentationsprozesses wird die Gülle in feste und flüssige Stoffe getrennt. Der flüssige Anteil kommt als Dünger zu den Landwirten zurück und wird auf dem Feld ausgebracht. Die festen Fasern werden mit der Abwärme unseres Kraftwerkes getrocknet. Das Produkt ist unser OptiMIST.
Wie haben Sie gemerkt, dass dieser Trockenmist ein idealer Naturdünger ist?
Helma Gerken: Unser Marschboden ist sehr hart und tonig, bei längerer Trockenheit wie ein Stein und bei Nässe klebrig. Gartenarbeit war teilweise harte Knochenarbeit, außerdem verkümmerten die Pflanzen, das Gemüse wollte nicht wachsen. Dann habe ich diesen Trockenmist getestet. Bis an die Pflanzen heran habe ich das Produkt auf das Beet verteilt. Der Boden wurde lockerer, trocknete nicht mehr aus und blieb feucht. Beim Pflanzen gieße ich gut an, weiteres Gießen ist nicht erforderlich.
Wie sieht es mit dem Auflaufen von „Unkräutern“ auf?
Helma Gerken: Das hat sich total verändert. Ich grabe nicht mehr, lockere den Boden nur auf und trage in einer Schicht von etwa einem Zentimetern OptiMIST auf. Durch Graben zerstören wir die Bodenschichten und die Lebewesen ziehen sich in tiefere Schichten zurück, „Unkraut“ wächst wieder. Mit OptiMIST bedecken wir den Boden, Regenwürmer und alle Organismen können sich gut entwickeln, „Unkräuter“ laufen viel langsamer auf, haben nur eine kurze Wurzel und können leicht herausgezupft werden. Alles in allem wird der Boden gut belüftet.
Inzwischen vermarkten Sie OptiMIST, wie ist die Resonanz?
Fritz Gerken: In der Anfangsphase haben wir den Trockenmist, der organische Dünger enthält, in unserem 3000 Quadratmeter großen Bauerngarten getestet, dann Nachbarn und so kamen immer mehr Leute dazu. Die Resonanz war schlichtweg Begeisterung. Wo OptiMist im Garten eingesetzt wird, ist ein Graben nicht mehr nötig. Der Boden wird locker. Das Produkt erinnert farblich an Rindermist, ist aber absolut geruchsneutral. Wir haben es sogar bei unseren Zimmerpflanzen verwendet.
Wir haben eine eigene Konstruktion mit Förderband und Abfüllanlage konzipiert. Das Substrat läuft über die Bänder direkt in die Mehrweg- und alternativ Papiersäcke. Die gängige Größe ist der 60 Liter Mehrwegsack. Wir bieten OptiMIST auch in Big Bags und lose (auch für Galabauer) an. Das Substrat ist sehr leicht. Ein 60 Liter Sack, der für rund zehn Quadratmeter Fläche reicht, wiegt nur sieben Kilogramm – ist also leicht zu transportieren. Ganz neu auf dem Markt ist OptiMIST in verpresster Form – für Balkonkästen oder für den Friedhof für kleine Urnengräber. Das Material lässt sich leicht verteilen.
