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Bildungsprogramm von Acker e.V. Gemüseanbau für jedes Kind bis 2030

Swantje Harms

Berlin/Oldenburg - Immer mehr Hobbygärtner lieben es, eigenes Obst und Gemüse anzubauen. Der Trend zur Selbstversorgung hat vor allem bei jungen Menschen neues Interesse geweckt. Als Gegenpol zur schnellen, digitalen Welt erfährt der Naturkreislauf eine neue Wertschätzung. Womit und wie wir uns ernähren, ist nicht nur für unseren Körper und damit für unser eigenes Leben, sondern auch für die globale Entwicklung von Bedeutung. Durch eigenen Anbau und Ernte von Lebensmitteln wird sowohl Wissen nachhaltig erfahren als auch eine neue Wertschätzung von Lebensmitteln vermittelt. Doch längst haben nicht alle Zugang zu diesem Erfahrungsschatz. Das möchte Acker e.V. ermöglichen: „Nachhaltigkeit und die Wertschätzung von Natur und Lebensmitteln müssen einen festen Platz in unserer Bildung haben“, so Gründer und Geschäftsführender Vorstand Dr. Christoph Schmitz. Hinter der GemüseAckerdemie und dem Kita-Bildungsprogramm AckerRacker steht das Ziel, bis 2030 für jedes Kind die Möglichkeit zu schaffen, die Natur und den Gemüseanbau in der Kita oder in der Schule zu erfahren. Das gemeinnützige Sozialunternehmen wurde 2023 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Was die Förderer antreibt, wie das Ziel erreicht werden kann und welche Unterstützung es braucht, erfahren wir in einem Interview mit Sara Reichau, verantwortliche Referentin für Presse, PR und Politik von Acker e.V. mit Sitz in Berlin.

Wie ist es Acker e.V. gelungen, trotz zunehmender Urbanisierung innerhalb von 10 Jahren 1000 naturnahe Lernorte bundesweit an Kitas und Schulen zu schaffen ?

In unserer modernen Gesellschaft fehlt es an Orten und Möglichkeiten, Natur unmittelbar zu erfahren. Schon Kinder und Jugendliche verbringen immer weniger Zeit draußen und haben wenig Kontakt und Bezug zur Natur, sowohl im familiären Kontext als auch in Kitas und Schulen. Das ist ein Problem, denn durch den mangelnden Kontakt zur Natur wissen wir weniger über Nahrungsmittel und ernähren uns ungesünder. Wir schätzen Lebensmittel nicht mehr wert und schmeißen viel zu viel weg. Und indem wir uns so verhalten, gefährden wir die Lebensgrundlage dieser und zukünftiger Generationen. Diese Herausforderungen werden immer mehr Menschen bewusst – und wir bei Acker bieten mit unseren Bildungsprogrammen einen Lösungsansatz: Schüler und Kitakinder bauen ihr eigenes Gemüse an und erleben so unmittelbar, woher das Essen auf ihren Tellern kommt. Sie entwickeln mehr Wertschätzung für Natur und Lebensmittel – und entdecken, wie lecker gesunde Ernährung sein kann.

Als wir vor 10 Jahren gestartet sind, mussten wir noch viel mehr erklären, dass Nachhaltigkeit ein Thema ist, das auch über den reinen Anbau des Gemüses hinaus wichtig ist. Heute ist das an vielen Lernorten eine Selbstverständlichkeit. Die Schulen und Kitas sind sehr interessiert und haben großes Interesse mit uns zusammen zu ackern.

Als gemeinnütziges Sozialunternehmen ist Acker e.V. auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Was können interessierte Unterstützer tun?

Im Rahmen unserer Bildungsprogramme unterstützen wir Kinder und Pädagogen dabei, eine eigene Ackerfläche einzurichten, selbständig Gemüse anzubauen und ihr Wissen rund um den Gemüseanbau nachhaltig zu erweitern. Das funktioniert jedoch nur mithilfe unserer ehrenamtlichen AckerCoaches: Sie unterstützen die Pflanzungen und den Gemüseanbau vor Ort. Aktuell sind über 500 von ihnen an unseren Lernorten unterwegs. Sie bekommen von uns Schulungen und exklusive Bildungsmaterialien. Wir befähigen sie, die Pflanzungen anzuleiten und mehrere Schulen und Kitas mit fachlichem Rat durch das Ackerjahr zu begleiten. Dafür gibt es eine faire Aufwandsentschädigung und kostenlose Fortbildungen und Workshops für die Einsätze auf dem Acker.

Wer kann AckerCoach oder AckerBuddy werden und welche Aufgaben sind damit verbunden ?

Jede kann AckerCoach oder AckerBuddy werden! Wichtig ist, dass man Lust hat, sich mit Gemüseanbau auseinanderzusetzen. Ob jemand schon erste Erfahrungen im Gemüseanbau gesammelt hat oder noch Ackerneuling ist, ist nicht entscheidend – wir befähigen die Menschen, die mit uns ackern wollen!

Für AckerCoaches gibt es zu Beginn einen praktischen Startworkshop; weiterführende Materialien und digitale Schulungen bereiten sie darauf vor, die Lernorte beim Gemüseanbau zu unterstützen. Im Frühjahr machen unsere AckerCoaches die Pädagogen in einem Pflanzworkshop vor Ort mit unseren Pflanztechniken und den Abläufen vertraut und zeigen ihnen alles rund um die Einrichtung ihres Ackers. Während der Saison begleiten sie bei ein bis drei Pflanzungen mit den Kindern und helfen ihnen dabei, selbstständig zu ackern. Wir von Acker unterstützen die AckerCoaches im Laufe ihres Engagements bei gärtnerischen und didaktischen Herausforderungen. Unsere AckerCoaches unterstützen meist nicht nur einen Lernort, sondern mehrere Schulen und Kitas in ihrer Region.


AckerBuddys sind häufig interessierte Eltern, Nachbarn, Hausmeister und weitere Pädagogen. Sie unterstützen die AckerLehrer oder Erzieher an einem bestimmten Lernort. Sie helfen dabei, die Beete auf dem Acker einzurichten und mit den Kindern Jungpflanzen und Saatgut in die Erde zu bringen. Auch sie nehmen am Pflanzworkshop teil und können die exklusiven Bildungsmaterialien nutzen.

Wie können Kitas und Schulen an den Bildungsprogrammen GemüseAckerdemie und AckerRacker teilnehmen ?

Wer Lust aufs Ackern hat, hat die wichtigste Voraussetzung schon erfüllt! Einfach auf den Websites von AckerRacker bzw. der GemüseAckerdemie das Kontaktformular ausfüllen und schon kann es losgehen!

AckerRacker richtet sich an Kitas, die GemüseAckerdemie an Schulen, der Schwerpunkt liegt in der 3. bis 6. Klasse. Der richtige Ort für einen eigenen Kita- oder SchulAcker kann vieles sein: zum Beispiel ein Stück Wiese oder eine Brachfläche in der Nähe der Einrichtung. Die Größe ist flexibel und hängt von den Möglichkeiten vor Ort und auch der Anzahl der teilnehmenden Kinder ab. Vorwissen ist nicht erforderlich! In den Fortbildungen unserer Bildungsprogramme erfahren die Pädagogen alles, was sie fürs Ackern wissen müssen. Auf der Acker-Lernplattform gibt es zusätzlich detaillierte Anleitungen, Hintergrundwissen und altersgerechte Materialien bzw. lehrplankonforme Unterrichtseinheiten und Anregungen für das Ackern mit Kindern.

Welche Bildungsangebote gibt es außerdem ?

Der Schwerpunkt liegt auf AckerRacker und der GemüseAckerdemie, aber wir bieten noch weitere Bildungsprogramme an: Bei der GemüseKlasse

bauen Kinder und Jugendliche das Gemüse direkt im Schulraum an – in einem Indoor-Beet im Klassenzimmer. Und auch Erwachsene und Familien begeistern wir für Nachhaltigkeit und eine bewusste Ernährung. Im Hochschulprogramm CampusAckerdemie ackern wir mit zukünftigen Lehrkräften und Pädagogen, und der Mitmach-Newsletter „Ran ans Gemüse“ richtet sich an Privathaushalte. Die Ackerpause bringt mit Konzepten wie Office Gardening oder Urban Farming die Gemüsebeete in Unternehmen, Pflegeeinrichtungen und Mieterschaften. Im Pilotprojekt GemeinschaftsAcker können alle gemeinsam ackern – auf einem naturnahen Lern- und Begegnungsort in den Kommunen Neuss, Mönchengladbach und Weilerswist.

Was wünscht ihr euch von der Politik, Städten und Kommunen ?

Schulen und Kitas sind ideale Orte für die Gesundheitsförderung und Prävention sowie für die Vermittlung von Zukunftskompetenzen. Hier entwickeln Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrem sozio-ökonomischen Hintergrund Gewohnheiten und Haltungen, die oft ein Leben lang beibehalten werden. Deswegen setzen wir mit unseren Bildungsprogrammen dort an: Wir verankern bereits bei den Jüngsten Bewusstsein und Wertschätzung für Natur und Lebensmittel – und erhöhen so langfristig das Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Gesellschaft. Dabei immer im Blick, unser großes Ziel: Bis 2030 jedem Kind zu ermöglichen, Natur und den Gemüseanbau in der Kita oder Schule zu erfahren.

Doch das schaffen wir nicht alleine! Dieser systemische Wandel braucht viele Unterstützer, gerade auch in der Politik, aus Städten und Kommunen. Wir wünschen uns, dass Natur und Lebensmittel zum festen Bestandteil der Lern- und Lebensumgebung der Kinder werden. Dafür müssen naturnahe Lernorte an Schulen und Kitas standardisiert werden und genauso selbstverständlich an jede Bildungseinrichtung gehören wie eine Sporthalle. Außerdem müssen die Studiencurricula zukünftiger Pädagogen angepasst und Weiterbildungsmöglichkeiten für bestehende Pädagogen geschaffen werden. Das bieten wir im Rahmen der CampusAckerdemie – damit Pädagogen naturnahe Lernorte wirkungsvoll nutzen können und Nachhaltigkeits- und Ernährungsbildung praktisch erfahrbar machen können.

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