Wenn Heidi Lorey über die Kartoffel des Jahres 2019 spricht, dann kommt sie richtig ins Schwärmen. „Mit ihren roten Augenflecken sieht die ,Quarta‘ aus, als habe sie Make-Up aufgelegt und sich schick gemacht“, sagte die promovierte Pflanzenzüchterin bei ihrer Laudatio während der Aktionstage Ökolandbau Niedersachsen in Springe.
Heidi Lorey beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Knollen, die hierzulande in der Regel als Beilage auf dem Teller landen. Fest- oder mehlig kochend – das ist dabei meist die Frage. Dass Kartoffeln unterschiedliche Formen und Färbungen aufweisen können – von rosa bis blau-violett, blass- bis tiefgelb, das ist eher weniger bekannt. Kein Wunder: schließlich sind solche ungewöhnlichen Sorten im Supermarkt kaum zu bekommen.
„Als der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt 2003 die Kartoffel zum Gemüse des Jahres ausrief, haben uns viele widersprechen wollen: Die Kartoffel sei doch kein Gemüse“, erinnerte sich Lorey, die seit 1999 selbst Mitglied im VEN ist. Heute ist der Verein Mitglied einer Aktionsgemeinschaft, die jedes Jahr die Kartoffel des Jahres kürt. Dem gleichnamigen Arbeitskreis gehören insgesamt elf Umwelt- und Verbraucherverbände sowie landwirtschaftliche Organisationen an.
Seit 2006 heben sie jedes Jahr eine der Kartoffelsorten hervor, die in Deutschland derzeit für den Anbau zugelassen sind. Und das sind eine ganze Menge: Laut Heidi Lorey führte die Bundessortenliste im Jahr 2018 insgesamt 216 zugelassene Sorten an Speise- und Wirtschaftskartoffeln. Dazu kommen 294 Sorten, die in einem anderen EU-Land zugelassen sind und auch hierzulande angebaut werden dürfen, sowie vier Erhaltersorten.
Kartoffel als Botschafterin
Die erste Kartoffel des Jahres war der ‚Blaue Schwede‘, gefolgt von ‚Linda‘ und den ‚Bamberger Hörnchen‘, ‚Rosa Tannenzapfen‘, ,Nicola‘, ,Heideniere‘, der ,Roten Emmalie‘ und nun eben der ,Quarta‘. Damit eine Knolle als Botschafterin fungieren darf, muss sie bestimmte Kriterien erfüllen. „Zur Wahl stehen immer nur Kartoffelsorten, die etwas geleistet und eine große Sympathie haben“, erklärte Wilfried Stegmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft. Außerdem muss sie ohne Gebühren nachgebaut werden können – entweder weil sie älter als 30 Jahre ist oder der Züchter darauf verzichtet.
„Quarta“ beliebt für Klöße
Die „Quarta“ wurde nun gewählt, weil sie zum 40. Jahrestag ihrer Anmeldung immer noch viele Fans habe, so die Arbeitsgemeinschaft. „Der Name klingt zwar wie die Bezeichnung einer gymnasialer Oberstufe und die Kartoffel ist hier im Norden eher selten zu bekommen“, gibt Heidi Lorey zu, „aber gerade in Süddeutschland ist diese Sorte sehr beliebt.“
Das mag durchaus mit ihrer Verwendung zusammenhängen: Die mittelfrühe, vorwiegend festkochende Knolle eignet sich besonders gut für Klöße. Auch bei Schälbetrieben ist die ´Quarta` beliebt. Wegen der langovalen Form und der glatten Schale gelten sie die Schälverluste als gering.
Erkennbar ist die ´Quarta` an ihrem tiefgelben Fleisch. „Unverwechselbar machen sie aber ihre flachen, rötlichen Augen“, sagt Heidi Lorey.
