Susanne Grube, Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Ammerland, erklärt in einem Interview, welche Pflanzen die gefährdete Insektenwelt besonders gut unterstützen.

Vorausgesetzt, ein Insektenhotel ist optimal eingerichtet, welche tierischen Bewohner können hier überhaupt friedlich nebeneinander leben?

SUSANNE GRUBE: Vorab: Insektenhotels sind keine Herbergen für Übernachtungsgäste im klassischen Sinne. Sie bieten vielmehr Brutplatz und Kinderstube für Nachkommen verschiedener Wildbienen und Wespen.

Allen Nutzern der Nisthilfen gemeinsam ist, dass sie keine Staaten bilden, wie wir das von der Honigbiene oder denjenigen Wespen kennen, die uns den Obstkuchen streitig machen wollen. Die Nutzer des Insektenhotels leben solitär – einzeln. Für Menschen sind die solitär lebenden Bienen und Wespen vollkommen harmlos. Sie sind aus menschlicher Sicht sogar den Nützlingen zuzuordnen, weil sie entweder sehr effektiv zur Bestäubung unserer Früchte beitragen, wie die Bienen, oder Schadinsekten vertilgen, wie die Wespen.

In Insektenhotels leben beispielsweise Maskenbienen, die im Gesicht eine weiße oder gelbe Maske tragen. Sehr häufig ist die Rote Mauerbiene, die ihre Brutzellen mit einem Lehm-Speichel-Gemisch abdichtet. Pelzbienen und Wollbienen nutzen ebenfalls gerne Insektenhotels für die Ablage ihrer Eier. Blattschneiderbienen kleiden die Legeröhre mit Blattstückchen aus. Ein häufiger Gast ist die kleine, metallisch schillernde Goldwespe. Aber auch Lehm- oder Wegwespen können gelegentlich das Angebot der Nisthilfen nutzen. Dabei ist das Zusammenleben nicht immer friedlich. Manche Goldwespen leben parasitär und entwickeln sich auf Kosten von Wildbienenlarven. Das ist Natur.


Kann ich mit entsprechenden Pflanzen Insekten gezielt in den Garten locken?

SUSAN NE GRUBE: Insektenhotels bieten Lebensraum für die Vermehrung der Wildbienen und Solitärwespen. Wenn man diese nützlichen Tiere längerfristig in seinem Garten ansiedeln möchte, muss man aber auch für Nahrung sorgen. Wildbienen ernähren sich von Nektar und Pollen. Bei der Pflanzenwahl muss man also vor allem Wert auf nektar- und pollenreiche Pflanzenarten legen. Es gibt zahlreiche heimische Kräuter und Stauden, die sich wunderbar als Bienenweide eignen. Dazu zählen Akelei, ungefüllte oder Wildrosen, Stockrosen, Malven, Wicken, Schafgarbe, Margerite, Taubnesseln, Kleesorten, Beinwell, Lavendel und viele mehr. Auch Küchenkräuter wie Rosmarin, Oregano, Thymian oder Salbei sind hervorragende Bienennährpflanzen.

Es kann auch schon ausreichen, die vorhandenen monotonen Rasenflächen in Teilbereichen nur noch ein- oder zweimal im Jahr zu mähen. Oft entwickelt sich dann von ganz alleine ein schöner Blühaspekt.

Warum bevorzugen Insekten eigentlich bestimmte Nahrungspflanzen und welchen Sinn hat das?

SUSANNE GRUBE: Viele – insbesondere seltenere – Insektenarten sind speziell an ihre Nahrungspflanzen angepasst und umgekehrt.

Man denke nur an Klee- oder Salbeiblüten. Diese Blüten sind so konstruiert, dass sich die Staubgefäße auf Kopf und Rücken des Insekts legen, während dieses den Nektar aus der Blüte trinkt. Mit dem männlichen Pollen aus den Staubgefäßen machen sich die Tiere dann auf den Weg an die nächste Blüte – und bringen den Pollen dort auf die weibliche Narbe. Der Sex war erfolgreich, die Befruchtung hat geklappt. Das ist genial. Eine perfekte Abstimmung zwischen Tier und Pflanze. Dem Mensch bringt diese Bestäubungsleistung weltweit einen Nutzen von bis zu 600 Milliarden Euro pro Jahr!

Schöne Blumenrabatten, Rasenfläche und einen Hausbaum haben die meisten Gärten. Fehlt hier überhaupt etwas?

SUSANNE GRUBE: Vielen Gärten fehlt die „mittlere“ Ebene, das Strauchwerk. Es gibt wunderbare nektar- und pollenliefernde Sträucher mit großem Nutzen für Insekten. Allen voran zu nennen wäre der Faulbaum, ein größerer Strauch mit hübschem Blatt, der den ganzen Sommer über Insekten mit Nahrung versorgen kann. Wichtige Insektennährgehölze sind auch Holunder, Wildrosen, Schlehe, Weißdorn, Vogelbeere, Kornelkirsche und viele Weidenarten. Im Herbst, wenn vieles verblüht ist, versorgt blühender Efeu die Wildbienen noch einmal mit köstlichem Nektar. Sträucher bieten weitere Vorteile für den Hausgarten. Sie werden nicht so groß und können meist problemlos gekürzt werden, um im nächsten Jahr wieder auszutreiben. Außerdem bieten sie Nahrung und Nistmöglichkeiten auch für Vögel.

Wenn trotzdem Bienen, Schmetterlinge & Co. ausbleiben – woran kann es liegen?

SUSANNE GRUBE: Das kann viele Gründe haben. Zum einen haben wir ja einen massiven Rückgang der Insekten zu beklagen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Hausgärten insektenfreundlich gestalten. Dann muss das Umfeld stimmen. Viele Wildbienen fliegen nur 100 bis 150 Meter weit, dann benötigen sie wieder Treibstoff in Form von Nektar oder Pollen. In den modernen „Steinwüsten“ gibt es oft kaum noch Blütenpflanzen mit Nektar- und Pollenangebot. Dann schaffen es die Insekten einfach nicht bis zu dem blütenreichen Garten. Schließlich kann es auch daran liegen, dass überwiegend Pflanzen mit gefüllten Blüten verwendet wurden. Sie sehen schön aus, liefern aber keinen Pollen, weil die Staubgefäße durch Züchtung zu Blütenblättern umgewandelt wurden. Nektar ist durch die gefüllte Blüte kaum zu erreichen. Des Weiteren haben sich unsere Insekten im Laufe der Zeit an unsere Pflanzen angepasst. Deshalb sollten heimische Pflanzenarten bevorzugt werden, wie die weiter oben genannten Arten. Wichtig ist auch, auf den Einsatz von Insektiziden im Garten zu verzichten, denn damit würde man natürlich auch den Nützlingen schaden.