Von Alge über Gemüse, Nutztier, Orchidee, Schmetterling, Staude bis zu Vogel und weiter reicht die Spanne der besonderen Tiere und Pflanzen in der Natur, die es zu schützen gilt. 22 verschiedene Lebewesen wurden in diesem Jahr ausgezeichnet. 13 dieser Ausgezeichneten stellen wir in der Gartenzeit vor. Den Beginn macht das Braunkehlchen. Es ist als stark gefährdet eingestuft, weil es immer weniger artenreiche Wiesen und Blühstreifen gibt, die der Langstreckenzieher als Lebensraum benötigt. Daher sind seine Bestandszahlen auch in Deutschland jährlich rückläufig.
Kosename „Wiesenclown“
Der kleine Vogel hat eine Größe von 12 bis 14 Zentimeter und ein Gewicht von 15 bis 24 Gramm und ist damit zierlich. Auffällig ist nicht sein Gefieder, sondern seine weiße Augenbinde, die ihm unter den Ornithologen den Kosenamen „Wiesenclown“ eingebracht hat. Die Braunkehlchen verweilen gerne auf einem Zaun, einer hohen Staude oder Distel, von wo sie ihre Jagdflüge starten. Sie fressen Insekten und deren Larven, Spinnen, Würmer und kleine Schnecken, daher müssen die Wiesen arten- und strukturreich sein. Wenn ein Greifvogel auftaucht, versucht sich das Braunkehlchen durch Erstarren in gestreckter Haltung unsichtbar zu machen und hofft, übersehen zu werden. Im Sommer und Herbst ergänzen gerne auch mal Beeren den Speiseplan des munteren Wiesenclowns.
Winterquartier in Afrika
Im September fliegen die Braunkehlchen auf die große Reise nach Afrika ins tropische Winterquartier, zurück nach Deutschland kommen sie im April und halten Ausschau nach blütenreichen Wiesen und Brachen, um hier in Bodennestern zu brüten. Solche Landschaftsformen verschwinden jedoch immer mehr, weshalb der Bestand seit Jahrzehnten weiter abnimmt.
Der Vogel des Jahres 2023 besetzt sein Revier und beginnt mit dem Nestbau aus Moos, Gräser und Halmen – Material von einer Wiese. Im Mai legt das Weibchen vier bis acht blaugrüne Eier, die es allein ausbrütet. Nach etwa zwei Wochen Brutzeit schlüpfen die Jungen. Im Alter von 17 bis 19 Tagen klettert der Nachwuchs aus dem Nest. Bis sie fliegen können, verstecken sich die jungen Braunkehlchen in der Nähe des Nestes, zu dem die Eltern immer wieder mit Futter kommen, um die Kleinen zu versorgen.
Vogel des Jahres
Bei der diesjährigen öffentlichen Vogelwahl entfielen 43,5 Prozent der Stimmen auf das Braunkehlchen, das damit deutlich vorne in der Gunst der Wählerinnen und Wähler lag. Das Braunkehlchen ist ein echter Europäer. Mehr als 75 Prozent der Weltpopulation leben auf unserem Kontinent. Der Bestand in Deutschland bewegt sich zwischen 19.500 und 35.000 Paaren, die meisten davon sind in Mecklenburg-Vorpommern zu finden. Aber grundsätzlich kommt der Vogel des Jahres fast überall in Deutschland vor, da es sich sowohl im Tiefland als auch im Mittelgebirge wohlfühlt. Sogar auf dem Tempelhofer Feld mitten in Berlin wurden schon brütende Braunkehlchen gesichtet.
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