Mit Blumen- oder Pflanzerden bezeichnet der Hobbygärtner und Pflanzenliebhaber ein aus Torf, Düngemittel, Kalk und Zuschlagstoffen hergestelltes Kultursubstrat für die Anzucht und Kultivierung von Pflanzen. Das heißt: die Komponente Torf ist als Basis oder prozentualer Beimischung in der Erde enthalten. Aber, entspricht das noch der Realität? Längst wird vor dem Torfabbau gewarnt, zerstört er nicht nur die Lebensräume von Flora und Fauna, der Abbau ist auch schlecht für das Klima, weil durch die Entwässerung der Feuchtgebiete CO2 entweicht und hinzukommt: der Rohstoff steht nicht endlich zur Verfügung.
Die Substratindustrie habe im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung und unter dem Gesichtspunkt der gesellschaftlichen Diskussion um den Rohstoff Torf in den letzten Jahren viel bewegt und erreicht, wie vom Industrieverband Gartenbau (IVG) bestätigt wurde. Der Torfanteil sei in Blumenerden für den deutschen Markt stark gesunken.
Rhododendron & Co – geht es auch ohne Torf ?
Nadja Krause, Leiterin der Niedersächsischen Gartenakademie Bad Zwischenahn-Rostrup, hat als Fachfrau die Fakten parat: „Rhododendron und andere sogenannte Moorbeetpflanzen wie Heidelbeeren, Preiselbeeren, Moosbeeren, Callunen, Eriken und Leucothoe (Traubenheide) brauchen für das optimale Wachstum einen niedrigen, sehr sauren pH-Wert. Torf hat von Haus aus einen sehr niedrigen pH-Wert und wird daher gerne in Pflanz- und Blumenerden verwendet.“
Geht es auch anders? „Ja. Es geht selbst bei diesen kalkempfindlichen Pflanzen ohne Torf. Mittlerweile gibt es torffreie Rhododendron-Erden. Von den Substratherstellern wurde der pH-Wert mit möglichst sauren Ausgangsstoffen bestmöglich für die Pflanzen eingestellt“, beschreibt die Leiterin den Einsatz von torffreien Erden und ergänzt: „Wichtig für das optimale Wachstum bei Rhododendron und Azaleen sind Humus und Luft. Der Boden beziehungsweise die Pflanzerde sollten daher einen hohen Humusgehalt und Luftkapazität haben. Verdichteten Boden und Staunässe mögen sie dagegen nicht.“
Welche Alternativen gibt es ?
Wer auf Torf verzichten möchte, könne Rindenhumus, Nadelstreu aus dem eigenen Garten oder feine Kiefernrinde verwenden. „Diese Stoffe haben auch eher niedrige pH-Werte“, bestätigt Nadja Krause. Der klassische Gartenkompost dagegen eigne sich aufgrund des tendenziell höheren pH-Wertes nicht. Auch sei der Einsatz versauernder Dünger wie Ammoniumsulfat möglich. „Aber Achtung: Die Düngergabe richtet sich nach dem Stickstoffbedarf der Pflanzen. Das Motto ‚viel für einen niedrigen pH-Wert‘ kann sich negativ auf das Pflanzenwachstum auswirken,“ macht die Leiterin deutlich und rät, den pH-Wert des Gartenbodens zu bestimmen, um so die entsprechenden Pflanzen auszuwählen. „Standortgerechte Pflanzungen sind meist pflegeleichter, weil die Rahmenbedingungen für die Pflanzen stimmig sind.“
Kalkresistente Rhododendron-Sorten wie beispielsweise Rhododendron der INKARHO-Reihe oder auch die Rhododendron-Sorte ‚Cunningham’s White‘ können dagegen mit pH-Werten um 6,0 bis 6,5 problemlos zurechtkommen. Torfersatzversuche für den Produktionsgartenbau, die bei der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Bad Zwischenahn durchgeführt werden, belegen dieses.
Bringt die pH-Wert-Ermittlung Sicherheit ?
Sicher ist sicher: Der pH-Wert kann durch im Handel verfügbare pH-Schnelltests selbst durchgeführt werden. „Das Ergebnis zeigt meist aber nur eine grobe Richtung an“, weiß Nadja Krause und rät daher: Will man es genau wissen, sollte man einen Test im Labor durchführen lassen. Bei uns in Nordwestdeutschland bietet sich dafür die LUFA Nord-West an.“
