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NWZonline.de Gartenzeit

„Ich liebe das gewöhnliche Ferkelkraut“

03.05.2019

Mit seinem unnachahmlichen Wortwitz, seiner mitreißenden und begeisternden Erzählung nimmt der Experte für Botanik interessierte Naturkundler mit auf seine Safari durch Wald und Flur. Der Ihlower Forst im ostfriesischen Ludwigsdorf, ursprüngliches Heidegebiet, zählt für den „Extrembotaniker“ – neben bundesweit etlich weiteren – als beliebter Treffpunkt für interessierte Naturfreunde, die mit dem 58-Jährigen die Umgebung erkunden wollten.

Begeisterung mit Witz und Wissen

„Wir sind durch das Fernsehen auf ihn aufmerksam geworden“, erzählt Gesa aus Leer. Zusammen mit ihrer Schwester Nantke nimmt sie an dieser Exkursion teil. „Wir sind keine Experten. Aus Spaß am Draußen und in der Natur sein haben wir uns angemeldet“, so Nantke. Die beiden Schwestern freuen sich darüber, sich etwas Basiswissen anzueignen. „Man übersieht die vielen kleinen Pflänzchen, die total schön sind und schon auf der Hofauffahrt, quasi direkt vor der Haustür, wachsen.“

Aus Delmenhorst beziehungsweise Bookholzberg sind die drei Freundinnen Elke, Frauke und Gaby zur Botanik-Safari angereist. „Ich habe meine Freundinnen infiziert“, freut sich Frauke. Als gelernte Biologisch-Technische Assistentin habe sie immer viel mit Pflanzen zu tun gehabt. Auch ein Herbarium habe sie früher angelegt. Da sei es klar, dass außerhalb des beendeten Berufslebens die Biologie weiterhin ihr Hobby sei. Ihre erste Exkursion mit Jürgen Feder habe sie im Hasbruch gemacht: „Er macht unglaublich aufmerksam auf die Natur und ihre Pflanzen.“ „Wir haben über 20 Jahre ein Haus in Schweden gehabt. Dadurch bin ich sehr naturverbunden“, erklärt Elke, die ebenso wie Gaby begeistert ist.

Aus Westerstede ist Dennis in den Ihlower Forst gekommen. „Jürgen Feder ist der beste Kräuterkenner, der mir bekannt ist. Ich habe schon Exkursionen mit ihm in Dangast, Emden, Cuxhaven und Hasbruch gemacht – immer spannend“, so das Fazit des Physiotherapeuten, der sich hobbymäßig für Tiere und Pflanzen interessiert.

Das Hobby von Stefanie aus Krummhörn gehört vorwiegend den Insekten - „und am liebsten beschäftige ich mich mit Wanzen, dazu zählt auch das Interesse für die Botanik. Flora und Fauna hängen stark zusammen“.

Es gibt kein Unkraut

Jürgen Feder begeistert landesweit, von Frühling bis Herbst ist der anerkannte Botanik-Experte in vielen Biotopen am Straßenrand, auf der Wiese oder im Wald unterwegs und erklärt sie auf unterhaltsame Art und Weise seinen neugierigen Zuhörern. „Ich bin ein Pflanzen-Enthusiast. Diese Begeisterung versuche ich weiterzugeben. Weil es dringend nötig ist“, ist es ihm bei aller Heiterkeit auf seinen Führungen durchaus ernst.

Der 58-Jährige will verlorenes Wissen wieder neu vermitteln, springt in Gräben, steigt über Zäune und geht vom Waldweg ab ins Unterholz – und nimmt seine Gäste mit. „Wissen macht Spaß“ vermittelt er in seinen mehrstündigen Führungen. „Ich brauche mir nur die Blätter anzuschauen“, weiß der erfahrene Gärtner und Landespfleger, der im Auftrag von Bundesländern und Kommunen Landstriche botanisch kartiert hat. Während seines Studiums in den 1980er Jahren legte er den Grundstein für sein privates Herbarium, das er bis heute pflegt mit immer neuen getrockneten Pflanzen. Seine Karriere begann vor einigen Jahren mit einem Besuch in der TV-Show von Stefan Raab, in der er mit seinem Wissen über Wildpflanzen zu begeistern wusste.

Ohne Punkt und Komma

Es braucht gutes Zuhören und einfach nur Lust, seine Umwelt zu Füßen neugierig zu entdecken und mit neuen Augen zu betrachten. Die meisten Wildkräuter am Wegesrand sind essbar und sehr gehaltvoll. Außerdem sorgen sie für viele Aromen. Das einjährige, behaarte Schaumkraut (auch als Springkraut bekannt) betört mit Kresseduft – die kleinen zarten Blätter und Blüten können unbedenklich verzehrt werden. Das gilt auch für das kräftigere Waldschaumkraut. Oder: das gewöhnliches Ruchgras weist durch Bildung von Cumarin einen charakteristischen Waldmeister-Geruch auf.

Viele Pflanzen wie Gundermann, Löwenzahn, Giersch, Brennnessel und Moos sind unverwechselbar und auch gut für den Laien zu erkennen. Es gibt aber auch Ähnlichkeiten in den Blütenständen, trotzdem gibt es immer deutliche Unterscheidungsmerkmale – wie beim gewöhnlichen Ferkelkraut. Die Blüte sieht aus wie Löwenzahn, sie blüht aber erst, wenn die Pusteblumen schon wieder verschwunden sind. Und wer die beiden Gewächse genauer betrachtet, erkennt: der Löwenzahn trägt auf seinem blattlosen Stiel mit dem typischen Milchsaft eine Blüte, beim trockenen Ferkelkraut verzweigt sich der Blütenstand und die Blätter sind behaart. „Weil die Schweine sich besonders über die Wurzeln hermachten, kam es zu dem Namen Ferkelkraut“, erklärt Feder. „Es ist eine der schönsten gelbblühenden Pflanzen überhaupt“, findet der Experte aus Bremen.

„Es sollte nicht alles unkrautfrei sein!“

Die häufigste Pflanze Deutschlands von Flensburg bis in die Alpen sei das einjähriges Rispengras, ein nährstoffliebendes Süßgras. Dieses Lückenbüßergras wächst ganzjährig und ärgert viele Gartenliebhaber und Grundstücksbesitzer mit permanentem Wuchs in Fugen und Ritzen. „Warum muss auf gepflasterten Flächen alles immer blitzblank sauber aussehen“, stellt Jürgen Feder den Perfektionismus in Frage.

Raritäten vor Ort

Neben häufigen Gewächsen am Wegesrand wie Frühlingshungerblümchen, gewöhnliches Greiskraut und Ruchgras, Hirtentäschel, Schafgarben, Feld-Hainsimse (auch als Hasenbrot bekannt) oder Hahnenfußgewächsen findet der Pflanzenkenner am und im Ihlower Forst auch Raritäten wie die Bachsternmiere oder den Berg-Ehrenpreis; auch die schnellwachsende Küsten-Tanne hat hier Einzug gehalten.

Wer sich so gut wie Jürgen Feder auskennt, weiß auch um die Heilwirkung: Spitzwegerich beispielsweise, ist gut als Salatpflanze zu verwenden und bei Husten hilfreich, doch sie helfe zerkleinert auch bei Insektenstichen und Verletzungen, weiß er aus eigener Erfahrung. Schmunzelnd erklärt er auch die Eigenarten von Pflanzennamen: der hübsche Gundermann, der nur im April und Mai blüht und schnell Ausläufer bildet, wurde auch als Mittel gegen Pickel eingesetzt. Gund bedeute Alter – ob es für den Namen Gundhilde ein gutes oder schlechtes Omen sei, ließ er augenzwinkernd offen.

Swantje Sagcob Redakteurin / Sonderthemen Redaktion
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