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NWZonline.de Gartenzeit

Expertentipp: Die Natur sorgt gut für uns!

31.05.2019

Menschen, die um die besondere Wirkung von Pflanzen wissen, hat es wohl schon immer gegeben. „Pflanzenwissen war in der Kultur aller Völker eingebunden. Es wurde mündlich und schriftlich weitergegeben und es gab immer Wissende, denen eine besondere Aufgabe zukam, Pflanzen zur Heilung von Krankheiten zu präparieren und anzuwenden“, sagt Angelika Michaelis.

Je nach Kultur nannte man diese „Wissenden“ Druiden, Schamanen oder weise Frauen. Die ältesten schriftlichen Überlieferungen über die Wirkkraft von Pflanzen stammen laut Angelika Michaelis vermutlich aus Indien: Das in etwa 4000 Jahre alte Rigveda. „Wir kennen noch die Schriften von Avicenna, das Pflanzenwissen von Dioscurides und natürlich die Schriften aus dem Mittelalter, die man Hildegard von Bingen zuschreibt, und die wichtigen Schriften des Paracelsus, Tabernemontanus, Thurneysser und viele mehr“, nennt die Kräuterfrau die wichtigsten Station in der europäischen Heilkräutergeschichte.

Dass manche Pflanzen eine lindernde Wirkung haben, lässt sich auf ihre Inhaltsstoffe zurückführen. „Alle Pflanzen haben nährende oder heilende Wirkungen. Die Natur sorgt für uns: Die Pflanzen, die wir zur Nahrung und zur Heilung brauchen, wachsen direkt vor unserer Haustür“, sagt Angelika Michaelis. Sie ist überzeugt: „Es gibt nichts ohne Bedeutung und Nutzen in der Natur, oft kennen wir sie aber nicht.“

Zeitgeist setzt Schwerpunkte

Tatsächlich dauerte es eine ganz Weile, bis man den besonderen pflanzlichen Wirkstoffen auf die Spur kam. Erst im 19. und 20. Jahrhundert habe man Pflanzen als „Wirkstoffreservoire“ und sie entsprechend als nützlich und weniger nützlich selektiert, erklärt die Kräuterfrau. Darüber hinaus sei die Bedeutung einer Heilpflanze vom jeweiligen Zeitgeist abhängig. „In unserer Zeit sind möglicherweise jene Heilpflanzen besonders wichtig, die den Menschen und der Natur helfen, Umweltgifte loszuwerden, und die unser Immunsystem mit Mineralien, Spurenelementen und Antioxidantien unterstützen können.“ Und davon gibt es aus Sicht der Kräuterkunde gerade im Frühjahr ein ganz Menge: Brennnessel, Löwenzahn, Gundermann, der stinkende Storchschnabelsowie zugewanderte Pflanzen wie den japanischen Staudenknöterich, der laut Angelika Michaelis „ganze Landstriche entgiften kann“ und dessen Wurzel ein sehr starkes Antioxidans enthält, nämlich Resveratrol.

Wie man welche Pflanzen anwendet, dazu gibt es einiges an Fachliteratur. Auch in Kochbüchern haben Wildpflanzen Eingang gefunden. „Heilpflanzen wie Bärlauch, Giersch, Knoblauchrauke und Brennnessel sind Nahrungspflanzen im Frühjahr, wenn sie jung und zart sind“, sagt die Kräuterfrau. Gewächse, die eher bitter oder streng schmecken wie beispielsweise Schafgarbe, können wiederum für Tee getrocknet oder in einem Alkoholauszug zu Tinktur verarbeitet werden.

Bestände erhalten

Egal, wie man sie am Ende verwenden will: „Wichtig bei der Heilpflanzenanwendung ist, dass ich die Pflanze gut kenne und sie von anderen, die möglicherweise ähnlich aussehen, unterscheiden kann“, betont Angelika Michaelis. Sie plädiert zudem dafür, sorgsam mit der Natur umzugehen: also nur so viel sammeln, wie man wirklich benötigt und niemals ganze Bestände abernten. Und: „Pflanzenauszüge kann man für sich selber herstellen, aber nicht mit der Benennung einer Heilwirkung an andere Menschen verkaufen.“

Wer Heilpflanzen in der freien Natur sammeln will, dem empfiehlt Angelika Michaelis, an einem sonnigen Tag am späten Vormittag oder Nachmittag zu ernten. Dann sind die Pflanzen auch trocken. Grundsätzlich rät sie dazu, nur dort zu sammeln, wo keine Pestizide zum Einsatz kommen. Auch Ränder stark befahrener Straßen und „Hundelaufpisten“ sollte man meiden.

Im eigenen Garten lassen sich ebenfalls Heilkräuter anbauen. Bei wenig Platz bieten sich Mittelmeerkräuter an. „Lavendel, Salbei, Rosmarin und Thymian sind allein schon wegen ihres Duftes wunderbar“, schwärmt Angelika Michaelis. Aber auch Fenchel und Johanniskraut sollten nicht fehlen und auch nicht der eher unbekannte Odermennig, eine „schöne und nützliche Teepflanze“.

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Für einen größeren Garten bieten sich Kardendisteln und Engelwurz an. „Engelwurz benötigt viel Platz benötigt, ist aber auch wunderschön“, so die Kräuterfrau. Auch Johanniskraut, Melisse und Wermut dürfen dann aus ihrer Sicht in einem Heilkräutergarten nicht fehlen – neben all den vielen anderen nützlichen Pflanzen, die es dann noch so gibt.


     www.terra-arcanum.de 
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