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NWZonline.de Gartenzeit

Speierling gibt Wein Aroma

24.11.2018

Der Speierling ist ein alter Kulturbegleiter des Menschen, wie der botanische Name Sorbus domestica (domus = Haus) schon vermuten lässt. Er wuchs schon in den Gärten der Griechen und Römer, und die Mönche verbreiteten ihn nördlich der Alpen.

Viele Gerbstoffe

Im Gegensatz zu den Wildobstarten Holunder, Schlehe und Sanddorn, die sich in der Natur gegenüber Mitbewerbern gut durchsetzen können, benötigt der Speierling die Hilfe des Menschen. Er wächst nur auf humosen, kalkhaltigen, durchlässigen Böden im milden Klima und kommt neben Weinbaugegenden nur im südlichen Niedersachsen, auf Kalkböden Thüringens sowie in Nordrhein-Westfalen vor.

Vom Aussehen lässt er sich vom Laien kaum von der Eberesche unterscheiden und wird sicherlich häufig als Vogelbeerwildling ausgerissen. Am einfachsten lässt sich der Speierling an den Früchten erkennen, die im Spätsommer reifen. Sie befinden sich wie bei der Eberesche in Trugdolden, sehen aber nicht wie Beeren, sondern wie kleine Birnen oder Äpfel aus.

Wegen des hohen Anteils an Gerbstoffen wurden sie früher Apfelmost und Wein beigefügt und gaben diesen Getränken Haltbarkeit und einen speziellen Geschmack. Im Haushalt wurden die Früchte damals zur Zubereitung von Marmelade und Kompott verwendet. Die Früchte, die nicht vom Menschen geerntet wurden, waren für die Tierwelt eine willkommene Winternahrung.

Anfang der 1990er Jahre schlugen die Umweltschützer Alarm, als sie feststellten, dass in Deutschland nur noch wenige Tausende Speierlingsbäume existierten, von denen die meisten auch noch im hohen Alter waren. Jungbäume gab es nur noch einige hundert.

Um auf diese Gefahr des Aussterbens hinzuweisen, wurde der Speierling 1993 zum Baum des Jahres gewählt und sein Anbau vielfältig gefördert. Es kam auch zur Gründung eines Förderkreises Speierling sowie einer Kartierung der in Deutschland noch vorhandenen etwa 5000 älteren Speierlingsbäume.

Alte Baumart

Heute ist man bemüht, europaweit alte und bedrohte Baumarten zu erfassen, Edelreiser zu schneiden sowie Samen zu ernten, um diese bedrohten Pflanzen nachzuziehen. Seit 1993 sind inzwischen mehr als eine halbe Million junger Speierlingsbäume gepflanzt worden, und der Speierling hat eine gute Chance, bald von einer bedrohten Art zu einem seltenen Fruchtbaum aufzusteigen.

Wer über die richtigen Bodenverhältnisse, ein mildes Klima und einen sonnig bis halbschattigen geschützten Platz im Garten verfügt, dem ist auch heute noch zu empfehlen, einen oder mehrere Speierlingsbäume anzupflanzen. Wichtig ist, dass sich junge Pflanzen gegenseitig nicht mögen und nur dann gut wachsen, wenn die Wurzeln keinen Kontakt miteinander haben.

Und wenn diese Erfolgsstory weitergeht, können sich auch folgende Generationen am Frankfurter Speierlings-Apfelwein laben oder von Speierlingsbränden kosten, die noch eine edle Rarität sind.

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