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Gründüngung Über Winter den Boden aufwerten

Swantje Harms
Düngelupinen haben sehr tiefe Wurzeln, lockern damit tiefgründig den Boden und verbessern die Bodenbelüftung; außerdem versorgen sie den Boden durch die Gründüngung mit Stickstoff.

Düngelupinen haben sehr tiefe Wurzeln, lockern damit tiefgründig den Boden und verbessern die Bodenbelüftung; außerdem versorgen sie den Boden durch die Gründüngung mit Stickstoff.

Ulrike Beltz

Sind die Beete abgeerntet und keine Nachfrucht mehr geplant, sollte der Boden über Winter nicht unbedeckt bleiben. Experten empfehlen zur Regeneration die Aussaat einer Gründüngung. Zu den Möglichkeiten und Vorteilen, der Pflanzenauswahl und Pflege haben wir Nadja Krause, Leiterin Niedersächsische Gartenakademie von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen/Bereich Gartenbau, gefragt.

Nadja Krause, Leiterin Niedersächsische Gartenakademie

Nadja Krause, Leiterin Niedersächsische Gartenakademie

Warum ist eine Gründung im Hobbygarten überhaupt empfehlenswert und auf welchen Flächen ?

Der Vorteil der Gründüngung liegt eher auf der Bodenpflege als auf der Düngung. Es werden spezielle Pflanzen ausgesät, die den Boden verbessern. Die Düngungseffekt tritt erst verspätet ein, wenn die Pflanzenteile dem Boden zugeführt werden. Dazu sollten die Pflanzenteile abgemäht und zerkleinert in den Boden eingearbeitet werden. Das Bodenleben wie Regenwürmern, Asseln, Springschwänze, Bakterien, Pilze und vielen mehr, verwandeln die organische Masse dann in wertvollen Humus. Dadurch können wir langfristig den Humusanteil im Boden erhöhen und dadurch die Bodenstruktur sowie das Wasserhaltevermögen verbessern. Ansonsten liegen die Vorteile vor allem auf der Bedeckung des Bodens. Dadurch sind die Temperaturschwankungen im Boden geringer, was sich positiv auf das Bodenleben auswirkt. Weiterhin verschlämmt der Boden bei Niederschlägen nicht so stark und Bodenerosion wird verringert. Zudem bleibt der Boden insgesamt lockerer und das erleichtert wiederum die Bodenbearbeitung. Ideal ist Gründüngung für brachliegende Flächen. Bevor sich Unkraut freimacht, kann besser Gründüngung eingearbeitet werden. Ansonsten eignet sich Gründüngung sehr gut im Gemüsegarten. Häufig sind nach der sommerlichen Ernte die Beete leer und werden nicht genutzt. Mit Gründüngungspflanzen gönnt man den Beeten eine Pflegekur. Sehr zu empfehlen ist eine Gründüngung bei der Neuanlage eines Gartens. Vor allem in Neubaugebieten, wo der Boden durch Baumaschinen verdichtet wurde und der Boden häufig sehr humusarm ist.

Neben Senf als Kreuzblütler werden auch Klee und Lupinen als Leguminosen empfohlen. Welche Pflanzen lassen noch als Gründung einsetzen ?

Es gibt eine Reihe von Gründüngungspflanzen, die wiederum eine unterschiedliche Wirkung auf den Boden haben. Sonnenblume, Lupine oder Ölrettich haben sehr tiefe Wurzeln und lockern damit tiefgründig den Boden und verbessern die Bodenbelüftung. Tagetes und Ringelblumen wirken gegen Nematoden im Boden. Das sind Fadenwürmer, die z. B. gerne Erdbeeren oder Kartoffeln befallen und damit den Ertrag deutlich mindern. Leguminosen wie die oben genannten Klee, Lupinen, Winterwicken und auch Serradella liefern dem Boden Stickstoff. Bei diesen Pflanzen gehen Wurzeln und Knöllchenbakterien eine Symbiose ein. Die Knöllchenbakterien binden aus der Bodenluft Stickstoff und lagern diesen ein. Werden die Leguminosen dann in den Boden eingearbeitet, wird dieser Stickstoff frei und steht den nachfolgenden Pflanzen zur Verfügung. Aber auch Winterroggen und Raps (beide wintergrün), Buchweizen und Phacelia (beide ideale Bienenweide) können verwendet werden. Es sollte im Vorfeld überlegt werden, welchen speziellen Nutzen davon genutzt werden soll.

Leguminosen wie Klee liefern dem Boden nach der Einarbeitung Stickstoff.

Leguminosen wie Klee liefern dem Boden nach der Einarbeitung Stickstoff.

Gibt es Kriterien, welche Pflanzen sich für welche Umgebung oder Wirkung am besten eignen ?

Besonders im Gemüsegarten muss auf die Fruchtfolge geachtet werden. Sollen im nächsten Jahr wieder Leguminosen wie Erbsen und Bohnen oder auch Kreuzblütler wie Kohlarten angebaut werden, muss auf Gründüngungspflanzen aus dieser Familie verzichtet werden. Dies kann sonst zu Problemen bei der Pflanzengesundheit führen. Im Gemüsegarten sind daher Phacelia, Winterroggen oder Buchweizen besonders geeignet, da es dort keine negativen Wechselwirkungen mit den üblichen Gemüsearten gibt. Winterroggen ist dabei wintergrün und bildet ein aufgeprägtes Wurzelwerk. Daher kann die Einarbeitung etwas schwierig sein. Phacelia und Buchweizen frieren über den Winter ab und dienen als Frostschutz im Beet. Im Frühjahr können sie dann in den Boden eingearbeitet werden.

Im Gemüsegarten ist Buchweizen als Gründüngung besonders geeignet, da es keine negativen Wechselwirkungen mit den üblichen Gemüsearten gibt. Er friert über den Winter ab und dient als Frostschutz im Beet. Im Frühjahr kann er dann in den Boden eingearbeitet werden.

Im Gemüsegarten ist Buchweizen als Gründüngung besonders geeignet, da es keine negativen Wechselwirkungen mit den üblichen Gemüsearten gibt. Er friert über den Winter ab und dient als Frostschutz im Beet. Im Frühjahr kann er dann in den Boden eingearbeitet werden.

Wann erfolgt die Aussaat und was gilt es dabei zu beachten ?

Der Aussaatzeitpunkt ist von der jeweiligen Gründüngungspflanze abhängig. Winterroggen wird meist von Mitte September bis Mitte Oktober eingesät. Phacelia kann von Mitte März bis Mitte September ausgesät werden. Wobei es bei der späten Aussaat nicht mehr um die Bienenweidefunktion geht, sondern tatsächlich um die Bodenbedeckung über den Winter. Buchweizen kann bereits ab Anfang Mai bis Mitte August. Für die späte Aussaat jetzt im September eignen sich noch: Winterrogen, Winterwicken, Raps, Phacelia und Gelbsenf.

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Welche Pflegemaßnahmen sind in der Folge erforderlich ?

Wie immer bei Aussaaten muss während der Keimung auf eine gleichmäßige Feuchtigkeit im Boden geachtet werden. Danach muss man den Pflanzen keine große Aufmerksamkeit schenken. Einige Gründüngungspflanzen sollten nur rechtzeitig vor der Samenbildung, also nach der Blüte, in den Boden eingearbeitet werden. Je nachdem wieviel Grünmasse gebildet wurde, empfiehlt es sich die Pflanzen mit dem Rasenmäher abzumähen, anwelken zu lassen und erst dann in den Boden einzuarbeiten. Dem Bodenleben sollte dann ein wenig Zeit gegeben werden (etwa 2–3 Wochen) das Material umzusetzen. Eine direkte Pflanzung mit z. B. neuen Gemüsejungpflanzen ist nicht zu empfehlen. Stören die Rückstände, können diese auch kompostiert oder als Mulchschicht ausgebracht werden.

Sollte die Gründungspflanze in Folgejahren variiert werden ?

Ja, auch bei den Gründüngungspflanzen selbst muss ich auf die Fruchtfolge achten. D. h. wird das eine Jahr Gelbsenf verwendet, sollte in den kommenden vier Jahren nicht wieder Gelbsenf angebaut werden. Das hätte sonst negative Auswirkungen auf die Pflanzengesundheit und die Bodenfruchtbarkeit nimmt langfristig ab.

Können Böden mit einer Gründüngung überdüngt werden ?

Nein, eine Überdüngung ist nicht zu befürchten. Der Düngungseffekt steht wie beschrieben nicht an erster Stelle. Weiterhin benötigt man das Bodenleben für die Umwandlung in Humus und die Freisetzung der in den Gründüngungspflanzen vorhandenen Nährstoffen. Dies geschieht relativ langsam und zeitversetzt.

Gibt es Alternativen zur Gründüngung ?

Eine ähnliche bodenschützende Funktion hat das Mulchen. Dabei wird der Boden ebenfalls vor Bodenerosion, Hitze, starke Frost oder Unkrautbewuchs geschützt. Dabei muss aber das passende Mulchmaterial verwendet werden. Rindenmulch oder ähnliches ist da ungeeignet. Ernterückstände, Laub, Rasenschnitt oder Kakaoschalen sind da eher geeignet. Wenn es mehr um die Düngungskomponente geht, können organische Dünger wie Kompost, Hornmehl, Hornspäne, Schafwolle, Rinder- oder Pferdemist usw. verwendet werden. Diese binden beim Abbau das Bodenleben mit ein und erhöhen ebenfalls langfristig den Humusgehalt und eine Überdüngung ist nicht gegeben. Problem bei Düngern allgemein, sie sollten nicht mehr zu spät ausgebracht werden. Daher eignen sich diese nicht für den Herbst.

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