• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Gartenzeit

Insektenhotels einrichten – aber richtig

05.04.2019

Ein Häuschen mit Röhren, Ziegelstein, Tannenzapfen und einem Stück Holz mit Löchern: So sehen viele Nisthilfen aus, die im Handel angeboten werden oder als Anleitung im Internet kursieren. Birgit Will beobachtet die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Sie arbeitet im Gemeinschaftsprojekt Wildbienenschutz, einer Kooperation zwischen der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Oldenburg und dem NABU Oldenburger Land.

Will weiß: Gerade um die Lebensbedingungen der meisten Wildbienen steht es nicht gut. Es fehlt ihnen immer mehr an Nistplätzen und Nahrungspflanzen in der freien Natur. „Wertvolle Refugien verschwinden zusehends, weil die Flächen für Siedlungen und Straßen genutzt und versiegelt werden. Aber auch die Agrar- und Energiewirtschaft bringt eine deutliche Veränderung der Landschaft hin zu sehr monotonen Strukturen“, so die Landschaftsökologin.

Dass Gartenfreunde sich nun insbesondere für die bestäubenden Insekten wie Wildbienen und solitär lebende Wespen einsetzen wollen, freut sie: „Nisthilfen können einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen für diese Tiere leisten und stellen für eine Reihe von Wildbienenarten eine gern angenommene Alternative dar.“

Damit das Hotel nicht leer bleibt…

Doch auch das schönste Hotel bleibt leer, wenn man beim Bau nicht auf die Ansprüche ihrer Zielgruppen geachtet hat und es keine passenden Nahrungspflanzen in unmittelbarer Nähe gibt – schließlich müssen sich die Insekten auch ernähren können. „Wildlebende, regionaltypische, pollen- und nektarreiche Pflanzen müssen nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert werden – auch wenn viele das vermeintliche Unkraut nicht mögen“, fordert Will.

Als Nistmaterial für Wildbienen am besten geeignet ist das, was die Natur seit jeher für Wildbienen bereitstellt. Die oberste Prämisse: Es muss röhrenförmig sein. So eignen sich beispielsweise markgefüllte Stängel von Brombeer- und Himbeere, Distel, Königskerze, Beifuß, Sommerflieder, Heckenrose und Holunder. Will empfiehlt, die Stängel bis zum Frühjahr stehen zu lassen und sie dann in etwa auf 50 bis 200 Zentimetern Höhe abzuschneiden, um das Mark offenzulegen. Wer früher schneiden will, kann die Stängel einzeln an Holz- oder Metallstäben festbinden, die draußen aufgestellt werden. „Diese Stängel werden nicht gebündelt, sondern sollten wie in der Natur einzeln, senkrecht und in Abständen voneinander platziert werden.“

Hohle Stängel von Bambus, Stroh- und Schilfhalmen kann man in einer Insektennistwand anbieten – allerdings ausschließlich waagerecht platziert, sonst werden sie laut Will nicht besiedelt. Auch müssen die Innenwände und Schnittkanten glatt und sauber sein. „Die Wildbiene krabbelt rückwärts in die Röhre, um den gesammelten Pollen in der Brutzelle abstreifen zu können. An Splittern kann sie ihre feinen, häutigen Flügel verletzen“, so die Insekten-Fachfrau.

Richtung und Tiefe müssen stimmen

Auch in trockenes Hartholz gebohrte Löcher mit einem Durchmesser von zwei bis maximal acht Millimetern legen Wildbienen ihre Eier ab. Eiche, Esche, Buche und festes Obstholz sind eine gute Wahl, Nadelholz hingegen nicht. „Wichtig ist es hier, nur ins Längsholz zu bohren, also von der Rinde aus. Dieses imitiert die natürlichen Nistquartiere, beispielsweise von Käfern hinterlassene Fraßgänge.“ Die Gangtiefe der Bohrlöcher entspricht in etwa der Bohrerlänge.

Sparen kann man sich das Bohren bei morschen Holzklötzen und festem Totholz – das übernehmen die Tiere selbst. Hierfür kann man auch altes Nadelholz verwenden. „Verwittertes Fichtenholz wird zum Beispiel von der Schwarzbauchigen Blattschneiderbiene besiedelt“, sagt Will.

Um ein weiteres Fach in der Nisthilfe auszufüllen, eignet sich sandiger Lehm, der nicht zu hart wird und sich mit dem Fingernagel noch leicht abschürfen lässt. „Hierin können einige Pelz-, Seiden- und Schmalbienen ihre Röhren graben“, sagt die Wildbienen-Expertin. Der Lehm sollte nicht mit Stroh vermischt werden, da dies die Durchgängigkeit der Röhren behindere.

Aber es gibt auch Material, das nicht als Nisthilfe taugt. Die Finger lassen sollte man ihrer Ansicht nach unter anderem von Porenbetonsteinen, Loch- und Blockziegeln mit großen, eckigen Löchern, luftdichten Acrylröhrchen zur Beobachtung, unsauber und vollständig durchbohrten Stammscheiben ohne hinteren Verschluss, Kiefern- und Tannenzapfen, Holzschnitzel, Heu, Stroh, Baumrinde sowie zerfaserte und zerquetschte Stroh- und Schilfhalme.

Insektenhotel pflegen

Wer will, kann die Niströhren reinigen. Oktober und November sowie Januar und Februar sind dafür ideal, weil die Wildbienen und Solitärwespen nicht mehr oder noch nicht aktiv sind. Die Niströhren kann man mit dünnen, langen Schrauben oder einem Bohrer reinigen, dessen Durchmesser etwas kleiner als die Röhre ist.

Nisthilfen aufhängen

Als Standort für eine Wildbienen-Nisthilfe gilt ein sonniger, windgeschützter und stauwarmer Platz mit freier Anflugschneise als ideal. Sie darf nicht im Wind schaukeln, sondern sollte vor Feuchtigkeit geschützt fest aufgehängt oder in einer Holzkiste oder an einer Wand gut befestigt werden. Baumkronen sind nicht geeignet, da das Laub eine direkte Sonneneinstrahlung verhindert. Damit Vögel nicht die Bienenbrut aus den Brutröhren holen, empfiehlt Birgit Will, die Nisthilfe mit einem weitmaschigen Draht oder einem Gitter zu schützen, das fünf bis zehn Zentimeter vor den Brutröhren angebracht wird.

Mehrheit der Wildbienen nistet im Erdboden

Bienenhotels sind angesagt. Was viele nicht wissen: Die meisten Wildbienen-Arten können mit Standard-Nisthilfen leider wenig anfangen. „Von den in Deutschland vorkommenden etwa 560 bekannten Wildbienenarten können im besten Falle nur etwas mehr als 30 Arten künstliche Nisthilfen annehmen“, sagt Birgit Will vom Gemeinschaftsprojekt Wildbienenschutz. Fast 75 Prozent aller heimischen Bienenarten benötigen Fachleuten zufolge Nistmöglichkeiten im Erdboden. Dennoch ist eine gut konzipierte, künstliche Nistmöglichkeit besser als keine. Vorausgesetzt, dass in nächster Nähe möglichst pollen- und nektarreiche, regionaltypische Wildpflanzen vorkommen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.