• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Gartenzeit

Grün, Grün, Grün sind (alle) meine Farben…

08.06.2018

Wer von der alten beeindruckenden Allee mit Eichen und Linden bei Nr. 51 auf den Hof von Hajo Cramer (ehemals Peters) abbiegt, entdeckt in ferner Sichtweite neben der typischen Gulfscheune eine sonnig-zartgelbe Villa über der hochgewachsenen Buchenhecke hervorlugen, die noch heute an den eleganten Stil aus dem Baujahr 1872 erinnert. Dieses bäuerliche Anwesen kann durch die reich überlieferten Hofarchivalien auf eine mehr als 500jährige Geschichte zurückblicken und wurde als Kulturschatzhof ausgezeichnet.

Erst, wer das weitläufige Grundstück betritt, erkennt die Ausmaße der T-förmigen Anlage und erst, wer den hohen Heckenbogen seitlich zum Garten weit durch die dunkelgrüne Taxushecke durchschreitet, mag die prachtvolle Gartenanlage erahnen, die sich dahinter verbirgt. Denn geschickt hat Lieselotte Cramer im Laufe der Jahrzehnte die weitläufigen Rasenflächen in mehrere Gartenräume unterteilt.

Ein Ensemble mit weiten Räumen

Den äußeren Rahmen bilden uralte Eichen und Buchen, die nach hinten in ein kleines Wäldchen münden, ein zweiter Schutz ist die Hainbuchenhecke, die den Garten komplett eingrenzt, auf der Nordseite auch Rhododendren, die durch den Baumbestand niedrig bleiben. Ebenfalls Schutz gegen ungemütliche Winde im Flachland bietet eine historische Grotte aus Tuffstein, die im Frühjahr mit einem Meer aus duftenden Dichternarzissen umgeben ist. Dieser Standort gewährt einen weiten Blick auf das Gebäudeensemble und die großzügige Rasenfläche, die von vielen verschiedenen weißblütigen Cornus- und Hortensienarten eingerahmt wird, darunter auch Besonderheiten wie Samt- und Eichblatthortensien.

Schwerer Marschboden fordert heraus

Wenn der Nord- und Ostwind trotzdem durchpfeift und der feuchte Marschboden trotz umlaufender Gräben regendurchtränkt ist, benötigt die Pflanzenvielfalt ebenso viel Stehvermögen. Auch Rehe und Hasen suchen sich – nicht nur dann – in den grünen Räumen gerne Schutz.

Symmetrie mit Sichtachsen

Ein in der Morgensonne platziertes Rosenparterre mit historischen Sorten wird von einer hohen Buchsbaumhecke eingerahmt. Mittig hat Lieselotte Cramer eine Sonnenuhr platziert, ein Erbstück des Hofes. In dem quadratisch angeordneten Idyll mit überquellenden Rosenblüten wird im Kleinen offensichtlich, was die über Jahrzehnte erfahrene Hobbygärtnerin im Großen bewegt: unaufdringliche Symmetrie ist ein wesentlicher Zug ihres Gartenkonzeptes.

„Ich liebe Farbe durch das Laub statt durch Blüten“

Mit der Spiegelung ihrer Pflanzenkompositionen gestaltet sie geschickt die großzügigen Gartenräume und betont zugleich auch die klaren Sichtachsen, auf denen wiederum ausgewählte Bäume wie Gingko-, Tulpen- und Taschentuchbaum einen stattlichen Blickfang bilden. An der südlichen Hauswand auf der geschützten Terrasse schlängelt sich Wein mit roter Traube, die Stallwand ist vor lauter Efeu kaum zu erkennen – bis auf einen dekorativen Türbogen, der zum schattigen Teil überleitet. Hier zeigen sich die Vorlieben der Hobbygärtnerin besonders: „Ich liebe Farbe durch das Laub statt durch Blüten“, schwärmt Lieselotte Cramer. Wenn das Sonnenlicht durch die Blätter der hohen Bäume fällt, zeigt sich das panaschierte Laub der Hostas immer wieder in neuen Variationen. So sehr sie alle verschiedenen Grüntöne liebt, fehlt es auch nicht an dezenten Blütenfarben. Einen Kontrast setzt sie vor allem mit Weiß, aber auch feines Gelb und zarte Rosa- bis Lilatöne setzen Akzente. Am Gartenteich gegenüber darf es mit Lilien auch mal kräftiger ausfallen.

Zarte Farbenspiele

Ob Funkien, Helleborus, Tränendes Herz, Lobelie, Straucharalie, Pfingstrose, Hortensie, Geißbart, Scheinhasel, Geranien, Astilben, Strauchbeonien, Chinaschilf, Sedum, Katzenminze oder Clematis – die Vielfalt an Stauden und Sträuchern sorgt in diesem Gartenreich an Grüntönen im Laufe des Jahreszeiten immer wieder für dezente Farbakzente.

Üppiger Gemüsegarten

Hinter dem alten Apfelbaum, an dem sich eine Kletterrose in schwindelerregende Höhe rankt, versteckt sich ein besonderer Schatz. Mit Herzblut bewirtschaftet die Hausherrin hier ihren Gemüsegarten mit einer üppigen Sortenvielfalt, die durch spiegelgleiche Beete ihre Ordnung erfährt. Neben traditionellem Gemüse wie Rhabarber, Möhren, Zwiebeln, Rote Beete, Erbsen, verschiedenen Bohnen-, Kohl- und Tomatensorten, finden sich mit Meerkohl oder Rosenkohl Flower Sprout, einer Kreuzung aus Rosen- und Grünkohl auch seltene und neue Pflanzen. Das Selbstversorger-Reich, in dem auch verschiedene Beeren nicht fehlen, wird umrahmt von rankender Kapuzinerkresse, Clematis und Bergenien.

Idyllischer Waldgarten

„Früher gab es noch einen großen Kartoffelacker im Garten sowie mehrere Reihen Johannisbeersträucher, die den Garten zum Stichgraben abgrenzten“, erzählt Cramer. Heute geht der Traumgarten, der auch im deutsch-niederländischen Verbund „Het Tuinpad Op/In Nachbars Garten“ geführt wird, noch weiter: Über zwei Brücken erreicht man den Waldgarten, in dem sich Schmetterlinge, Bienen & Co. im Staudenbeet nahe des Ufers nur so tummeln, munter aus den Lüften begleitet von Finken, Meisen, Schwalben, Spatzen und Rotkelchen. Der Pavillon vor dem Wald, in dem auch der Kuckuck zu Hause ist, wird eingerahmt von Cornus- und Hortensienarten.

Lieselotte Cramer ist es gelungen, auf dem schweren Marschboden ein wahrhaft berauschendes grünes Paradies zu schaffen. Die 71-Jährige hat es als junge Frau der Liebe wegen aus Franken in die Wesermarsch verschlagen; die Diplom-Ökonomin, die sich nebenbei auch in der Bewertungskommission „In Nachbars Garten“ verdient macht, hat sich viel Wissen angelesen und auf Gartenreisen (u.a. der Gesellschaft der Staudenfreunde) in Europa Ideen gesammelt. Mittlerweile ist der Kulturschatzhof in 17. Generation und mit den beiden Töchtern steht die nächste bereits in den Startlöchern. Agraringenieurin Gesine bewirtschaftet bereits gemeinsam mit ihrem Vater Hajo den Hof.

„Ich bin hier heimisch geworden“, freut sich Lieselotte Cramer – und mit ihr eine grüne Perle zwischen Moor und Meer, die ihresgleichen sucht.

Landschaftsgarten
Wesermarsch (Kulturschatzhof)

Lieselotte Cramer

Bollenhagener Straße 51 – 26349 Jade

Tel. 04454 – 384

cramer-h@ewetel.net

Besichtigung nur auf Anmeldung

www.offene-gaerten-weser-ems.de

Swantje Sagcob
Redakteurin
Sonderthemen Redaktion
Tel:
0441 9988 4661

Weitere Nachrichten:

Landkreis Ammerland | Landkreis Friesland

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.