Braucht man zum Gärtnern und Bloggen unbedingt einen Garten? Nach meinem Gespräch mit Mel stelle ich fest: ganz und gar nicht. Rund 50 verschiedene Pflanzenarten wachsen auf ihrem Stadtbalkon im ersten Stock – von Gemüse und Kräutern bis hin zu Obst und blühenden Wildpflanzen.
„Mel“ erzählt
Was wäre, wenn mir morgen jemand einen Schrebergarten direkt vor der Haustür anbieten würde? Ich sag mal so: Ich würde ihn nehmen. Aber in erster Linie, um dort einen tier- und insektenfreundlichen Garten zu schaffen – mit Igelhäusern, Obstbäumen, Blühwiesen und Totholzhecken und anderen Projekten, die sich auf meinem sechs Quadratmeter großen Balkon nicht umsetzen lassen. Für Gemüse bräuchte ich nicht unbedingt einen Garten, auch weil ich weiß, dass ein Gemüsegarten mit viel Aufwand verbunden ist.
Ich bin ein Landkind. Meine Eltern hatten zwei Gemüsegärten und jede Menge Streuobstwiesen. Damit waren sie überwiegend Selbstversorger. Mehr als die Hälfte meines Lebens aber habe ich in Städten verbracht. Wie viel Grün in meinem Daumen steckt, musste ich erst ausprobieren. Und das habe ich lieber im Kleinen gewagt.
Heute schreibe ich als freiberufliche Journalistin und Buchautorin nicht nur übers Gärtnern. Ich weiß auch: Gemüse und Kräuter anbauen, das klappt ebenso wunderbar in Kisten und Kübeln. In meinem Balkongarten finde ich alles, was ich für einen leckeren Salat brauche: ein paar Blättchen grünen Schnittsalat, sonnengereifte Tomaten und aromatische Kräuter wie Schnittknoblauch, Kapuzinerkresse und Sauerampfer. Frischer geht es gar nicht, zumal der Weg nicht kürzer sein kann. Mit einem Schritt bin ich aus dem Wohnzimmer – und mitten in meinem grünen Paradies.
Das hält vor allem Außergewöhnliches bereit. Die Tomatensorten zum Beispiel, die ich auf meinem Balkon ziehe, gibt es im Laden nicht zu kaufen. Da reifen Cocktailtomaten wie die violette, fast schon schwarz wirkende ‘Black Cherry’ oder das ‘Sibirische Birnchen’, das tatsächlich wie eine kleine rote Birne aussieht. Oder die gelb-grün gestreifte Salattomate ‘Green Zebra’. Oder ‘Fuzzy Wuzzy’, eine niedrig bleibende Buschtomate mit rot-orange gestreiften Früchten. Platz ist natürlich immer ein Thema, das sich zum Beispiel mit der Hängetomate ‘Tumbling Tom’ prima lösen lässt. Deren Früchte wachsen an langen Trieben, die über den Rand des aufgehängten Kübels ragen. Neben Tomaten dürfen aber auch Salat, Spinat, Radieschen, Möhren und viele Kräuter wie Schnittknoblauch, Petersilie, Oregano, Thymian und Minze nicht in meinem Balkongarten fehlen. Ebenso wenig wie Lavendel, Ringelblumen, Lein und jede Menge Korn- und Studentenblumen – nicht nur für mich, sondern auch für die Insekten, die meinen Balkon besuchen.
Jedes Jahr probiere ich aber auch etwas Neues aus: Sedanina und Neuseeländer Spinat, zum Beispiel. Selbst Kürbis und Zucchini habe ich schon im Kübel angebaut. In manchen Jahren wird es also ganz schön eng!
Auf meinem Balkon will ich aber nicht nur eine möglichst große Sortenvielfalt unterbringen. Es gibt auch ein weiteres Thema, das ich hier umzusetzen versuche: nachhaltig gärtnern. Ausschlaggebend dafür war der Wunsch, auf Plastik im Alltag möglichst zu verzichten. Gerade auf dem Balkon ist das gar nicht so einfach: Die meisten Balkonkästen und Kübel sind aus Kunststoff. Und auch die Jungpflanzen kommen meist in schwarzen Pflanztöpfen daher. Selbst bei einem Balkon hatte sich mit den Jahren so einiges im Keller angesammelt – mehr als ich je wiederverwenden könnte. Daher ziehe ich inzwischen viele Pflanzen selbst vor, tausche sie mit anderen und säe direkt im Balkonkasten aus.
Oft lasse ich auch aussäen. Kornblume, Ringelblume, Luzerne, Lein, Studentenblume und Hornveilchen, aber auch Dill, Minze, Oregano, Möhre, Kohlrabi, Salate, Winterpostelein und Radieschen vermehren sich von selbst, wenn man sie nur lässt. Sicherlich: Auf den ersten Blick wirkt das etwas chaotisch. Aber es ist eine ungemein bequeme und entspannte Art zu gärtnern. Im Frühjahr muss ich nur wenige Lücken schließen und bin immer wieder überrascht, wie manche Pflanzen oftmals meterweit wandern auf der Suche nach einem passenden Plätzchen. Natürlich hat auch (m)ein Balkon seine Grenzen. Wenn ich sehe, wie der Liebstöckel bei Freundinnen im Garten gen Himmel wächst, bin ich schon ein bisschen neidisch. Denn so groß werden Pflanzen im Kübel oft nicht. Gerade tiefwurzelnde Gewächse haben es schwer, weil sie an Grenzen stoßen. Aber es geht oftmals mehr, als ich anfangs dachte – solange der Standort passt.
Dass beispielsweise Andenbeere, Himbeere, Blaubeere und rote Stachelbeere sogar im Kübel gedeihen, hätte ich nie zu träumen gewagt. Die reifen, süßen Früchte direkt vom Strauch zu naschen gehört zu den Highlights der Saison. Und auch im Winter lässt sich noch allerhand aus Kübeln ernten. Neben Klassikern wie Feldsalat, Grünkohl und Winterpostelein ziehe ich noch spät im Jahr knackige Radieschen und Möhren aus der Erde und freue mich über frischen Spinat, Kresse und würzigen Hirschhornwegerich. Es lohnt sich also, einfach mal etwas auszuprobieren!
