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weinanbau: Niedersachsen ist seit 2016 Weinland

23.04.2021

Oldenburger Land Seit fünf Jahren ist der Weinanbau in Niedersachsen offiziell erlaubt – der Klimawandel spielt ihnen in die Karten. Die Fläche, auf der in Niedersachsen Wein angebaut wird, wuchs 2020 auf 24,5 Hektar. Wie exotisch das Geschäft noch immer ist, macht allerdings ein Blick auf die bundesweite Statistik klar: In den 13 offiziellen Weinanbaugebieten werden auf 102.900 Hektar Trauben angebaut. Kein Wunder, dass Niedersachses Winzer oft belächelt werden.

Knapp 25 Hektar Weinanbaufläche bei rund 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in Niedersachsen – also doch alles nur eine verrückte Idee? Fünf Jahre nach den ersten Anbaugenehmigungen traut sich niemand ein offizielles Fazit zu. Zu groß sind die Unwägbarkeiten. Denn allein die klimatischen und geografischen Verhältnisse in Niedersachsen sind nicht mit denen in den traditionellen deutschen Weinbauregionen vergleichbar. Und doch befeuert der Klimawandel das langsame Verschieben der Anbaugrenzen. Geschichte wiederholt sich: Die größte Ausdehnung in den Norden Europas besaß der Weinanbau zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert, als es deutlich wärmer als heute war. Zu dieser Zeit reichte die Weinbaugrenze bis nach Dänemark, Schlesien, Pommern und ins Baltikum.

Niedersächsischer Weinbauverband in Verden

Einer der neuen Pioniere in Niedersachsen ist Jungwinzer Jan Brinkmann (24) aus Bad Iburg im Landkreis Osnabrück. Er ist der erste Vorsitzende des 2019 gegründeten Niedersächsischen Weinbauverbandes mit Sitz in Verden. 2018 griff er die von seinem Vater Gerd aufgebrachte Idee auf, ein neues wirtschaftliches Standbein zu entwickeln. Bis dato waren die Brinkmanns als Sauenhalter eher traditionell unterwegs. Nach eigenen Aussagen sei der familieneigene Weinberg der einzige genehmigte niedersächsische Weinberg in Hanglage. Die gut 5000 Weinstöcke auf dem 1,5 Hektar großen Weinberg im Iburger Nordwesten haben sich seit Mai 2018 gut entwickelt. Die ehemalige landwirtschaftliche Problemlage „Am Urberg“ mutierte zum Glücksfall. Drei Jahre, so eine Faustregel, dauert es vom Pflanzen der Rebstöcke bis zur ersten Lese. Brinkmann konnte schon nach zwei Jahren erstmals ernten. Insgesamt 1,5 Tonnen, davon etwa 400 Kilogramm Solaris. Im letzten Jahr war es allein bei dieser Weißweinsorte schon die zehnfache Menge.

Der Sander Landwirt Folkert Stöhr gehört zu den ersten Winzern, der vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium die Genehmigung zum Anbau erhielt. Auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern setzte Stöhr 2019 am Huntsteertgelände Schortens 600 Solaris Weiß- und 800 Regent Rotweinstöcke. Auf der Richtung Süden ausgerichteten, leicht terrassenförmig ansteigenden Fläche erwartet er in drei bis vier Jahren die erste Lese. Die Stöcke haben sich kräftig entwickelt und bilden bis zu sieben Meter lange Wurzeln aus, so dass sie ausreichend Wasser haben.

„Terrassenwinzer“

Der Weinanbau im Jeverland geschieht überwiegend auf der Terrasse. Die Hobbywinzer setzen ihre Reben auf kleinste Flächen, ernten und vinifizieren mit Akribie mit jedes Jahr besserem Geschmack. Entsprechend nennen sie sich Terrassenwinzer – und sind eine anerkannte Winzergemeinschaft aus 100 Köpfen. Elena und Holger Hildebrand aus Jever haben im August 2010 die „Terrassenwinzer“ gegründet, die seitdem Jahr für Jahr gemeinsam keltern und Wein ansetzen. „Unsere Terrassenweine sind ein bisschen Kult“, weiß Holger Hildebrand, der schon 2007 in seiner Garage Weine kelterte. Hildebrand zieht seine Reben wie in Südtirol an laubenartigen Holzgestellen. Auf zehn Meter Länge wachsen dort beidseitig 20 Reben der Sorten Regent und Solaris. Das sind pilzresistente Sorten, die geeignet sind fürs feuchte und zuweilen raue norddeutsche Klima.

Auch mitten in der Stadt lässt sich Wein anbauen, wie der Oldenburger Hobbywinzer und Weinliebhaber Rolf Peter Oetter mit seinem „Weinberg“ am Marschweg seit langem unter Beweis stellt. Sein „Chateau de Garage“ wurde bereits mehrfach prämiert. Er betreibt den Weinanbau ausschließlich privat in einer Winzergemeinschaft.

Auch im Oldenburger Schlossgarten wird Weinanbau betrieben. Die Tradition reicht zurück bis ins Jahr 1814, als im königlichen Küchengarten Weinstöcke gesetzt wurden.

Als das Land Niedersachsen im Jahr 2016 zum ersten Mal Weinbaurechte vergab, ist der Zwischenahner Gastronom Gerd zur Brügge am Pastoors Kamp in den Weinanbau eingestiegen und konnte bereits 2018 den ersten Wein lesen. „Die Rebsorten Solaris und Muscaris gedeihen besonders gut in unseren Breiten. Unser Wein ist einer der ersten niedersächsischen Weine“, so zur Brügge.

Weinanbau erlaubt?

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Wer nur zum privaten Konsum Wein anbaut, darf das in kleinem Umfang machen. Wer aber den Wein in Verkehr bringt, muss eine offizielle Genehmigung haben. Seit dem 1. Januar 2016 gilt in der EU ein neues Genehmigungsverfahren für Rebanpflanzungen, wonach diese im Vorfeld genehmigt und von den Winzern angemeldet werden müssen.


Mehr Infos über weitere Weinbauprojekte in Niedersachsen unter   www.weinland-niedersachsen.de 
Swantje Sagcob Redakteurin / Sonderthemen Redaktion
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