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NWZonline.de Gartenzeit

Hier wird historisches Saatgut erhalten

13.04.2018

Saatgut bildet die Basis für unsere Nahrung und ist somit Grundlage unserer Existenz. Selbstversorger profitierten früher von einer Sortenvielfalt an Getreide, Gemüse und Obst, die optimal an die regionalen Boden- und Klimaverhältnisse sowie Ernährungsgewohnheiten angepasst waren. Gibt es sie heute noch? Wie haben „Sortenretterin“ Tomma Willms gefragt; sie leitet das Projekt „Lebendige Erhaltung ostfriesischer Kulturpflanzen“ von Dreschflegel e.V.. Ziel ist es, die Erhaltung der umfangreichen Sammlung alter Gemüsesorten durch Abgabe von Saatgut an ErhalterInnen, die dieses anbauen, nutzen und vermehren.

Viele alte Sorten sind in Vergessenheit geraten. Warum sterben alte Kulturpflanzen sogar aus?

TOMMA WILLMS: Die Generation, die diese „Gartenkultur“ gelebt hat, ist heute alt. Es gibt meistens niemanden in der Familie, der diese Arbeit übernehmen möchte. Irgendwann verliert das Saatgut die Keimfähigkeit und dann ist eine Sorte ausgestorben, sofern sie kein anderer mehr anbaut. Damit geht genetisches Potential verloren, das vielleicht einmal für neue Züchtungen wichtig sein könnte.

Wer sorgt überhaupt dafür, dass historisches Saatgut noch existiert?

TOMMA WILLMS: Das sind Menschen, denen bewusst ist, welcher Kulturschatz verloren gehen würde.
Sie sammeln und archivieren alte Sorten, bauen sie an und ernten auch immer wieder Saatgut davon.

Die Vielfalt alter Kulturpflanzen ist nicht nur wichtig für weitere Züchtungen, sondern auch eine Bereicherung der heimischen Küche.

Was macht das Saatgut so besonders?

TOMMA WILLMS: Das Saatgut ist samenfest, d. h. es ist den GärtnerInnen möglich, selbst Saatgut zu erzeugen, woraus Pflanzen erwachsen, die wie die Elternpflanzen aussehen. Außerdem ist dieses Saatgut in der Region gewachsen, also an diese klimatischen Gegebenheiten angepasst. Weil die Pflanzenbestände nicht so homogen wie bei Hybriden sind, ist oft eine längere Ernteperiode gegeben – auch sehr vorteilhaft in Privatgärten. Die Geschmacksvielfalt ist oftmals größer.

Kann auch der private Hobbygärtner in den Genuss alten Saatgutes kommen?

TOMMA WILLMS: 2016/2017 gab es das Projekt „Lebendige Erhaltung ostfriesischer Kulturpflanzen“, getragen vom Dreschflegel e.V. und unterstützt von der der Irma-Waalkes-Stiftung Ostfriesland und der Software AG Stiftung Darmstadt. Durch Öffentlichkeitsarbeit wurden in diesem Rahmen ErhalterInnen für ostfriesische Kulturpfllanzen gesucht. Geplant ist ein Folgeprojekt für 2018/2019, allerdings steht die Finanzierung noch nicht. Mit unserem ehrenamtlichen Engagement stoßen wir an unsere Grenzen. Das Projekt ist auf Fördergelder von Stiftungen und Firmen sowie private Spenden angewiesen.

Wie unterscheidet sich das historische Saatgut vom Saatgut, was im Handel erhältlich ist?

TOMMA WILLMS: Saatgut aus dem konventionellen Handel ist oftmals nicht in Deutschland vermehrt worden, sondern in anderen klimatischen Regionen. Vielfach kommt Hybridsaatgut in den Handel, davon können die GärtnerInnen kein Saatgut für die nächste Aussaat ernten. Großen Wert legt die moderne Züchtung oft auf einheitliches Aussehen, einheitliche Erntetermine und einfache Kulturführung - der Geschmack bleibt dabei vielfach auf der Strecke.

Wer kann sich an der Erhaltung historischer Kulturpflanzen beteiligen?

TOMMA WILLMS: Jeder! Entweder selbst im Garten anbauen und nutzen.

Oder indem man HändlerInnen auf dem Wochenmarkt, im Bioladen oder der Gärtnerei auf alte Sorten anspricht – auch um den Anstoß zu geben, dass wieder mehr alte Kulturpflanzen angebaut und angeboten werden.

Saatgut verbreiten

Die Erhaltung der ostfriesischen Kulturpflanzen oder der alten Sorten funktioniert nur, wenn diese Sorten auch genutzt und immer wieder angebaut werden. Ein Einlagern in Genbanken und ein sporadisches Anbauen verhindert die Anpassung an die Veränderung der klimatischen Bedingungen- den Klimawandel. Saatgut der alten Sorten muss in der Bevölkerung Verbreitung finden. Da es aufgrund des Saatgutverkehrsgesetzes nicht verkauft werden darf, muss es getauscht oder verschenkt werden.

www.dreschflegel-saatgut.de

www.nutzpflanzenvielfalt.de


Swantje Sagcob
Redakteurin
Sonderthemen Redaktion
Tel:
0441 9988 4661

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