Der karge Winter ist vorbei, nun muss etwas Kräftiges her – das wussten schon die Kelten mit ihren ganz unterschiedlichen Stämmen, die erstmals in der Eisenzeit Erwähnung fanden. „Man machte sich nach der entbehrungsreichen kalten Jahreszeit auf, um frische Kräuter für eine stärkende Suppe zu sammeln, woraufhin die Neun-Kräuter-Suppe entstanden sein soll“, sagt Kräuterexpertin Andrea Steffens aus Sandhatten (www.groentuech.de). Diese sei später vom Christentum übernommen worden – allerdings unter dem Namen Gründonnerstagssuppe.
Magische Zahlen
Doch warum ausgerechnet neun Kräuter? „Das soll in der Magie der Zahlen begründet sein“, erklärt Andrea Steffens den Namen. „Drei mal drei steht zum einen für Geburt, Leben und Tod, zum anderen für Körper, Geist und Seele und auch für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Heute wird die Gemüsesuppe in der Karwoche gegessen und bedeutet damit auch das Ende der Fastenzeit. „Sie wirkt vitalisierend und entschlackt den Körper. Gerade die ersten frischen Kräuter haben sehr viele wertvolle Inhaltsstoffe.“
Meditativer Charakter
Das Essen eines mit viel Liebe selbst zubereiteten Süppchens ist an sich schon etwas sehr Genussvolles. Doch es geht noch achtsamer: „Die Wildkräuter sollten schweigend gesammelt und die Suppe auch schweigend zubereitet werden. Das hat einen meditativen Charakter, man ist ganz bei sich“, empfiehlt Andrea Steffens. „Man kann entweder in der Natur nach geeigneten Kräutern Ausschau halten, vielleicht hat man aber ja auch etwas im Garten.“ Besonders gut geeignet: Giersch, Bärlauch, Scharbockskraut, Vogelmiere, Brennnessel, Spitzwegerich, Gundermann und Löwenzahn, die man Ende März schon an vielen Ecken finden kann und die mit ihrem zarten Grün jetzt besonders nährstoffreich sind. „Als Dekoration eignen sich Gänseblümchen, von denen man am besten einige auf die heiße Suppe gibt.“
9-Kräuter-Suppe
3 EL Butter in einem Topf zerlassen
1 Zwiebel würfeln, glasig dünsten, mit
3 TL feinem Mehl bestreuen
1 ¼ l Gemüsebrühe langsam einrühren
3 Kartoffeln würfeln, zugeben, mit
Kräutersalz bestreuen, aufkochen, circa 10 min köcheln lassen, bis die Kartoffeln weich sind
2 Handvoll frische Kräuter grob gehackt zugeben, 5 Minuten ziehen lassen, pürieren
1 Becher Sahne mit
1 Eigelb verrühren, in der Suppe erhitzen – nicht kochen
Salz, Pfeffer, Muskat zum Abschmecken
Gemüsekräuter: Brennnessel, Giersch, Spitzwegerich, Löwenzahn, Vogelmiere
Würzkräuter: Scharbockskraut, Gundermann, Schafgarbe
Blüten zur Dekoration: Gänseblümchen
