Kinder wissen immer weniger über den Anbau von Nahrungsmitteln und über heimische Pflanzen – die Tetta von Oldersum Schule im Wangerland tut etwas dagegen. Nicht umsonst ist sie im vergangenen Jahr zur grünsten Grundschule Deutschlands von dem Bildungsprojekt „Ackerhelden machen Schule“ sowie dem Schulranzenhersteller Ergobag ernannt worden. „Eine sehr engagierte Mutter hatte uns auf den Wettbewerb um diesen Titel aufmerksam gemacht“, erinnert sich die mitverantwortliche Lehrerin Martina Schilling-Raatz. „Wir waren schon immer sehr stolz auf unseren Schulgarten und wussten, dass wir mit unserer Vielfalt überzeugen konnten.“
Deutschlands grünste Grundschule
Die Teilnahme war mit einer großen Kraftanstrengung verbunden. „Ohne die engagierte Hilfe aller Mitarbeitenden und der Unterstützung durch die Elternschaft wäre eine Teilnahme nicht möglich gewesen“, betont die Pädagogin. „Einen besonders wichtigen Beitrag leistete unsere Schulsekretärin Julia Cornelius, die über ihre eigentlichen vielfältigen Tätigkeiten im Büro hinaus alle Aufgaben koordinierte.“ Trotz des Kraftakts waren alle Erfahrungen durchweg positiv – und überzeugen konnte die Grundschule auch.
Unterricht zum Anfassen
Gemeinsam Kräuter und Salat säen, Radieschen ausgraben und Erdbeeren pflücken: In der Tetta von Oldersum Schule steht genau das auf dem Unterrichtsplan. Die Kinder verbringen den Sommer im Schulgarten – die Arbeit im Beet ist Teil des Unterrichts. „Wir haben unter anderem große Kräuterbeete, eine Wildblumenwiese, einen Naschgarten, Obstbäume, Hochbeete mit Erdbeeren, Pflücksalaten, Kürbissen und allerlei weiteren Pflanzen“, erzählt Martina Schilling-Raatz. „Zudem sind die Kinder in unserem Gewächshaus aktiv, können Insekten im Insektenhotel beobachten und im Steinbeet klettern.“ Denn die Natur zu erleben und sie zu schützen, ist fest im Lehrplan verankert – und damit auch der Grundgedanke, dass jeder von uns eine Verantwortung für die Umwelt trägt.
„Vielen Kindern ist das bereits bewusst, und sie haben auch mit Sicherheit Freude am Pflanzen – und am Ernten noch viel mehr“, sagt die Lehrerin schmunzelnd. Deswegen nehmen auch viele an der Garten-AG teil. Die dortigen Aktivitäten sind vielfältig: „Die Kinder räumen zum Beispiel das Gewächshaus auf, jäten Unkraut, kümmern sich um Futterstationen für die Vögel, säen Kresse, bereiten Picknicks für alle vor und bepflanzen die auf unserem Schulgelände überall verteilten Pflanztöpfe mit Narzissen und Hornveilchen.“ Zudem ziehen sie Gurken-, Tomaten- und Salatpflanzen vor und ernten Wintergemüse wie Rauke, Kohl und Grünkohl aus den Hochbeeten. In den Theoriestunden lernen die Kids dann Wissenswertes über Gartenbewohner wie Igel, Fledermäuse und Bienen.
Gesunde Ernährung ist wichtig
Wer Obst und Gemüse anbaut, setzt sich auch zwangsläufig mit einer gesunden Ernährung auseinander. „Neben Bewegung ist das sowieso ein wichtiger Aspekt für unsere Schule“, erläutert Martina Schilling-Raatz. Neben dem Titel hat die Schule im Wettbewerb auch Ackerhelden-Hochbeete gewonnen. „Alle mitgebrachten Samen und Pflanzen waren von einer hohen Bioqualität“, sagt die Lehrerin. „Und das spielt auch weiterhin eine große Rolle. Denn wir säen unser Gemüse nun selbst aus und achten dabei auf Biogütesiegel.“ Und dieses Gemüse wird dann unter anderem in der Koch-AG weiterverarbeitet. „Wir nutzen unsere eigene Kinderküche täglich“, sagt die Pädagogin. Auf diese Weise lernen die Kinder den richtigen Umgang mit verschiedenen Lebensmitteln, aber auch mit Küchengeräten – und natürlich eine Vielfalt an leckeren und gesunden Rezepten.
Eine grüne Zukunft
Die Tetta von Oldersum Schule ist stolz auf die Auszeichnung vom vergangenen Jahr, ruht sich auf diesen Lorbeeren aber nicht aus. „Zurzeit bewerben wir uns wieder um die Auszeichnung ‚Umweltschule in Europa‘ – das ist das älteste und größte niedersächsische Projekt im Bereich der Nachhaltigkeitsarbeit“, erzählt die engagierte Grundschullehrerin. „Im Sommer bewerben wir uns ebenfalls um die Auszeichnung ‚Fairtrade-School‘, arbeiten aber auch an eigenen Projekten fleißig weiter.“
Das Steinbeet im Schulgarten soll zu einer Trockenmauer für Frösche und Kröten umgestaltet werden. „Zudem wünscht sich der Schülerrat seit vielen Jahren neue nachhaltige Spielgeräte. Diese haben sie sich selbst in einer Collage zusammengestellt und über einen längeren Zeitraum Spendengelder gesammelt“, sagt Martina Schilling-Raatz. „Unsere Bienen werden außerdem ab Sommer von einem erfahrenen Imker aus der Nachbarschaft mitbetreut, sodass die Pflege auch während der Ferienzeiten gewährleistet ist.“
