Wer keinen Wert auf die Ernte ausgereifter und gut entwickelter Früchte legt, kann auf diesen Schnitt verzichten. Oft ist ein alter Obstbaum im Garten eher ein Gestaltungselement, das zu Recht höher bewertet wird als der Nutzen an Obst.

Entscheidet man sich aber für ein Auslichten der Obstbäume, so ist es wichtig zu wissen, dass es keinen Einheitsschnitt für alle Obstgehölze gibt. Ziel des Obstbaumschnittes ist es, das Fruchtholz ständig zu verjüngen. Dieses wächst zuerst nach oben und wird später als Folge des Fruchtansatzes durch das Gewicht nach unten gezogen. In den nächsten Jahren wächst neues Fruchtholz darüber, und es bildet sich ein Schattendach; viele kleine, meist saure Früchte sind das Ergebnis. Durch jährliches Ableiten (Wegschneiden des alten) auf junges Holz verjüngt man das Fruchtholz kontinuierlich.

Kernobst (Apfel, Birne, Quitte) benötigt einen anderen Schnitt als Steinobst. Da Apfelbäume nur an dreijährigem Holz fruchten, wird beim Schnitt zu altes Fruchtholz und alles nach innen stehende oder störende Holz entfernt. Birnbäume entwickeln eine Längskrone; durch eine kräftige Einkürzung der Stammverlängerung und ein Abspreizen der Leitäste wird diese Entwicklung gemildert. Beim Steinobst belässt man, anders als beim Kernobst, mehrere Leitäste, bei Kirsche, Pflaume und Pfirsich mindestens vier, bei Aprikose und Mirabelle sogar fünf. Die Süßkirsche bedarf von allen Obstbäumen des geringsten Schnittes. Die Leitäste werden in den ersten Jahren leicht eingekürzt. Ansonsten lichtet man alles zu eng stehende Holz aus. Sauerkirschen tragen vorwiegend am einjährigen Holz Früchte. Ein starker Rückschnitt und ein kräftiges Auslichten sind die Grundlage für gutes Gedeihen. Mirabellen, Pflaumen und Zwetschgen sind ähnlich arbeitsextensiv wie die Süßkirsche.