Oldenburg - Noch ein bisschen mehr mit der Natur arbeiten, das möchten Ursula Berndt und Sabine Doucha, die gemeinsam in Oldenburg ein etwa 500 Quadratmeter großes Beet bewirtschaften. Für die ehemaligen Nachbarinnen geht es hier neben der Förderung von Artenvielfalt und dem Spaß an der Gartenarbeit auch um die Selbstversorgung: Gleich drei Familien dürfen sich auf die Ernte freuen. Dass das gut funktioniert, hat sich in den letzten Jahren bereits gezeigt. „Und wir haben auch noch jede Menge einkochen können, so dass wir das ganze Jahr über etwas davon hatten“, sagt Sabine Doucha.
Sabine Doucha (links) und Ursula Berndt. Bild: Melanie Jülisch
Für mehrere Generationen
Ja, eigentlich ist es auch ein Mehrgenerationenprojekt. Während Sabine Doucha und Ursula Berndt, der das weitläufige Grundstück mit seinen hohen Kirschbäumen, den Apfelbäumen und dem riesigen, mehr als 50 Jahre alten Walnussbaum gehört, „nur“ einen Altersunterschied von 20 Jahren verzeichnen können, ist auch der zweijährige Bruno schon gerne mit von der Partie. „Mein Enkel ist hier auf dem Acker am liebsten mit der Gießkanne unterwegs. Oder er schaut im Gewächshaus nach, was es da so alles gibt“, erzählt die 75-jährige Ursula Berndt schmunzelnd. Früh übt sich, das wissen auch die beiden Frauen, die schon in ihrer Kindheit durch die Eltern oder Großeltern ans Gärtnern herangeführt wurden. „Ich war immer mit meiner Oma auf dem Acker und hab dort die Kartoffeln gelegt“, erinnert sich die 54-jährige Sabine Doucha, die aus der Wesermarsch stammt. Und auch jetzt genießt sie nicht nur das Gärtnern, sondern auch den gemütlichen Plausch beim Tee unter Bäumen – alles zusammen also ein hervorragender Ausgleich.
Gundermann, Vergissmeinnicht und andere Pflanzen sorgen für Vielfalt. Bild: Melanie Jülisch
Harmonisches Nebeneinander
Gundermann, Giersch, Löwenzahn – all dies ist derzeit auch auf dem Acker zu finden, teilweise unter den Sträuchern. Denn auch Johannisbeeren, Stachelbeeren oder Himbeeren dürfen hier nicht fehlen. „Das mit dem Giersch hat etwas überhandgenommen, der muss eingedämmt werden. Die Erdbeeren habe ich schon an eine andere Stelle ,gerettet‘. Ansonsten ist es uns sehr wichtig, dass auch Wildkräuter ihre Daseinsberechtigung haben und daher hier wachsen dürfen“, so Sabine Doucha. Dennoch: „Das überwachsene Stück Land wieder fit zu machen, gelingt am besten, wenn Wurzelunkräuter gründlich entfernt werden und durch Mulchen neu aufkeimende Wildkräuter unterdrückt werden“, so Gärtnerin Charlotte Brunkhorst von der Kräuterei in Oldenburg, die gemeinsam mit ihrer Schwester Annika Brunkhorst und Staudengärtnerin Julia Freitag beratend zur Seite steht. Fürs Mulchen sorgen Sabine Doucha, die am allerliebsten am frühen Morgen im Garten zugange ist und es als hervorragenden Start in den Tag betrachtet, und Ursula Berndt bereits mit Hilfe von etwas Rasenschnitt, der auf den Wegen zwischen den Reihen ausgebracht wird.
Das Experte3nteam der Oldenburger „Kräuterei“ (von links): Julia Freitag, Charlotte uind Annika Brunkhorst. Bild: Melanie Jülisch
Vielfalt im Beet
Der Angeliter Tannenzapfen, Violetta, die rotfleischige Heiderot oder die kleinen Bamberger Hörnchen fallen nicht nur durch ihr ungewöhnliches Äußere ins Auge. Auch die Herkunft kann sich sehen lassen, denn bei den Kartoffeln handelt es sich um sehr alte Sorten. „Deren Erhalt ist uns sehr wichtig und wir möchten diese auch gerne weitertragen“, sagt Sabine Doucha, die allen Pflanzen eine Chance geben und für ihren Erhalt sorgen möchte – inklusive der Freude am Experimentieren. „Auch historische Grünkohlsorten würden wir gerne ausprobieren“, sagt Sabine Doucha. „Alte, samenfeste Sorten sind zwar zumeist nicht so ertragreich, aber sie fördern die Vielfalt.“ Und Charlotte Brunkhorst fügt hinzu: „Die Erweiterung des Sortiments um seltene und alte Gemüsesorten, die aufgrund von besonderem Geschmack, Form, Erntezeitpunkt und Variation erhaltenswert sind, ist ein sehr schöner Ansatz. Das können historische Erbsen sein oder auch robuste Paprika, die auch im kühlen Norden gedeihen. Aber auch klassisches Gemüse wie Spargel oder Gurken sollen hier nicht fehlen.“ Und die zahlreichen Tomaten fürs Gewächshaus wurden auf der warmen Fensterbank von Sabine Doucha vorgezogen.
Mehrere Gewächsbäuser bieten Tomate & Co. einen Platz. Bild: Melanie Jülisch
Ernten übers ganze Jahr
„Gerade erst habe ich den letzten Winterlauch geerntet“, freut sich Sabine Doucha. Und auch der Bärlauch wartet darauf, noch schnell verputzt zu werden. Ebenso der Rhabarber, der garantiert noch auf einem Kuchen Platz findet. Die große Fläche bietet die Möglichkeit, allerlei Unterschiedliches zeitlich versetzt anzubauen – für eine reiche Ernte das ganze Jahr über. „So kann man beispielsweise Möhren für Sommer-, Herbst- und Winterernte einsäen“, weiß das Team der Kräuterei. Ebenso bieten sich verschiedene Salate an, die ganzjährig auf den Speiseplan können. Zwiebeln, Sellerie oder Rote Bete können auch später gesetzt werden. „Da ein Teil der Gemüsebeete mittlerweile immer schattiger geworden ist, empfehlen wir dort eine Pflanzung von Rhabarber und Gutem Heinrich, die als Dauerkulturen verbleiben können. Ebenfalls können hier schattenverträgliche Kräuter, wie Barbarakraut oder Petersilie gepflanzt werden“, so Charlotte Brunkhorst. Übrigens lassen sich die Blätter vom Guten Heinrich in der Küche wie Spinat zubereiten.
Auch Hühner samt Hahn dürfen auf dem großzügigen Gelände nicht fehlen. Bild: Melanie Jülisch
Stauden und Blühpflanzen
„In einen lebendigen Gemüsegarten gehören auch Pflanzen, die bestäubende Insekten anlocken und versorgen. Hierfür raten wir zur Zwischenpflanzung von Ringelblume, Borretsch und Cosmea, deren Blüten auch alle essbar sind. Auch Blühstreifen mit winterharten Wildstauden wie Echinacea (roter Sonnenhut), Glockenblumen oder Wegwarte sind empfehlenswert“, so Charlotte Brunkhorst. Auch in der Kräuterecke könnte sich noch etwas tun. Zwar gibt es schon verschiedene Minzsorten und einen ziemlich großen Salbei, und auch die Kapuzinerkresse hat sich weiter selbst ausgesät. Dennoch bietet sich noch mehr Platz für duftende und aromatische Kräuter. „Man kann das Bisherige beispielsweise ergänzen durch Zitronenthymian und verschiedene Basilikumsorten wie heiliges Basilikum oder Strauchbasilikum.“
Blühwunder Cosmea: Sie würde sich ebenfalls hervorragend als Zwischenpflanzung im Gemüsebeet machen. Bild: Pixabay
Eine schöne Ergänzung, beispielsweise in Form eines Blühstreifens, wäre Sonnenhut. Bild: Pixabay
