• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Gartenzeit

Fleißig wie die Hummel!

12.04.2019

Eine Hummel im Garten freut viele Gartenbesitzer. Wenn die etwas pummeligen, pelzig behaarten Insekten brummelnd von Pflanze zu Pflanze fliegen, bestäuben sie schließlich die Blüten im Garten. Und das sogar recht zuverlässig: „Nach einer Bestäubung durch wild lebende Hummeln ist der Fruchtansatz bei Obstbäumen oft besser als nach einer Bestäubung durch Honigbienen“, sagt Rolf Witt, Diplom-Biologe und Wildbienen-Experte.

Doch es steht schlecht um die zuverlässigen Helfer und Sympathieträger. Von den in Deutschland bekannten 41 Hummelarten sind laut Witt die meisten selten geworden oder vom Aussterben bedroht. Gerade mal sieben Arten kommen noch häufig vor: Ackerhummel, Baumhummel, Dunkle und Helle Erdhummel, Gartenhummel, Steinhummel und Wiesenhummel. „Eine Erdhummel im Garten sagt nichts darüber aus, wie es um die Hummeln tatsächlich steht“, sagt Witt. „Sie sind recht anspruchslos und überall zu finden.“

Das sieht bei spezialisierten Arten anders aus. Sie brauchen bestimmte großflächige Lebensräume wie Moore, Grünland oder strukturreiche Brachen, inklusive den dazugehörigen Futterpflanzen. Doch auch diese sind rar geworden – und das nicht erst seit Kurzem. „Dass es den Hummeln nicht gut geht, ist nichts Neues“, sagt der Wildbienen-Experte. „Schon seit den 1950er- und 1960er-Jahren geht der Bestand zurück, ausgelöst durch die erste Agrarwende und die damit verbundenen Flurbereinigungen.“ So benötigen beispielsweise die gefährdete Sand- und Mooshummel eine verfilzte Krautschicht, um einen Staat zu gründen. „Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind solche Lebensräume zunehmend weggefallen, dazu kommt der vermehrte Einsatz von Pestiziden und die Überdüngung des Bodens“, so Will.

Um herauszufinden, wie es tatsächlich um die Hummeln in Niedersachsen steht, startete der NABU Niedersachsen im Jahr 2013 das Projekt „Hummelschutz in Niedersachsen“. Ziel des Projektes war es unter anderem, den Bestand zu erfassen, um einen Überblick zu erhalten. Dabei ging es um regional besonders selten vorkommende Hummelarten wie Deichhummel, Distelhummel, Feldhummel, Grashummel, Heidehummel, Mooshummel sowie die Veränderliche Hummel und Waldhummel. Wer aktuelle oder ehemalige Vorkommen dieser Hummelarten kennt, kann diese dem NABU Niedersachsen melden. Im Folgeprojekt „Bestandsschutz für seltene Hummelarten in Niedersachsen“ sollen nun auch gefährdete Arten auf geeigneten Flächen wieder angesiedelt werden (siehe Kasten).

Auch im Garten und auf dem eigenen Grundstück kann etwas für die sympathischen Brummer tun. „Lassen Sie ausgewählte Saumbereiche mal verfilzen und mähen Sie die Flächen abschnittsweise nur alle zwei bis drei Jahre“, empfiehlt Witt. Die häufigen Arten freuen sich über diverse Hohlräume oder Mäusebauten in unaufgeräumten Ecken.

Hummel-Pflanzen für Garten und Balkon

Zudem benötigen Hummeln bestimmte Futterpflanzen – und das idealerweise die ganze Saison über. Je nach Witterung kann man schon im März erste Hummeln entdecken; ab Oktober ziehen sie sich dann in der Regel zurück. Neben einjährigen Pflanzen, die von März bis Juni ausgesät werden, sind auch mehrjährige Stauden und Gehölze wichtige Pollen- und Nektarquellen.

Je nach Standort und Bodenverhältnisse empfiehlt der NABU Niedersachsen folgende heimische Pflanzen für Garten und Balkon: Borretsch, Echtes Johanniskraut, Taubnesseln, Großblütige Königskerze, Hauhechel, Herzgespann, Hornklee, Kleine Braunelle, Natternkopf, Rotklee, Schwarznessel, Skabiosen-Flockenblume, Thymian, Wicken, Wiesenplatterbse, Wiesensalbei und Wiesen-Witwenblume.

Auch viele Gehölze werden aufgrund ihrer Blüten von Hummeln besucht. Zu den hummelfreundlichen Bäumen und Sträuchern gehören laut dem NABU Niedersachsen unter anderem Ahorn, Kornelkirsche, Weiden, Weißdorn sowie Obstgehölze und alle Johannisbeer-Arten.

Da im späten Frühjahr und im Frühsommer viele Pflanzen blühen, fällt das Nahrungsangebot theoretisch üppiger aus als in den späteren Monaten. Insbesondere im Spät- und im Hochsommer fehlt nach Angaben der Hummel-Experten oft ein ausreichendes Blütenangebot. Ihre Empfehlung: möglichst spät im Jahr mähen – am besten zeitlich versetzt, damit immer noch Blüten erhalten bleiben.

Frühblüher für Königinnen

Aber auch zu Beginn des Jahres kann es für einige Hummelarten lebensbedrohlich werden: Im zeitigen Frühjahr erwachen die ersten Königinnen. Sie sind die einzigen, die aus dem Staat überlebt haben und in den kommenden Wochen jeweils einen neuen Hummelstaat begründen werden. Bereits im Herbst wurden die Jungköniginnen begattet, jetzt brauchen sie einen geeigneten Platz zum Nisten und vor allem eins: Energie. Doch das ist in den ersten Monaten des neuen Jahres gar nicht so einfach. Frühblüher wie Weiden, Krokusse und Blaustern oder unsere Beerensträucher und Obstgehölze können ihnen helfen.

Finden die Hummelköniginnen nicht genügend Nahrung, sind sie entkräftet und zu schwach, um weiter zu fliegen. Solchen Hummeln kann man erste Hilfe anbieten. Der NABU empfiehlt, einen halben Teelöffel Zucker in etwas lauwarmem Wasser aufzulösen und diese Lösung der Hummel mit dem Löffel zu reichen. Das Insekt nimmt die zuckrige Flüssigkeit über den langen Saugrüssel auf und hat nun wieder etwas neue Energie, um sich selbst auf Futtersuche zu begeben. Auf diese Weise rette man im zeitigen Frühjahr nicht nur eine einzige Hummel, sondern einen ganzen Hummelstaat, so der NABU.

Hummel-Retter gesucht

Der NABU Niedersachsen sucht für sein Projekt „Bestandsschutz für seltene Hummelarten in Niedersachsen“ ehrenamtliche Helfer*innen. Im Fokus steht die Wiederansiedlung seltener Hummelarten in Niedersachsen, beginnend mit der Mooshummel.

Dafür sucht der NABU Niedersachsen Flächen, die wieder zu einem Lebensraum für Hummeln werden können. Gesucht werden brachliegende oder extensiv bewirtschaftete Flächen, die langfristig zu Hummelschutzgebieten ausgewiesen werden sollen. Der Bestand an Hummeln wird von ehrenamtlichen Gebietsbetreuer*innen beobachtet und dokumentiert. Laien ohne Kenntnisse können dafür entsprechend weitergebildet werden.

Wer ehrenamtlich an dem Projekt mitarbeiten oder Hummelschutzflächen zur Verfügung stellen will, kann sich bei Projektleiterin Nicole Feige melden per E-Mail an


P  
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.