Wangerooge - „Ich möchte ein Eis!“ Bei diesem Wunsch der Sprösslinge zucken die meisten Eltern zusammen. Nicht so, wenn der auf Wangerooge geäußert wird. Da geben die Erwachsenen gern dem Wunsch der Kinder nach und genießen selbst mit. Der Eisbecher im Café Pudding gehört eben für viele zum Inselurlaub.
Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit konnte der Pudding in diesem Sommer seinen 70. Geburtstag feiern – und ist dabei noch so jung wie am ersten Tag.
Start mit Eismaschine
Das Café Pudding thront am Ende der Zedeliusstraße oben am Strand auf einer Düne und ist im wahrsten Sinne des Wortes das süßeste Wangerooger Wahrzeichen. Im Lauf der Jahrzehnte hat sich sein Aussehen zwar verändert, aber der Markenkern blieb unberührt.
Im Jahr 1855 wurde auf der hohen Düne eine Bake errichtet. Sie sollte das Licht des neu gebauten Leuchtturms auf der Position verdunkeln, wo die Schiffe von der Außenweser kommend in die Jade abzweigen mussten. Das jetzige Dorf war erst im Aufbau, denn das alte Westdorf war in der Silvesternacht 1854/55 durch die Sturmflut schwer beschädigt worden. Die „Chaussee“ führte schon im 19. Jahrhundert vom Bahnhof hinauf zum Strand. Und wenn Badegäste dort hinauf bummelten, gingen sie um die Dünenbake herum, „mal eben um den Pudding“.
Im Zweiten Weltkrieg nahm ein Funkmessgerät den Platz der Dünenbake ein. Dieses stand auf einem Bunker. Nach Kriegsende wurden alle militärischen Anlagen auf Wangerooge gesprengt oder zu zivilen Zwecken genutzt, zum Beispiel als Kartoffelkeller oder Weinlager. Den Bunker auf dem Pudding wollte kein Insulaner nutzen – außer Bäckermeister Rolf Folkerts.
Die Geschichte des Café Pudding begann nach Kriegsende, als alle militärischen Anlagen auf Wangerooge gesprengt oder zu zivilen Zwecken genutzt wurden, zum Beispiel als Kartoffelkeller oder Weinlager. Den Bunker auf dem Pudding wollte kein Insulaner nutzen – außer Bäckermeister Rolf Folkerts.
Der kaufte sich eine Eismaschine und bot aus dem Bunker heraus in der Saison 1948 erstmals Speiseeis an. Im folgenden Winter wurde dann der quadratische Bunker mit einem runden Umbau versehen, der Platz für Gäste bot. Von der Kaffeeterrasse auf dem Dach aus konnten die Besucher den unverbauten Blick auf Strand und Nordsee genießen.
Zweimal erweitert
Vor 70 Jahren, am 4. Juni 1949 war die Eröffnung. 1971/72 schließlich wurde der Rundbau im Umkreis von vier Metern erweitert, um mehr Platz und Gemütlichkeit zu gewinnen. Im Zuge des Umbaus bot das einstige Café mit Kuchen- und Eisköstlichkeiten nun auch warme Speisen an. Eine schöne Erweiterung um die Südterrasse schuf sonnige Außenplätze; das war im Jahr 1995.
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„Der Pudding ist unser Leben“, sagt der heutige Besitzer Thorn Folkerts. Er steht an sechster Stelle in der Tradition der Bäcker- und Konditorfamilie. Urahn Heinrich Folkerts, geboren 1836 in Berdum, Kreis Wittmund, war Bäcker in Carolinensiel. Dessen Sohn Johann Remmers Folkerts, geboren 1863, war Bäcker in Wilhelmshaven.
Bäcker aus Tradition
Heinrich Folkerts, geboren 1886, siedelte nach Wangerooge über; und dessen Sohn Rolf, geboren 1921, führte den Betrieb fort und baute den Pudding auf. 1967 wurde die Inselbäckerei verpachtet und die Familie Folkerts baute an der Peterstraße in Sichtweite des Puddings einen neuen Konditoreibetrieb, in dem die köstlichen Torten und Kuchen für das Café und den Kuchenladen davor hergestellt werden.
Den Betrieb führte inzwischen Jörn Folkerts (geboren 1948) bis zu seinem frühen Tod. Ehefrau Joyce hielt danach das Unternehmen am Laufen, bis 2006 Thorn Folkerts den Familienbetrieb mit rund 20 Mitarbeitern übernahm und heute mit seiner Frau Diana führt.
Anders als seine Vorfahren hat Thorn jedoch den Beruf des Kochs erlernt. Das passte dann auch besser zu dem heutigen Schwerpunkt des gastronomischen Angebots des Cafés.
„In 70 Jahren hat sich vieles geändert“, resümiert Thorn Folkerts: „Die Saison dauert länger und Ansprüche unserer Gäste sind gewachsen.“ Dennoch – der Pudding ist beliebt wie eh und je und der Eisbecher „Leuchtfeuer“ im Pudding gehört nun einmal für viele Urlauber zum Wangerooge-Urlaub.
