DELMENHORST - Die Geschichte beginnt vor rund 200 Jahren: Napoleons Armee hatte von 1810 bis 1813 Bremen besetzt, die Truppen lagerten bis zu den Stadttoren von Delmenhorst. Einer dieser Soldaten muss damals seinen Säbel verloren haben – ob im Kampf oder auf der Flucht wird ein Geheimnis bleiben. 170 Jahre dauert es schließlich, bis der Säbel entdeckt wird. Der damals sechsjährige Mark-Oliver Dörrbecker stößt bei einem Spaziergang mit seiner Oma im Waldstück zwischen Delmenhorst und Harpstedt auf den in den Boden gerammten Säbel. „In der Folgezeit diente das gute Stück als Spielzeug für meinen Sohn oder als Werkzeug“, erzählte am Freitag Mark-Olivers Vater, Professor Dr. Gerd Turowski.
Materiellen Wert
Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei. Fortan können Besucher des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur den Säbel begutachten. Der Zufall wollte es, dass Turowski mit Hilfe von Fachbüchern den bis dahin wenig respektvoll behandelten Gegenstand als ein Relikt der napoleonischen Zeit identifizieren konnte. Das Bremer Focke-Museum gab Turowski recht.
Der Leiter des Museums, Professor Dr. Gerhard Kaldewei, freute sich über das besondere Stück. „Der Säbel hat einen historischen und materiellen Wert“, sagte er. „Das ist ein Sammlerstück.“ Vergleiche mit anderen Säbeln aus dem 19. Jahrhundert hätten die Echtheit des gefundenen Gegenstandes belegt. Auch das Material – ein besonderes Eisen – und der Messinggriff seien typisch für Säbel aus dieser Zeit. „Diese Waffen sind damals tausendfach hergestellt worden. Auch Preußen und Deutsche haben sie verwendet“, erzählte Kaldewei.
Dank von der Stadt
„Es ist sicherlich nicht leicht, so ein Stück, das man selber gefunden hat, aus der Hand zu geben“, sagte Stadtrat Uwe Gritzka und bedankte sich im Namen der Stadt für das Geschenk.
Kaldewei vermutet, dass noch viele andere Delmenhorster ein Stück Delmenhorster Stadtgeschichte zu Hause horten. „Es wäre schön, wenn wir hier noch mehr alte Fundstücke ausstellen könnten“, sagte Kaldewei. Eines weiß er nämlich genau: „Der Weg vom Museums-Objekt zum Sperrmüll ist oftmals nicht weit.“
