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NWZonline.de Ratgeber Wissenschaft Geschichte

Nach Dem Zweiten Weltkrieg: Vor den Bomben in Berlin nach Oldenburg geflüchtet

20.07.2020

Oldenburg /Elmendorf Die ersten Jahre ihres Lebens verbrachte Heidi Schultz-Kadel in Potsdam bei Berlin. 1939 kam sie zur Welt. „Leider nur als Mädchen, man schenkte dem Führer Adolf Hitler Jungen für den Kampf“, wie sie schreibt.

In Erinnerung aus dieser Zeit sind die Fahrten mit der Tram, mit der sie leidenschaftlich gern herumfuhr – auch schwarz, ohne Fahrschein, wenn kein Geld da war. Auch an den Befall mit Läusen denkt sie zurück und war da zunächst ganz stolz drauf. Doch die Freude sollte rasch vergehen, als die Haare behandelt werden mussten. Oder an die Bombenangriffe und die vielen Luftalarme. In den Keller oder Bunker ging die Mutter mit ihren beiden Töchtern nicht, aus Angst, verschüttet zu werden. Die Familie blieb im Freien, die Münder geöffnet, damit vom Druck der explodierenden Bomben die Trommelfelle nicht platzten.

Die liebste Großmutter, Dora Seitz (geb. Klingenberg), wohnte damals in Oldenburg in der Roggemannstraße 21 und Heidi Schultz-Kadel besuchte sie oft während des Krieges, hier fühlte sie sich sicher. „In Oldenburg gab es noch keine Alarme. Meine Schwester war deswegen in Potsdam mit ihrem großen Teddy auf dem Bahnhof von einem Schaffner aufgegriffen worden, der sie fragte, wohin sie denn wolle. Nach Oldenburg zur Omi. Er brachte sie zurück nach Hause“, erzählt Heidi Schultz-Kadel.

„Wir sind buchstäblich mit dem letzten Zug vom Anhalter-Bahnhof weggekommen – erst die Koffer durch die Fenster, dann die Kinder, zuletzt die Erwachsenen. Dann folgte der Großangriff auf den Berliner Bahnhof, alles in Schutt und Asche“, hat sie aufgeschrieben. Am 13. Februar 1945 war das. Auf der Fahrt Richtung Westen wurde der Zug von Fliegern angegriffen. Die Familie überlebte und kam in Oldenburg am Abend an. Die Großmutter schickte sie nach Elmendorf am Zwischenahner Meer – es war bitter kalt. Der Familie gehörten bzw. gehören die Villen am Westufer des Sees. Das Sommerhaus war für die Mutter und ihre beiden Töchter bestimmt. Großmutter Dora Seitz, die mit dem Arzt Ernst Seitz verheiratet war, lebte im Winter in der Stadt und im Sommer am Zwischenahner Meer, erinnert sich Heidi Schultz-Kadel, die zu ihrer Oma ein sehr herzliches und inniges Verhältnis hatte. So blieb der Kontakt nach Oldenburg bestehen. An Oldenburg bewunderte sie, dass im Krieg kaum etwas zerstört worden war. Was für ein Unterschied zu Berlin, das sie zum ersten Mal 1958 wieder besuchte, und Potsdam, ihrer eigentlichen Heimat, in die sie 1990 nach der Wende für ein paar Tage zurückkehrte. Selbst 45 Jahre nach dem Krieg gab es dort noch viele Zerstörungen, erzählt sie. Heute wohnt Heidi Schultz-Kadel an der Auguststraße. Umgeben von teils verblichenen Aufnahmen ihrer Vorfahren, alten Möbeln und vielen Erinnerungen an längst vergangene Zeiten – und eine Jugend am Zwischenahner Meer und Oldenburg.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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