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Barmer Arzneimittelreport Mit Digitalisierung und Datennutzung Todesfälle vermeiden

Laut Barmer Arzneimittelreport könnten bundesweit 70.000 Todesfälle vermieden werden, wenn bei Medikamententherapien Patientendaten mehr genutzt würden.

Laut Barmer Arzneimittelreport könnten bundesweit 70.000 Todesfälle vermieden werden, wenn bei Medikamententherapien Patientendaten mehr genutzt würden.

Sebastian Gollnow/dpa

Hamburg (dpa) - Mit effizienter Digitalisierung und Datennutzung könnten nach Angaben der Barmer Krankenkasse in Hamburg jährlich etwa 1000 Todesfälle im Zusammenhang mit Arzneimitteltherapien vermieden werden.

Bundesweit könnten laut Barmer Arzneimittelreport 2022 sogar bis zu 70.000 Todesfälle von Menschen vermieden werden, die dauerhaft mehrere Medikamente gleichzeitig nehmen, sagte die Hamburger Landesgeschäftsführerin Susanne Klein der Deutschen Presse-Agentur. Für den Report wurden die Arzneimitteltherapien von Barmer-Versicherten ab 40 Jahren über einen Zeitraum von zehn Jahren analysiert.

Der Durchschnitt der Versicherten in Hamburg habe in diesem Zeitraum 24 Arztpraxen besucht sowie 36 Diagnosen und Verordnungen über 19 Wirkstoffe erhalten. Bei Polypharmazie-Patienten, die dauerhaft mehrere Medikamente nehmen und etwa zehn Prozent aller gesetzlich Versicherten ausmachten, seien es fast doppelt so viele Wirkstoffe wie im Durchschnitt.

Kaum möglich, Medikationsrisiken einzuschätzen

«Für Ärztinnen und Ärzte ist es kaum möglich, angesichts der Komplexität der Arzneimitteltherapie den Überblick zu behalten und Medikationsrisiken einzuschätzen», sagte Klein. «Um alles zu dokumentieren, ist eine digitale Unterstützung unabdingbar.»

Dass bei einem digital unterstützten Therapiemanagement die Patientensicherheit steigt und die Sterblichkeit um 10 bis 20 Prozent sinkt, zeigte nach Angaben der Krankenkasse das Projekt AdAM, das die Barmer zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe von 2017 bis 2021 erprobte.

Etwa 940 Hausärzte mit zusammen 11.000 Polypharmaziepatienten hätten daran teilgenommen. Dabei seien den Ärzten mit Einverständnis der Patienten alle Routinedaten der Kasse - etwa zu Vorerkrankungen - zur Verfügung gestellt worden. Außerdem seien den Ärzten Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen von Wirkstoffen gegeben worden.

Nutzung von Routinedaten verbessern Behandlung

«Wir zeigen mit AdAM erstmals, dass die Nutzung von Routinedaten der Krankenkasse zur Behandlungsunterstützung und die elektronisch unterstützte Prüfung auf vermeidbare Risiken Ärzten eine bessere Behandlung ihrer Patienten ermöglichen», sagte Klein. «Bei flächendeckender Anwendung durch die niedergelassenen Ärzte kann AdAM jährlich 65.000 bis 70.000 Todesfälle bundesweit vermeiden.» Auf Hamburg heruntergerechnet seien das etwa 1000 Todesfälle pro Jahr.

Auch für die Aufnahme von Notfällen in Krankenhäusern könnte die Datennutzung wichtige Vorteile bringen. «Ohne vollständige Kenntnis der aktuellen Medikation wird die Arzneimitteltherapie zu einem unkalkulierbaren Risiko», sagte Klein. Es sei unverständlich, dass bisher nicht gewährleistet sei, dass notwendige Informationen sicher zur Verfügung stünden.

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