Oldenburg - Geflüchtete Kinder und Jugendliche haben oft nicht nur in ihrem Heimatland schlimme Trauma-Erfahrungen gemacht. Oft werden sie auch auf der Flucht oder im Zufluchtsland zum Opfer von Gewalt. Auch in Deutschland gibt es Fälle, bei denen Kinder und Jugendliche in den aufnehmenden Familien oder Einrichtungen bedroht, geschlagen und missbraucht werden, berichtet Dr. Agneta Paul. Statt zur Beendigung der Traumatisierung führe die Migration dann zur Verstärkung des Problems.

Genau dazu könne es auch kommen, wenn die Umstände in dem neuen Lebensumfeld auf den ersten Blick positiv sind. Gerade unbegleitete Flüchtlingskinder leiden häufig sehr unter dem Verlust der Familie und der Heimat. Ohne eine intensive Betreuung verstehen sie in dem neuen Land weder die Sprache noch den kulturellen Lebensalltag. Als Folge fühlen sie sich unsicher und allein gelassen. Zu den unverarbeiteten Trauma-Erlebnissen kommen dann oftmals noch Trauer und Frust hinzu.

Einer entsprechenden Negativ-Entwicklung kann man durch die Berücksichtigung protektiver Faktoren entgegenwirken. Die medizinisch als Resilienz bezeichnete Widerstandfähigkeit der Kinder und Jugendlichen kann demnach auf der individuellen, der familiären und der soziokulturellen Ebene gestärkt werden. Dabei können ganz einfache Dinge wichtig sein, betont Dr. Agneta Paul: „Die betroffenen jungen Menschen brauchen vor allem das Gefühl der Akzeptanz, Sicherheit und Geborgenheit.“