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Rückenschmerzen Alarmsignale der Muskulatur

Klaus Hilkmann

Bad Zwischenahn - Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass bundesweit rund 80 Prozent der Erwachsenen immer wieder unter heftigen Rückenschmerzen leiden. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen liegt eine Verletzung oder Erkrankung des Halteapparats oder Skelettsystems mit seinen umgebenden Strukturen vor, die durch einen Arzt behandelt werden müsste. Chronische Rückenschmerzen sind in Deutschland nach Infektionen der Atemwege der zweithäufigste Grund für einen Arztbesuch sowie für Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Neben Arthrose, Rheuma und Osteoporose zählen chronische Rückenschmerzen zu den vier großen Volkskrankheiten, die das orthopädische Spektrum betreffen.

Prävention das A und O

„Die Patienten können selbst eine Menge dafür tun, dass es gar nicht zu chronischen Rückenschmerzen kommt oder bestehende Beschwerden gelindert werden“, berichtet Dr. Günter Dietz, Ärztlicher Direktor der Reha-Klinik am Meer in Bad Zwischenahn. Zum Beispiel könne man häufig schon mit leicht umsetzbaren Veränderungen der Bedingungen am Arbeitsplatz und der Verhaltensmuster in der Freizeit einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Rückengesundheit leisten.

Abgesehen von verschiedenen krankheitsbedingten und psychischen Ursachen sind ungünstige Arbeitshaltungen- und Techniken sowie Bewegungsmangel die häufigsten Gründe für einen plötzlich auftretenden oder dauerhaft vorhandenen Rückenschmerz. Im Büro können mitunter schon Kleinigkeiten helfen, so Dr. Dietz: „Beispielsweise tut es dem Körper gut, wenn man zum Telefonieren vom Bürostuhl aufsteht und das Sitzen regelmäßig durch ein paar Schritte unterbricht.“

Entsprechende Verhaltensregeln seien ein wichtiger Bestandteil von Präventionsmaßnahmen im Kampf gegen den Rückenschmerz. Ein durch regelmäßige und abwechslungsreiche Bewegung trainierter Körper sei weniger anfällig für Fehlbelastungen des Halteapparats und daraus folgenden schmerzhaften Verspannungen der Rückenmuskulatur. Wer nichts für seinen Körper tut, muss nicht nur mit einem immer weiter zunehmenden Schmerzproblem rechnen. Eine dauerhafte Fehlhaltung und Bewegungsmangel können unter anderem auch zu schweren Haltungsschäden und daraus resultierenden Erkrankungen des Skelettsystems führen. Nicht selten wird dadurch auch das Entstehen anderer Zivilisationserkrankungen wie Adipositas, Diabetes Mellitus oder Bluthochdruck begünstigt.

Der Verzicht auf körperliche Belastungen führt viele Betroffene in einen gefährlichen Teufelskreis, erklärt Dr. Dietz: „Ohne Training kann der Körper nicht die Muskelmasse bilden, die er für seine täglichen Verrichtungen benötigt. Der Betroffene fühlt sich dann immer weniger leistungsfähig und traut seinem Körper noch weniger zu.“ Mit einer sehr schwachen Rückenmuskulatur könne der Körper schon bei scheinbar sehr leichten Tätigkeiten wie Sitzen oder Bücken überfordert sein. Insbesondere ältere, oft durch andere Krankheiten zusätzlich geschwächte Menschen reagieren auf diese körperliche Abwärtsentwicklung häufig mit weiter reduzierter Aktivität. Das sei dann besonders fatal, weil es mit zunehmendem Alter immer schwieriger werde, einmal abgebaute Muskelmasse wieder aufzubauen.

Verspannungen auflösen

Einen durch dauerhafte Fehlhaltung oder einseitige Belastung entstandenen Rückenschmerz kann man – in einfachen Worten erklärt – auch als einen Alarmruf des Halteapparats und der Muskulatur bezeichnen. Die meistens zwischen den Schulterblättern und unterhalb des Kreuzes besonders starken Schmerzen entstehen insbesondere durch Verspannungen der Muskulatur. Wesentlicher Grund ist, dass der Stoffwechsel im Muskelgewebe nur unzureichend angeregt wird, was wiederum zu einer Übersäuerung der Muskulatur führt, betont Dr. Dietz: „In schlimmen Fällen kann das zu unerträglichen Schmerzen und Blockaden sowie einer weiter reduzierten Beweglichkeit führen.“

Am meisten sind Menschen mit sitzenden Tätigkeit betroffen, die ihren Rumpf und den Nacken – etwa vor dem Computerbildschirm– dauerhaft in einer ungünstigen Stellung halten. Ohnehin ist das Sitzen für die aufs Gehen, Laufen und Krabbeln ausgerichtete Konstruktion des menschlichen Skelett- und Muskelsystems eigentlich unnatürlich. Auch aus diesem Grund sollte man vom Bürostuhl oder vom heimischen Sofa immer wieder einmal aufstehen und sich bewegen.

Schwere Folgeschäden kann eine dauerhaft falsche Sitzhaltung vor allem an den Bandscheiben erzeugen. Eine starre Haltung bewirkt, dass der für eine gute Versorgung benötigte Wechsel von Druck und Entspannung nicht ausreichend funktioniert. Als Folge werden weniger Nährstoffe aufgenommen, was zu einer Mangelversorgung der Bandscheiben führen kann. Ergebnis kann zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall sein, der häufig von Haltungsschäden bis hin zur Degeneration der Wirbelsäule begleitet wird.

An körperliche Belastungen gewöhnte Menschen leiden in der Regel selbst nach harten Arbeitstagen oder großen sportlichen Anstrengungen seltener unter chronischen Rückenschmerzen als körperlich inaktive Menschen. „Wer an diese Tätigkeiten gewöhnt ist, entwickelt automatisch die dazu passenden Bewegungsmuster“, erklärt Dr. Günter Dietz. Gut trainierte Muskeln werden durch weitere Anforderungen eher noch besser versorgt. Es sei denn, man geht über die Belastungsgrenze hinaus. Dann können sich Muskelverletzungen einstellen.

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