Von Klaus Hilkmann
Frage:
Können schon Kleinkinder von einer Glaukom-Erkrankung betroffen sein?Grehn:
Ja. In der Regel liegt dabei eine genetisch bedingte Störung der Abflussstrukturen vor, wodurch der Abfluss des Kammerwassers im Auge behindert wird. Dabei entsteht eine chronische Druckerhöhung im Auge, die im Kleinkindalter zu einer irreparablen Schädigung des Sehnervs – also zur Erblindung – führen kann.Frage:
Wodurch ist die Erkrankung erkennbar?Grehn:
Typische Anzeichen sind besonders groß erscheinende Augen durch Vergrößerung des Augapfels und der Hornhaut, sowie häufig tränende oder gerötete Augen. Zudem entsteht bei hohem Augendruck häufig eine Trübung der Hornhaut. Weil dabei das „Fenster des Auges“ betroffen ist, verändert sich bei den kleinen Betroffenen die Optik, was wiederum zu einer Behinderung der Sehentwicklung führt. Die gefährlichste Schädigung des Auges wird aber durch die druckbedingte Zerstörung des Sehnervs erzeugt.Frage:
Wie kann man sich schützen?Grehn:
In Deutschland kommt bei 12 000 bis 16 000 Geburten etwa ein Kind mit einer Glaukom-Erkrankung zur Welt. Man kann also von etwa 50 bis 60 Neuerkrankungen pro Jahr ausgehen. Typische Anzeichen können im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt erkannt werden. Im Verdachtsfall muss das Kind von einem Augenarzt untersucht und der Augendruck gemessen werden. Hierzu wird das Auge mit Tropfen kurzzeitig betäubt. Bei älteren Säuglingen ist eine kurze Narkose erforderlich.Frage:
Wie kann man betroffenen Kindern helfen?Grehn:
Die fehlende Ausreifung des Ausflusssystems lässt sich heute gut mit einer Operation ausgleichen, bei der der Augendruck gesenkt wird. Die Operationen führen heute in mehr als drei Viertel der Fälle zum Erfolg.Frage:
Wie ist es mit Risiken?Grehn:
Natürlich gibt es keine risikolose Operation. Dazu kommt, dass das Gewebe bei Kleinkindern noch viel feiner und weicher ist als bei Erwachsenen. Die Glaukom-Operation bei Babys und Kleinkindern zählt daher zu den heikelsten Eingriffen innerhalb der Augenheilkunde. Deshalb sollte der Eingriff möglichst in einem spezialisierten Glaukom-Zentrum durchgeführt werden.Prof. Dr. Franz Grehn (Bild) ist Direktor der Universitäts-Augenklinik Würzburg.
