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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Furcht vor dem Bohrer-Schmerz

13.02.2018

Apen Die Schädigung und Zerstörung eines oder mehrerer Zähne durch Karies oder anderer Zahnerkrankungen erfolgt in der Regel nicht von heute auf morgen. Ein schadhaftes Gebiss ist vielmehr meistens die Folge einer seit langer Zeit andauernden Vernachlässigung der Zahnpflege und Mundhygiene.

Bei Menschen mit großer Angst vor einem vermeintlich schmerzhaften Bohrer-Einsatz kommt erschwerend hinzu, dass sie selbst dann nicht Hilfe bei einem Zahnarzt suchen, wenn sich bereits heftige Beschwerden eingestellt haben. Betroffene leben mitunter viele Jahre mit einer unbehandelten Zahnerkrankung und daraus resultierenden funktionellen Problemen – etwa wenn ein stark geschädigter Backen-, Eck- oder Schneidezahn entzündet ist und bei jeder Berührung oder sogar permanent schmerzt.

Psychische Belastung

Statt auf eine Zahnbehandlung, mit der sich das Problem lösen lässt, setzen viele Betroffene auf Schmerzmittel, die ihnen für einige Zeit eine Linderung verschaffen. Neben einer Medikamentenabhängigkeit droht dann eine immer weiter fortschreitende Zerstörung der Zähne durch die Karies-Erkrankung. Zudem kann es zu Folgeproblemen wie etwa einer Entzündung und Abszessbildung in den gleich neben dem schadhaften Zahn liegenden Weichteilstrukturen kommen. Neben starken Schmerzen stellen sich dann oft auch heftige Schwellungen ein, die zu Behinderungen beim Sprechen und Schlucken führen. Außerdem steigt das Risiko für Allgemeinerkrankungen.

Ein stark kariöses Gebiss macht sich nicht zuletzt als optischer Mangel bemerkbar, der – häufig inklusive unangenehmem Mundgeruch – bei jedem Gespräch sichtbar wird. Für viele Betroffene bedeutet das eine große psychische Belastung und Verringerung der Lebensqualität, berichten die Zahnärzte Carsten Weber, Frank Lutovsky und Timo Babbe-Pekol aus der auch auf Angst-Patienten spezialisierten Zahnarztpraxis Ammerland in Apen.

Viele junge Betroffene und auch ältere Patienten, die nur noch über einen Restzahnbestand verfügen, meiden aus Scham über das schlechte Erscheinungsbild ihrer Zähne soziale Kontakte und ziehen sich immer mehr zurück. Entsprechend hoch ist die Dunkelziffer der Menschen, die trotz dringenden Behandlungsbedarfs auf eine qualifizierte zahnmedizinische Hilfe verzichten.

Die Angst vor dem Zahnarzt verfolgt viele Betroffene schon seit der Kindheit und ist in vielen Fällen mit einem traumatischen (Schmerz)-Erlebnis verbunden. Nicht selten hatten bereits die Eltern große Furcht vor einem Zahnarztbesuch und haben diese an ihre Kinder weitergegeben. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollten regelmäßige Vorsorgebesuche beim Zahnarzt bereits ab dem Kleinkindalter ganz unaufgeregt als ein normaler Teil des Lebensalltags etabliert werden.

Besseres Gefühl

Bei der Behandlung eines besonders ängstlichen Patienten kommt es zunächst darauf an, Vertrauen aufzubauen und Furcht abzubauen. „Der Zahnarzt muss dem Patienten das Gefühl vermitteln, dass er ernst genommen wird und er sich wegen des Zustands seiner Zähne nicht schämen muss“, erklärt Carsten Weber. Im behutsamen Vorgespräch werde geklärt, wovor der Patient sich fürchtet und was dazu beitragen kann, ihm ein besseres Gefühl zu vermitteln. Viele Patienten bringen zum Beispiel eine Musik-CD von zu Hause mit, die während der Behandlung anstelle des als bedrohlich empfundenen Bohrgeräusches für entspannende Klänge sorgt. Oft sei es sinnvoll, wenn bei der Behandlung stets die gleiche Zahnarzthelferin anwesend ist. „Viele Patienten stellen schon beim ersten Behandlungstermin fest, dass sie sich nicht vor Schmerzen fürchten müssen.“ Wichtig sei dafür, dass die für eine Sanierung vorgesehene Zahnregion großzügig betäubt wird. Von Bohren, Füllen und Schleifen sei somit nichts oder nur sehr wenig zu spüren.

Bei einer aufwendigen Zahnsanierung mit mehreren Terminen werde wenn möglich mit den kleineren Schäden angefangen. Auch ein Lob für den aufgebrachten Mut könne nicht schaden, so Weber: „Unser Ziel ist, dass der Patient mit dem Gefühl nach Haus geht, dass es gar nicht so schlimm war.“

Menschenmit großer Angst vor dem Zahnarzt ist meistens bewusst, dass der Verzicht auf Kontroll- und Behandlungstermine schädlich für ihre Gesundheit und Lebensqualität ist. Viele von ihnen entschließen sich nach jahrelangem Ringen zwischen Vernunft und Furcht für einen Zahnarztbesuch – und kehren kurz vor dem Praxiseingang doch wieder um. Helfen kann mitunter die Unterstützung durch den Partner oder andere Kontaktpersonen. Vielen ängstlichen Patienten tut es gut, wenn sie nicht allein zum Zahnarzt gehen müssen.

Wichtig ist auch, dass die Patienten vorher genau wissen, wie umfangreich die Behandlung ist und was dadurch auch finanziell auf sie zukommt. Zudem können gemeinsam mit dem Zahnarzt vereinbarte Regeln sinnvoll sein. Zum Beispiel kann dabei festgelegt werden, dass die Behandlung sofort gestoppt wird, wenn der Patient einen Arm hebt, erklärt der Zahnarzt Carsten Weber: „Er kann sich dann von vornherein sicher sein, dass er nicht gegen seinen Willen behandelt wird und immer die Kontrolle über den Schmerz hat.“

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