Marlene Mortler (Bild) ist die Drogenbeauftragte der Bundesregierung.
Bei welchen medizinischen Indikationen kann der Einsatz von Cannabis sinnvoll sein?
MortlerWir wissen heute, dass Cannabis tatsächlich schwerkranken Menschen mit chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose oder im Bereich der Palliativmedizin helfen kann. Wichtig ist aber, dass es standardisiert und in Arzneimittelqualität zur Verfügung steht. Außerdem muss jeder wissen, dass Cannabis kein Wundermittel ist – die Erwartungen sollten auch nicht zu hoch sein. Ob der Einsatz von Cannabis sinnvoll ist, muss am Ende der Arzt entscheiden.
Was müssen betroffene Patienten beachten?
MortlerWie jedes andere Medikament birgt auch Cannabis Risiken und Nebenwirkungen, etwa bei falscher Dosierung. Cannabisarznei ohne ärztlichen Rat einzunehmen, davon kann ich nur abraten. Wichtig ist außerdem: Wer aufgrund seiner eingenommenen Cannabisarznei fahruntüchtig wird, muss das Auto stehen lassen.
Wird Cannabis trotz der Zulassung für eine begrenzte Nutzergruppe als riskante Droge eingeschätzt?
MortlerCannabis in jeder anderen Form als der Medizin ist und bleibt in Deutschland illegal. Das neue Gesetz „Cannabis als Medizin“ ändert schließlich nichts daran, dass Cannabis bei jüngeren Menschen, die regelmäßig oder über einen längeren Zeitraum konsumieren, gravierende gesundheitliche Schäden verursachen kann. Hier ist die Forschung sehr eindeutig. Deshalb gilt: Cannabis als Medizin für Menschen, die es unbedingt brauchen – Ja. Ebenso gilt für den Freizeitkonsum ein eindeutiges „Nein“.
